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Museum Ritter Schokolade in der Kunst

Von
Sonja Alhäuser, Schokoladenmaschine I, 1997 (Detail) (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2012 Foto: Museum Ritter

Der Kerl kann einem leidtun. Gerade streckt er – noch völlig erschöpft, aber doch erwartungsvoll – seinen Kopf aus der dunklen Masse, dann verschwindet er auch schon wieder in ihr. Sonja Alhäusers „Schokoladenmaschine“ zeigt sich kompromisslos – in der Sucht nach dem der Kakaobohne abgerungenen braunen Gold geht der Mensch bis zum Äußersten.

Ironie gehört dazu, wenn sich von diesem Samstag an das meist der klaren Form vorbehaltene Museum Ritter in Waldenbuch in eine Bühne für all das wandelt, was Künst­lerinnen und Künstler entdecken und ent­wickeln, wenn sie Schokolade als Material, als Sehnsuchtsbild oder eben als Spiegelbild nutzen.

Bis zum 30. September dreht sich ­alles um den Stoff, der in Waldenbuch seit nun 100 Jahren produziert wird. Und man liegt nicht falsch, dass Marli Hoppe-Ritter, Sammlerin und Stifterin des inzwischen bestens als ­Forum der (durchaus sinnlichen) geometrischen Kunst positionierten Museums Ritter, der Idee eines Schokoladen-Panoramas in den Ausstellungsräumen nicht nur jubelnd zugestimmt hat. Strikt getrennt sind ja die Ritter-Welten in Waldenbuch, verbunden einzig in jenem Bekenntnis zum Quadrat, das in der Schokoproduktion aktuell mit ­gutem Grund juristisch als Alleinstellungsmerkmal gegen allzu werbeforsche Konkurrenten verteidigt wird.

Die Hausherrin kann sich entspannen – Barbara Willert und Jörg Meißner haben einen Ausstellungsparcours geschaffen, der schon im ­Erdgeschoss Überraschungen ­bereithält, den Aufgang in das Obergeschoss mit Hilfe von Bettina Bürke und Klaus Illi mit Unterstützung farbiger Stoffe und Luft in eine „Frucht der Verheißung“ verwandelt und oben mit einem Klassiker von Wolf ­Vostell Schokolade statt Bomben regnen lässt. ­Konzept-, Polit- und Popkunst gehen über das Material Schokolade eine vortreffliche Allianz ein, und so kann, wem die leichten Damen, die Mel Ramos aus Schokoriegeln schlüpfen lässt, gar zu vordergründig süß sind, ein paar Schritte weiter an einem ­Dieter-Roth-Ensemble lernen, dass noch das kleinste Schokostück künstlerische Anti-Kunst-Bedeutung haben kann – oder sich von Thomas Rentmeister in die Welt der Bilder über Bilder entführen lassen.

Sonja Allhäuser ist auf dem Weg durch das Schokoladenwunderland immer dann zur Stelle, wenn sich die Schau denn doch dem bloßen Material-Beweis nähert. Kommt schon an ihrer „Pyramide“ aus Riesentrüffeln im Erdgeschoss (im trefflichen Dialog mit einem gemalten Pudding-Porträt von Karin Kneffel) niemand vorbei, so sorgt sie auch im Obergeschoss für aufmerksamkeitsschärfende Besucherverzweiflung, wenn ihre „Schokoladenmaschinen“ alles verschlucken.

Man ahnt es ja – ein echter Kunst-Chef musste sein, wer sich mit als Erster für die Schokolade als Formsache entschieden hat. Es war Marcel Duchamp, der in seinem Erfindungsreichtum auch auf die Schokolade setzte. Ehrensache, dass der Beweis in der Schau selbst angetreten wird, und so weitet sich das Schokoszenario mehr und mehr zum Kunstpanorama des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Auf den Punkt bringt das Thema schließlich der Maler ­Cornelius ­Völker. Eine Tafel Schokolade ist eine Tafel Schokolade ist eine Landschaft ist eine der schönsten Figurationen – ist ein Quadrat.

Was aber wäre der Schokokunstgenuss ohne spielerischen Hintersinn? Dafür ist die in Wendlingen lebende Objektkünst­lerin Anja Luithle zuständig. So lädt die Absolventin der Stuttgarter Akademie zur Kaffeetafel – und offeriert so sparsam Mandelsplitter, dass man denn doch, die Nase voller Schokodüfte, versucht ist, im Laden gegenüber für Nachschub zu sorgen.

Eröffnet wird die Schau „Kunst mit Schokolade“ im Museum Ritter in Waldenbuch an diesem Samstag um 17 Uhr. Zu sehen ist sie bis zum 30. September.

Öffnungszeiten: Di bis So 11 bis 18 Uhr, Tickets kosten fünf Euro (ermäßigt vier Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre kostenlos).

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