Mit „Rags“ bringt das RGG Hausach 2026 ein bewegendes Broadway-Musical auf die Bühne: Die Geschichte jüdischer Flüchtlinge im New York von 1910.
Es ist wieder Musical-Zeit in Hausach: Seit den 70er-Jahren gehören die Produktionen des Robert-Gerwig-Gymnasiums fest zum kulturellen Leben im Kinzigtal. Jedes zweite Jahr führt das Robert-Gerwig-Gymnasium ein aufwändig, mit viel Liebe zum Detail und professionell produziertes Musical auf. „Hair“, „Evita“, „Rent“, „West Side Story“, „Linie 1“ und zuletzt „Shrek“ haben die Schüler, Ehemaligen und Ehrenamtliche auf die Bühne gebracht. Nun ist „Rags“ an der Reihe.
Das Stück: Im Juni 2026 setzt das Musical-Team diese Erfolgsgeschichte fort. Unter der Leitung von Reinhardt Bäder und Giovanni Gino Santo bringt das Ensemble das Broadway-Musical „Rags“ auf die Bühne der Hausacher Stadthalle. An insgesamt fünf Aufführungsabenden erwartet das Publikum ein emotionales und gesellschaftlich hochaktuelles Stück. Dabei kehrt das RGG gewissermaßen erneut nach New York zurück. Bereits mit Produktionen wie „Rent“ oder der „West Side Story“ spielte das Ensemble im berühmten „Big Apple“. Auch „Rags“ führt das Publikum in die amerikanische Millionenstadt – allerdings in eine ganz andere Zeit. Die Handlung spielt im Jahr 1910 und erzählt die Geschichte jüdischer Einwanderer, die vor Verfolgung und Armut aus Russland fliehen und in Amerika auf ein besseres Leben hoffen.
Handlung: Im Mittelpunkt der Handlung steht die junge Rebecca, dargestellt von Helena Tritschler. Gemeinsam mit ihrem Sohn David, gespielt von Sami Nübel, verlässt sie ihre Heimat und wagt die gefährliche Überfahrt nach Amerika. Dort möchte sie ihren Mann Nathan wiederfinden, der bereits seit Jahren versucht, in den Vereinigten Staaten Fuß zu fassen. Doch als Rebecca und David in New York ankommen, wartet niemand auf sie. Ohne Geld, ohne Orientierung und ohne Sicherheit beginnt für Rebecca ein verzweifelter Kampf um ein neues Leben.
Unterstützung erhält sie von Bella, gespielt von Leonie Bäder, einer jungen Frau, die Rebecca bereits auf dem Auswandererschiff kennengelernt hat. Auch Bella träumt vom amerikanischen Traum, von Freiheit, Wohlstand und einem Neuanfang. Doch die Realität, mit der die beiden Frauen konfrontiert werden, ist weit entfernt von den Hoffnungen, die sie mit ihrer Reise verbunden haben. Die Einwanderer leben am Rand der Gesellschaft. Sie arbeiten für Hungerlöhne in Fabriken und Ausbeuterbetrieben, oft unter menschenunwürdigen Bedingungen. Gewerkschaftliche Organisationen versuchen, gegen diese Zustände anzukämpfen, doch auch dieser Kampf ist gefährlich und mit großen persönlichen Risiken verbunden. Rebecca gerät dabei zunehmend zwischen verschiedene Fronten.
Hintergrund des Stücks: Der Titel „Rags“ – übersetzt „Lumpen“ – verweist auf die Lebensumstände der Einwanderer, die von der amerikanischen Gesellschaft oft als wertloses „Lumpenproletariat“ betrachtet werden. Das Musical erzählt von Armut, Ausbeutung und sozialer Ungleichheit, aber auch von Mut, Zusammenhalt und dem unerschütterlichen Willen vieler Menschen, sich trotz aller Widrigkeiten eine Zukunft aufzubauen.
Spannend ist dabei der historische Hintergrund des Stücks. „Rags“ gilt gewissermaßen als Fortsetzung des weltberühmten Musicals Anatevka. Dessen Autor Joseph Stein entwickelte die Geschichte jüdischer Familien weiter, die ihre Heimat im zaristischen Russland verlassen müssen. Während Anatevka das Leben vor der Flucht zeigt, erzählt „Rags“ von dem schwierigen Versuch, in der neuen Welt anzukommen. Auch für das RGG schließt sich damit ein Kreis: Bereits 1994 wurde Anatevka in Hausach aufgeführt. Nach der Broadway-Uraufführung von „Rags“ im Jahr 1986 fand das Musical bereits 2009 seinen Weg ins Kinzigtal – nun kehrt es erneut auf die Hausacher Bühne zurück.
Bezug zur heutigen Zeit: Dass das Stück heute aktueller denn je wirkt, macht seine besondere Stärke aus. Die Themen Flucht, Migration und Integration prägen auch mehr als 100 Jahre nach der Handlung noch die gesellschaftliche Diskussion weltweit. Menschen verlassen bis heute ihre Heimat aus Angst vor Krieg, politischer Verfolgung, religiöser Unterdrückung oder wirtschaftlicher Not. Genau diese Erfahrungen greift „Rags“ auf und macht sie auf eindringliche Weise sichtbar. Dabei behandelt das Musical nicht nur politische und gesellschaftliche Fragen, sondern auch persönliche Themen: Verlust, Einsamkeit, Fremdsein, Hoffnung, Liebe und die Suche nach Identität ziehen sich durch die gesamte Handlung. Gleichzeitig zeigt „Rags“, wie Menschen trotz aller Schwierigkeiten ihren Lebensmut bewahren. Humorvolle Szenen und optimistische Momente sorgen dafür, dass das Stück trotz seiner ernsten Thematik nie hoffnungslos wirkt.
Herausforderung: Durch die Corona-Zeit war der „Nachwuchs“ im Chor der Klassen 6 und 7 in den zurückliegenden Jahren nicht so wie erwartet, wie die Organisatoren des Musicals berichten. Darunter „leidet“ heute der Mittel-/Oberstufenchor. Mittlerweile erfährt er erfreulicherweise einen „Boom“. Und da liegt eine besondere Herausforderung. 63 Schüler sind alleine im 6/7er-Chor – fast alle ohne Bühnen- oder Musicalerfahrung. Dazu kommen 32 Darsteller im Mittel-Oberstufenchor. Teilweise kommen alle zusammen auf der Bühne: Der Koordinationsaufwand ist da hoch.
Termine und Tickets
Die Aufführungen finden an folgenden Terminen in der Hausacher Stadthalle statt: Sonntag, 7. Juni, 18 Uhr; Montag, 8. Juni, 19 Uhr; Mittwoch, 10. Juni, 19 Uhr; Freitag, 12. Juni , 19 Uhr; Samstag, 13. Juni, 18 Uhr. Die Hallenöffnung erfolgt jeweils eine beziehungsweise eineinhalb Stunden vor Beginn. Der Vorverkauf startet am 13. Mai. Eintrittskarten sind bei der Tourist-Info Hausach, bei Stifte & Mohr in Hausach, im Buchladen Limberger in Haslach, bei Tabak und Herrenmode Schmidt in Wolfach sowie im Sekretariat des Robert-Gerwig-Gymnasiums erhältlich.