Ohne Ritter: das schwarze Pferd. Dorothee Lauer führt durchs Museum. Foto: Steinmetz

Welchen Gefahren mittelalterliche Kämpfer in der Schlacht ausgesetzt waren, wird beim Museumstag in Glatt deutlich. Doch ein edler Recke fehlt – er ist beim „Uffrur!“.

Trotz der Renovierungsarbeiten: Das Wasserschloss bleibt ein Besuchermagnet. Jetzt ist das Gebäude auch an der Außenfassade eingerüstet. Den Museumsbetrieb stören die Arbeiten jedoch nicht.

 

„Das funktioniert gut“, meinte Museumsleiter Cajetan Schaub am Sonntag. Zusammen mit Dorothee Lauer bot er anlässlich des internationalen Museumstags Führungen im Kultur- und Museumszentrum an.

Ritter ist im Bauernkrieg

Klar: Die meisten Besucher kamen wegen des Schlosscafés. Dort herrschte bei gutem Wetter reger Betrieb. Deutlich weniger Besucher kamen ins Museum. Dorothee Lauer führte beim ersten Termin denn auch nur eine kleine, dafür sehr interessierte Gruppe durchs Schloss.

Das Rüstzimmer am Eingang war die erste Station des Rundgangs. Allerdings fehlte da jemand: nämlich der Ritter mit seiner Lanze auf dem hölzernen Pferd. Er ist für die Landesausstellung „Uffrur! Utopie und Widerstand im Bauernkrieg 1524/25“ in Bad Schussenried ausgeliehen worden.

Mit 50 Kilogramm in die Schlacht

Zuvor war er fit gemacht, das heißt restauriert worden. Der Ritter hatte zuletzt nicht mehr die beste Figur auf seinem Schlachtross abgegeben. Jetzt steht das schwarze Pferd ohne Reiter im Rüstzimmer, dürfte aber, wäre es ein lebendiges Tier, darüber nicht gerade unglücklich sein. Das Pferd hatte ja auch eine schwere Last zu tragen.

Eine Ritterrüstung, wie sie zu Turnieren verwendet wurden, wog rund 30 Kilogramm. Für die Schlacht trug der Kämpfer noch zusätzlich ein Kettenhemd. Zusammen mit der Waffe kamen bis zu 50 Kilogramm zusammen, erklärte Dorothee Lauer.

Visier und Schwertgriff

Das Rüstzimmer enthält eine sehenswerte Sammlung originaler Rüstungen aus dem Spätmittelalter und Waffen, darunter auch Gewehre. Eine der Ritterrüstungen in der Vitrine hat eine Delle, die von einer Kugel stammte. Der Ritter hatte es überlebt.

Die Besucher schauen sich die Ritterrüstungen an. Foto: Steinmetz

Gefährlich konnte es für ihn sein, wenn er bei der Schlacht das Visier anhob, um besser sehen zu können. Das sei eine der Schwachstellen gewesen, sagte Dorothee Lauer. Von daher stamme der Spruch: „Ein Auge riskieren.“ Es gibt noch eine Reihe anderer Redewendungen aus der Ritterzeit, wie beispielsweise das „Heft“ – womit der Schwertgriff gemeint war – „in die Hand nehmen“.

Sehr gut erhaltenes Schloss

Die Landsknechtrüstungen, die ebenfalls in einer Vitrine ausgestellt sind, wurden im 17. Jahrhundert getragen. Sie waren zweckmäßiger als die eisernen Harnische, die zwar den ganzen Körper schützen, in denen sich der Ritter aber kaum bewegen konnte.

Während des 30-jährigen Kriegs von 1618 bis 1648 war deren Zeit auch schon längst vorbei. Gegen Schusswaffen nutzten Rüstungen nicht mehr viel.

Das Glatter Wasserschloss gehört zu den besterhaltenen Renaissanceschlössern in Baden-Württemberg. Die Gemeinde Glatt hat es vom Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen Anfang der 1970er-Jahre für 137 000 D-Mark (rund 65 000 Euro) gekauft.

Grundlegende Renovierung

500 Jahre habe es trotz 30-jährigem Krieg und zwei Weltkriegen unbeschadet überstanden. Für Sanierungen musste die Stadt Sulz mit ihrem Ortsteil Glatt jedoch viel Geld investieren, um, so Dorothee Lauer, „den Traum von einem Museum“ verwirklichen zu können.

1996 wurde das Bauernmuseum in der zum Schlossareal gehörenden Zehntscheuer eröffnet, 2001 dann das Kultur- und Museumszentrum. Jetzt muss das Gebäude erneut renoviert werden. Dorothee Lauer zeigte durchs Fenster nach draußen Richtung Schlossgarten.

Rätselraten für Kinder

Weil das Wasserschloss als „schwalbenfreundliches Haus“ eingestuft worden sei, sei wegen der Arbeiten an der Fassade und auf dem Dach extra ein Schwalbenhaus für 20 000 Euro gebaut worden, erklärte sie.

Während des Museumstags galt das Motto „zahl, was du willst“ für den Eintritt. Im Bauernmuseum gab es für Kinder und Jugendliche eine Mäuserallye mit einem Quiz. Wer alle Fragen richtig beantworte, erhielt eine kleine Belohnung.