Die Sammlungen von Killer, Hausen und Jungingen lockten jeweils mit einem Sonderprogramm: historische Mechanik, Peitschengeknall, geschichtlicher Vortrag.
Vorweg: Die drei heimatgeschichtlichen Sammlungen des Killertals sind mit der Bilanz des Internationalen Museumstages rückblickend zufrieden. Eins hat das andere beworben und das brachte tatsächlich den gewünschten Effekt, viele Besucher schauten an dem Nachmittag in allen drei Häusern vorbei – machten Museums-Hopping.
Die Bewahr-Orte hatten jeweils eigene Schwerpunkte gesetzt und eigene Angebote vorbereitet: In Hausen zeigte man in einer Sonderausstellung historische Blutdruckmesser, im Peitschenmuseum in Killer knallten die Karbatschen und fand eine Motorradsegnung statt, während in Jungingen die Zeitzeugin Hella Jetter über die Jugend in der Nachkriegszeit referierte.
Beim Internationalen Museumstag im kommenden Jahr – so die Idee – will man das verbindende Element Killertal stärker hervorheben und sich an einem gemeinsamen Thema orientieren. Etwa Erwerb, Produktionsweisen oder Verdienstmöglichkeiten – die sich trotz der geografischen Nähe der drei Dörfer in älterer Zeit recht unterschiedlich gestalteten.
Albert Mauz, Vorsitzender der Hausener Heimatfreunde, freute sich über vergleichsweise viele Besucher aus dem Raum Albstadt. „Die hat es bisher nicht zu uns hergezogen.“ Er führt das neu erwachte Interesse auch auf die Kooperation mit dem Museum für Volkskunst in Meßstetten zurück. Jüngst beteiligte sich Hausen dort mit einer Passionskrippe an einer Sonderausstellung über Leben und Sterben. „Dadurch sind die Leute auf unser Museum aufmerksam geworden.“
Erklärungen faszinieren
Allgemein seien die Besucherzahlen an den regelmäßigen Öffnungstagen jedoch rückläufig. „Das ältere Publikum fehlt uns, das wird weniger. Und junge Leute kommen kaum nach“, weiß Mauz.
Was kann man tun, um das Interesse zu beleben? Wichtig sei es, sagt der Museumsleiter, stets etwas „Neues“ zu bieten, eben eine Sonderausstellung wie jetzt die Blutdruckmesser. Zum anderen: Präsenz zeigen, zur Verfügung stehen. „Wenn niemand da ist, kommen die Leute rein, schauen sich die Sachen kurz an und laufen wieder weg. Wenn man ihnen erklärt, wie das und das funktioniert oder wo es herstammt, fangen sie sofort an nachzufragen. Dann könntest du manchmal stundenlang dastehen und erzählen.“
Peitschen pfeifen durch die Luft
Die Sonderausstellung „Blutdruckmesser“ nutzten in Hausen am Sonntag übrigens 48 Personen, um mit einem modernen Gerät die Verfassung ihres Kreislaufs testen zu lassen. „Auch ein Erfolg“, wie Mauz meint.
In Killer ließen vor dem Deutschen Peitschenmuseum die Hohenzollernknaller ihre Peitschen durch die Luft pfeifen und – der Name sagt‘s – tüchtig knallen. Das schallt ganz schön in den Ohren!
Rund zwei Dutzend Motorradfahrer hatten sich außerdem eingefunden, um ihre Fahrzeuge für eine unfallfreie Saison segnen zu lassen. Pfarrer Albert Striet gestaltete die Zeremonie ebenso würdig wie humorig. Dass der rheinländisch geprägte Westfale sich anschließend noch kurz auf ein Glas Bier zu den Bikern setzte, nahm die Zweiradfahrer und anderen Besucher endgültig für ihn ein.
In Jungingen sind Besucher in der Grundschule zu Gast
Volles Haus schließlich im Heimatmuseum Jungingen. Deutlich zu erkennen: Die meisten Besucherinnen und Besucher waren ins Obergeschoss der Grundschule gekommen, um den Vortrag ihrer ehemaligen Mitbürgerin Hella Jetter über die Nachkriegszeit zu hören.
Jetter erzählte sehr persönlich und warmherzig aus dieser schwierigen Zeit unter französischer Besatzung: Ängste und Sorgen plagten die Bevölkerung, es wurden jedoch auch Freundschaften mit Angehörigen der ausländischen Truppen geschlossen. Am Schluss stand Jetters Appell an Toleranz und Menschlichkeit und ihre Absage gegenüber Fremdenhass und Nationalismus. Großer Applaus.
Bewirtet hatte die Gäste in Jungingen der SV; begrüßt worden war Hella Jetter von Matthias Bumiller, AG Heimat. Bürgermeister Oliver Simmendinger kam erst etwas später (wieder) hinzu, da er zeitgleich, als Chef des Peitschenmuseums, auch in Killer anwesend sein musste.
Im Oktober nochmals in den Schwarzen Brunnen
Termine
In Hausen stehen die kommenden Öffnungstage des Heimatmuseums bereits fest. Am 20. Juni findet von 19 bis 22 Uhr eine Museumsnacht mit Führungen statt. Am 15. Oktober werden nochmals die Männer anwesend sein, die in Tauchgängen den Schwarzen Brunnen in Hausen erforschten.