Viele Bürger wollen das Museum in der Alten Schule in Efringen-Kirchen sowie das Gebäude der Alten Schule nicht so einfach aufgeben. Foto: Maja Tolsdorf

Um das Museum in der Alten Schule war es zuletzt stiller geworden. Nun haben 922 Bewohner aber signalisiert, dass sie so schnell nicht aufgeben wollen.

Fast schien es, als wäre das Museum in der Alten Schule doch begraben und vergessen worden, nachdem der Gemeinderatsbeschluss im Januar das Aus bedeutet hatte. Allerdings hat sich sinnbildlich hinter den geschlossenen Türen eine Gruppe von Engagierten um den SPD-Ortsverein zusammengefunden, die dem Museum eine Chance geben will. Ebenso soll der Gemeinderat eine neue Chance erhalten, darüber zu beraten und abzustimmen.

 

Dazu musste ein Bürgerantrag her und damit ein Instrument der kommunalen Mitbestimmung, das es den Einwohnern ermöglicht, die Gemeinde direkt aufzufordern, sich mit einem bestimmten kommunalen Thema noch einmal zu befassen und darüber zu entscheiden. Formell kann damit der Gemeinderat gezwungen werden, sich mit dem entsprechenden Anliegen der Bürger zu beschäftigen.

922 Einwohner haben mit ihren Unterschriften nun bekundet, dass sie das Museum, aber auch das Gebäude der Alten Schule selbst mit seinen vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten erhalten wollen. Vertreten wurden die Unterzeichner durch die Vertrauenspersonen Marion Caspers-Merk, der Interimsvorsitzenden des Förderkreises Museum, sowie Altgemeinderat Willfried Bussohn und Walter Silbereisen, ehemaliger Hauptamtsleiter von Efringen-Kirchen. Bussohn hat die Unterschriften am Montagabend in der Gemeinderatssitzung an Bürgermeisterin Carolin Holzmüller übergeben.

Deutliches Ergebnis

„Wir sind sehr zufrieden mit der Beteiligung. 922 Unterschriften sind ein sehr deutliches Ergebnis, das sind mehr als 14 Prozent der Wahlberechtigten“, sagte Bussohn beim Pressegespräch im Vorfeld der Gemeinderatssitzung. Damit ist die Vorgabe der Gemeindeordnung, dass der Einwohnerantrag von 200 Einwohnern zu unterzeichnen ist, weit übertroffen worden.

Das Ergebnis einer neuerlichen Abstimmung des Gemeinderats sei zwar noch fraglich, aber auf diese Art habe das Gremium noch einmal die Möglichkeit zu entscheiden.

Konzept erarbeiten

Dennoch gibt es bereits Pläne für die nächsten Schritte, sollte das Museum eine Zukunft erhalten: eine Arbeitsgruppe soll sich dann bilden, um ein zukunftsfähiges Konzept zu erarbeiten.

Kultur braucht eine Chance

Marion Caspers-Merk gibt sich hoffnungsvoll. Es gebe derzeit deutschlandweit einige Museumsschließungen aus finanziellen Gründen, als Beispiel nennt sie die Stadt Baden-Baden. „Nachdem sich Bürger zu Wort gemeldet haben, geht es dort jetzt weiter.“

Es gebe keine Museen, die kostendeckend oder gar gewinnbringend arbeiteten, erklärt Caspers-Merk. Dennoch brauche die Kultur eine Chance und damit das Museum sowie das Gebäude der Alten Schule. Caspers-Merk berichtet von vielen Anfragen aus Künstlerkreisen, die an sie herangetragen worden seien.

Willfried Bussohn (von links), Marion Caspers-Merk und Walter Silbereisen haben Bürgermeisterin Carolin Holzmüller in der Gemeinderatssitzung 922 Unterschriften für den Erhalt des Museum in der Alten Schule Efringen-Kirchen übergeben. Foto: Maja M

Die Vertrauenspersonen sind sich einig, dass die vielen Leserbriefschreiber, die sich für die Fortführung des Museums ausgesprochen haben, viele Gespräche mit Bürgern und nicht zuletzt „die überwältigende Teilnahme der Einwohner an der Unterschriftenaktion“ gezeigt hätten, dass der Wunsch nach einer Fortführung des Museums bei vielen vorhanden sei.

Die Unterzeichner erhoffen sich von der Neuberatung des Themas, unter ausgewogener Berücksichtigung aller Interessen, dass das Museum entsprechend der Variante 1 vom Januar, wiederbelebt werden kann. Darin hieß es: „Der Betrieb des Museums wird unverändert fortgeführt und die Stelle der Museumsleitung zeitnah ausgeschrieben." Allerdings dürften die Befürworter des Museums auf den Begriff „unverändert“ wohl weniger festgelegt sein. Schließlich soll ein Konzept erstellt werden, das dem Museum eine Zukunft sichert.

Innerhalb einer Frist von drei Monaten muss das Museum in der Alten Schule nun erneut auf die Tagesordnung des Gemeinderats kommen, letztmöglicher Termin ist der 17. August. Silbereisen, Caspers-Merk und Bussohn zeigen sich zuversichtlich, dass sich der Gemeinderat als von den Bürgern gewähltes Gremium nicht über den Willen von 922 Bewohnern hinwegsetzen und das Thema erneut behandeln wird.