Evi Hoffmann erklärt die Waffen in der Rüstkammer. Foto: Steinmetz

Zahlreiche Sprichwörter haben sich aus dem Mittelalter in unserer Sprache erhalten. Doch neben Waffen und Rüstungen gab es auch eine Druckerpresse im einstigen Atelier des Künstlers Paul Kälberer in Aktion zu sehen.

Aber es stellten sich doch bis zu 30 Interessierte bei den angebotenen Führungen ein. Darüber freuten sich Evi Hoffmann und Dorothee Lauer. Gewandet als Burgfräuleins erklärten sie den Teilnehmern die Museumsräume im Hauptschloss.

 

Hauptattraktion ist die Rüstkammer mit einer großen Waffensammlung und Turnierrüstungen der Stiftung Gottlob-Herbert und Marie-Luise Bidermann. Hier startete die Führung mit einer geschichtlichen Einführung.

Lebensgroßer Ritter

Dass das Wasserschloss die Jahrhunderte gut überstanden hat, ist dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass das Gebäude zwar ab und zu überfallen, aber nie zerstört worden war.

Der Blickfang in der Rüstkammer ist der Ritter auf dem hölzernen Pferd in Lebensgröße. So trat er wohl beim Tjost in seiner 20 bis 30 Kilogramm schweren Rüstung an, wenn er mit der Lanze den Gegner aus dem Sattel heben wollte.

„Ins Gras beißen“

Bequem war das Eisenzeug ganz bestimmt nicht, und gegen die aufkommenden Feuerwaffen boten sie auch keinen ausreichenden Schutz. Evi Hoffmann zeigte auf eine Rüstung mit Einschusslöchern. Die Ritter trugen letzten Endes nur noch Schaukämpfe bei Turnieren aus.

Aus der Ritterzeit stammen heute noch verwendete Redewendungen, beispielsweise in die „Schranken gewiesen“. Das ist darauf zurückzuführen, dass bei Turnieren die Pferde in Schranken auf den Gegner zulaufen mussten. Der Zusammenprall ging nicht immer glimpflich aus, so dass so mancher Ritter „ins Gras beißen musste“.

Ritter und Fürstäbte

Große Schuhe hatten sie auch an: Ritter lebten somit „auf großem Fuß“. „Wie viel wiegt das lange Schwert“, wollte eine Frau wissen, die sich wunderte, wie man damit kämpfen konnte. „15 Kilogramm“, schätzte der Mann neben ihr mit kundigem Blick.

Die Burgfräuleins Evi Hoffmann (links) und Dorothee Lauer Foto: Steinmetz

Der berühmteste Ritter war Reinhard von Neuneck, der Schlosserbauer, dessen Adelsgeschlecht aber ausstarb. Zuletzt stand Glatt unter der Herrschaft des Klosters Muri aus der Schweiz. Die Fürstäbte regierten von 1706 bis 1803.

„Mäuserallye“ für Kinder

Napoleon beendete ihre Regentschaft, danach kam das Schloss in den Besitz des Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen, der es 1971 an die damals noch selbstständige Gemeinde Glatt verkaufte. Die Führung endete im Hohenzollernzimmer.

Die Besucher konnten dann auf eigene Faust die Abteilungen des KMZ besichtigen. Im Fürstensaal und den Nebenräumen stellen derzeit Rottweiler Künstler ihre Werke aus. Für Kinder und Jugendliche gab es eine „Mäuserallye“ im Bauernmuseum.

Ritterlager fällt aus

Auffallend war, dass der Schlossgraben kein Wasser mehr hatte. Es ist eine Woche zuvor abgelassen worden. Der Grund: Für die Fassadenerneuerung muss ein Gerüst aufgestellt werden. Wann aber die Arbeiten beginnen werden, dafür gebe es noch keinen Termin, teilte Museumsleiter Cajetan Schaub mit. Im Sommer sollte es damit „theoretisch“ losgehen, meinte er. Geplant sei, dass der Museumsbetrieb weiterlaufe.

Dass das Ritterlager, das bislang im Wechsel mit dem Opernfestspielen stattfand, in diesem Jahr ausfällt, hat nichts mit den anstehenden Bauarbeiten zu tun. „Das finanzielle Risiko wäre zu groß gewesen“, erklärte Schaub. Das andere Problem: Nach Corona seien nicht mehr so viele Leute in der Mittelalter-Szene tätig.

Radierungen im Atelier

„Wir haben das Ritterlager schweren Herzens abgesagt“, so Schaub. Ob es überhaupt noch einmal veranstaltet wird, ist offen. Schaub: „2026 überlegen wir, ob es wieder in diese Richtung geht oder wir etwas ganz anderes machen.“ Das kommende Jahr steht jedenfalls im Zeichen 500 Jahre Bauernkriege.

Reinhold Kälberer und Birgit Krohn zeigen, wie Radierungen gedruckt werden. Foto: Steinmetz

Die Kälberer-Stiftung hatte am Museumstag ebenfalls geöffnet. Reinhold Kälberer demonstrierte im früheren Atelier seines Vaters Paul Kälberer, wie Radierungen gedruckt wurden. Assistiert hat ihm dabei Birgit Krohn, eine Enkelin des Glatter Künstlers.

Kunst und Wetter genießen

Sie hatte sich den ursprünglich weißen, jetzt aber geschwärzten Arbeitskittel von Paul Kälberer angezogen. Vor schmutzigen Fingern darf man sich an der Druckerpresse nicht scheuen. Birgit Krohn, die künftig in der Stiftung Aufgaben übernehmen wird, hat von Reinhold Kälberer das Drucker-Handwerk erlernt.

Er war sehr zufrieden mit den Ergebnissen seiner Schülerin. Auch im Künstler-Atelier gab es interessierte Zuschauer, die nach den Vorführungen draußen das schöne Wetter und den Blick von oben auf Glatt genießen konnten.