Werner Schönleber und OB Markus Ibert präsentierten das 238-Seiten-Werk „Auf Wacht am Oberrhein“. Foto: Baublies

Historiker Werner Schönleber hat über die kanadischen Militärstandorte in Lahr und Söllingen promoviert. Die wissenschaftliche Studie ist jetzt als Buch erschienen, das am Sonntag im Stadtmuseum vorgestellt wurde – dort arbeitet der Autor auch.

Welche Spuren haben die Kanadier in Lahr in den Jahren 1967 bis 1994 hinterlassen? Wo waren Berührungspunkte der Truppen mit den Bewohnern der Stadt – in diesen Jahren und danach? Wo verliefen Grenzen, die nicht zu überschreiten waren? Werner Schönleber, der seit dem Abschluss seines Studiums im Stadtmuseum arbeitet, hat über diese und andere Fragen als Historiker promoviert.

 

Mit Unterstützung der Stadt Lahr, der IGZ (Industrie und Gewerbezentrum, Raum Lahr) und der Regionalgruppe Geroldsecker Land des historischen Vereins Mittelbaden ist aus der Promotionsschrift jetzt ein verlegtes Buch geworden. Am Sonntag stellten Museumsleiterin Silke Höllmüller, OB Markus Ibert und der Autor das fertige Werk „Auf Wacht am Oberrhein“ im Museumsfoyer vor.

Schönleber beschrieb seine Einführung als „eine Reise zu einer wissenschaftlichen Lokalstudie“. Nach Abschluss des Studiums 1997 in Frankfurt und der Rückkehr nach Lahr war der Autor auf der Suche nach einem Thema für eine Promotionsschrift. Das Interesse am Thema „Kalter Krieg“ und die räumliche Nähe seines Geburtsortes Kürzell zum Flugplatz der kanadischen Streitkräfte waren da ein erster Schritt.

„Kanadier in Lahr“ beschrieb Schönleber allerdings auch als einen „sehr weit gefassten Begriff“. Sein eigenes Thema konnte er weiter eingrenzen, da es vonseiten der Kanadier militärgeschichtliche Publikationen über ihre deutschen Standorte gibt. Allerdings betrat er auch Neuland: „Die deutsche Sichtweise fehlte.“

Neben ersten Recherchen an der Universität Freiburg entdeckte Schönleber unter anderem zwei Facebook-Gruppen, die sich zum Thema Kanadier in Lahr gegründet hatten. Damit hatte er ein „Narrativ“ gefunden. Mit dem Begriff (in der deutschen Übersetzung bedeutet narrativ erzählend) wird beschrieben, wie etwas erzählt werden kann.

Er sprach mit Zeitzeugen und durchforstete Archive

Zu einer Promotion gehören Fragen. „Wie hat man die Kanadier damals wahrgenommen?“ lautete eine davon. Eine Antwort: Gut greifbar sind kulturelle Kontakte. Was wurde angenommen, was übernommen, verbunden mit der Frage: Wo gab es Kritik? In seiner wissenschaftlichen Arbeit definiert Schönleber unterschiedliche Räume und deren Trennlinien. Konkret waren der Militärflughafen und die Kaserne in der Geroldsecker Vorstadt getrennte Räume. Wobei der Flughafen stärker abgeschottet war als die Kaserne.

Aufgehoben wurde die Abgrenzung unter anderem durch das Eisstadion und die Tatsache, dass viele der Kanadier, die gut verdienende Berufssoldaten waren, in der Stadt, zum Teil also außerhalb der Kaserne, lebten. Schönleber zitierte hier – zum einen, um über Gemeinsamkeiten zu sprechen und zum anderen, um auch auf Gegensätze zu verweisen – die Aufschrift auf einem Banner der Friedensbewegung in den 1980er-Jahren, das in Lahr gezeigt wurde: „Ihr seid gekommen als Gäste und als Bürger, nicht als Soldaten.“

Neben Zeitzeugen, von denen einige zur Präsentation gekommen waren, hat der Historiker viel in Archiven geforscht. Als „dankbare Quellen“ bezeichnete der Autor die Lahrer Tageszeitungen und – wer kann sich noch daran erinnern? – „Der Kanadier“, die Zeitschrift, die die Kanadier herausgegeben hatten. Schönleber dankte am Ende allen Unterstützern aus dem Kreis der Mitarbeiter des Museums.

Höllmüller verwies auf den noch neuen Kanadaweg, der seit zwei Jahren auf Spuren der Streitkräfte in Lahr verweist, mit der Ergänzung, dass „diese Arbeit noch nicht abgeschlossen“ sei.Ibert erinnerte sich – in diesem Fall als Zeitzeuge – an das Leben der Kanadier in der Stadt, deren Autos, die typischen Kennzeichen oder das damals über die Stadtgrenze berühmte Lahrer Nachtleben. „Die Kanadier waren ein Teil des täglichen Lebens in der Stadt.“

Bastian Kussin, der mit Schönleber studiert hat, umrahmte die Präsentation musikalisch. Zum Auftakt interpretierte er den Beatles-Hit „All you need is love“. Der war im Jahr 1967 hier die Nummer eins der Top Ten.

Das Buch

Werner Schönleber ist Historiker mit einem Schwerpunkt auf Militärgeschichte und internationalen Beziehungen, nach dem Studium der Geschichts- und Religionswissenschaften sowie der frühgeschichtlichen Archäologie an den Uni Freiburg und Frankfurt/Main. Die Vorlage der Publikation war seine Promotionsschrift an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg. Das Buch „Auf Wacht am Oberrhein – kanadische Garnisonen in Lahr und Söllingen“ ist im Verlag Bärenfelser, Grenzach-Wyhlen, erschienen; ISBN 978-3-86372-073-5, 238 Seiten und 16 Abbildungen, 35 Euro. Eine von Schönlebers weiteren Publikationen widmet sich zum Beispiel „Lahr als Atomwaffenstandort?“