Das Auto als Statussymbol: Wer solch einen Porsche fuhr, hatte es geschafft. Foto: Schönfelder

Das Auto- und Uhrenmuseum Erfinderzeiten in Schramberg lädt zu einer automobilen Zeitreise ein.

Von putzig bis protzig, von kurios bis kultig, von innovativ bis imposant: Das Auto war und ist für viele Führerscheininhaber mehr als ein reines Fortbewegungsmittel. Es stand und steht für sozialen Status, wirtschaftliche Stellung und war Spiegelbild des gesellschaftlichen und technologischen Wandels. Der Aufstieg Deutschland aus den Trümmern des zweiten Weltkriegs zur Wirtschaftsmacht im Zentrum Europas lässt sich auch an seinen Autos ablesen.

 

Das Auto- und Uhrenmuseum „Erfinderzeiten“ auf dem Gelände der H.A.U. nimmt Besucher mit auf eine mobile Zeitreise durch die Geschichte der Bundesrepublik – und nicht nur das. Der Besucher folgt dem Rundgang nach einer Fahrt mit dem Aufzug von oben bis unten durch eines der Gebäude der Hamburg-Amerikanischen Uhrenfabrik. Deshalb trifft er in der obersten Etage zunächst auf – Uhren. Denn die Schwarzwald-Uhr war vor dem Auto und Schramberg war einst Uhrenstadt, der Name Junghans besaß Weltgeltung.

Selbst bei Olympia

Die Firma stellte in industriellem Maßstab Zeitmesser her. Der Wecker stand für die neue Taktung des Lebens im Schichtbetrieb der Fabriken. Das arbeitsteilige Fließband löste die kleinen Manufakturen ab, Effizienz war das Zeichen der Zeit. Selbst im Sport, wie bei den Olympischen Spielen in München, war höchste Präzision gefragt. Und Junghans setzt auch hier Maßstäbe.

Doch nun zu den motorisierten Vehikeln. Der Kern des Museums besteht aus der Sammlung Martin Sauters, einem Auto-Enthusiasten, wie er im Buche steht. Der Besucher wird zunächst in die Zeit unmittelbar nach Kriegsende katapultiert. Mobilität war lebensnotwendig, Improvisation war Trumpf und der Erfindergeist der Deutschen machte sich daran, alles flott zu machen, was fahren konnte.

Der Genialität der Bastler war keine Grenze gesetzt, denn Not machte erfinderisch. Ob auf zwei, drei oder vier Rädern, das Leben kam wieder in Schwung. Wenig später war die Zeit der Improvisation vorbei, kleine Firmen versuchten sich in den Aufbaujahren auf dem Mobilitätsmarkt. Die Lösungen waren mitunter befremdlich und von Kühnheit geprägt, einige wenige der Firmen waren erfolgreich, aber auch die Keimzellen späterer Konzerne entstanden. Wer eine bestimmte Baureihe oder die Relikte längst verschwundener Firmen sucht – hier stehen sie alle. Das gilt auch für motorisierte Fahrräder, Kraft- und Motorräder. Denn wer sich kein Auto leisten konnte, griff zum Zweirad.

Konrad Adenauers Auto

In den Wirtschaftswunderjahren wurden die Autos größer und repräsentativer bis hin zur Staatskarosse Konrad Adenauers, die ebenfalls zu finden ist. Man zeigte gern, was man hatte, neben Zweckmäßigkeit traten Eleganz und Komfort.

Viele Besucher erinnern sich noch an den „Elefantenrollschuh“ BMW Isetta oder die Borgward Isabella, eine automobile Schönheit in glänzendem Lack. Die Ente war der spartanische Gegenentwurf. Auch der Käfer lief und lief und lief. Manche Technik wie der Hybrid-Antrieb war bereits entwickelt, konnte sich aber gegen den Verbrenner nicht durchsetzen. Das Museum ist so gesehen an allen Ecken auch eine technische Wundertüte.

Viele sagen, dass die Autos damals noch Charakter besaßen. Ihre Silhouette war noch nicht vom CW-Wert diktiert, Schnörkel und zeitlose Eleganz dominierten. In diesen Zeiten nahm die Massenmotorisierung ihren Anfang. Die Straßen füllten sich mit den Fahrzeugen der Konzerne, die Konkurrenz fristete, oft nur kurzzeitig, ein Nischendasein. Perlen dieser Ära des Wandels stehen im Museum. Was der Papa hatte, wollte auch der Sohn fahren. En miniature, natürlich.

Immer wieder neue Facetten

Immer wieder greifen Sonderausstellungen Einzelaspekte der Automobilgeschichte heraus. Deshalb lohnt sich der Besuch auch für diejenigen, die schon einmal da waren. Events rund ums Museum locken nicht nur Auto-Enthusiasten.

Trotz allem ist „Erfinderzeiten“ mehr als ein reines Fahrzeugmuseum. Ein Tante-Emma-Laden vermittelt das Einkaufsgefühl, wie es vor der Erfindung des Supermarkts war. Ein Salon zeigt Schönheitspflege, als der Friseur noch Friseur hieß und nicht Coiffeur oder Hairstylist. Ein Wohnzimmer mit Nierentisch oder ein Schrank mit Küchenutensilien zeigen, wie damals gewohnt, gewirtschaftet, gespielt und eingekauft wurde. Die Exponate illustrieren das Lebensgefühl zwischen Aufbruch und Wohlstand. Und doch ist es kein Museum nur für Nostalgiker, denn auch Jüngere sollte interessieren, wie das Leben der Eltern und Großeltern war vor Amazon und Smartphone.

Serie

In einer kleinen Serie
stellen wir die Schramberger Museen vor und zeigen, warum sich ein (Wieder)Besuch lohnt. Heute: Erfinderzeiten – Auto- und Uhrenwelt, Gewerbepark HAU 3/5 in Schramberg, Öffnungszeiten vom 15. März bis 31. Oktober dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr, in der übrigen Zeit dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr. Die aktuelle Sonderausstellung präsentiert eine Sammlung von seltenen Einradanhängern.