Die Premiere der Musethica-Session absolvierten die Mitglieder des „Doré Quartett“ in der Hausacher Dorfkirche. Die Vorbereitungen waren mit besonderen Erzählungen verbunden.
Mit einem hochkarätigen Abschlusskonzert hat das „Doré Quartett“ gemeinsam mit Tutor Avri Levitan die erste Musethica-Session im Kinzigtal am Samstagabend in der Dorfkirche abgeschlossen.
Mit Unterstützung der Neumayer-Stiftung wurde das Kinzigtal sieben Tage zum Zentrum eines außergewöhnlichen Projekts, das klassische Musik dorthin bringt, wo sie sonst selten erklingt. 13 Konzerte spielte das Ensemble in dieser Zeit – von der Lebenshilfe bis zur Caritas, vom Kindergarten bis zum Seniorentreff.
„Wir erreichten Menschen von drei bis 103 Jahren“, sprach Tutor Avri Levitan von einer „wunderbaren emotionalen sozialen musikalischen Woche“. Für ihn und die jungen Musiker spiele das Alter oder der Hintergrund der Zuhörenden keine Rolle – Musik ist universell und verbindet.
Die Zuhörer waren zwischen drei und 103 Jahre alt
Das „Doré-Quartett“ präsentierte in der Dorfkirche mit brillanter Präzision und großer Ausdruckskraft alle vier Sätze von Joseph Haydns Streichquartett Nr. 2 in d- Moll. Die Interpretation war lebendig, fein nuanciert und technisch makellos – die alte Dorfkirche erlebte eine wahre Sternstunde der Kammermusik.
Besonders eindrucksvoll war das Zusammenspiel mit Tutor Avri Levitan in Antonín Dvoráks Streichquintett Es-Dur. Die fünf Musiker verschmolzen zu einer Einheit, die Dvoráks farbenreiche Klangwelt mit großer Energie und emotionaler Tiefe zum Leben erweckte. Die Musik war fordernd und zugleich zutiefst berührend – ein Balanceakt zwischen technischer Exzellenz und emotionaler Offenheit, den das Ensemble meisterhaft bewältigte.
Die Musiker blickten sehr berührt auf die Woche zurück, die sie in einem für Musethica eher ungewöhnlich ländlichen Raum verbrachten.
Salvatore Emanuel Borrelli schilderte einen für ihn besonders berührenden Moment: „Als wir im Seniorenzentrum spielten. Meine Großmutter lebt in so einer Einrichtung. Für mich war es, als würde ich ihr ein Geschenk machen. Das hat mir sehr viel bedeutet – auch musikalisch. Ich konnte mich auf die Person konzentrieren, für die ich spielen wollte.“
Auch Ilaria Taioli war tiefbewegt – besonders vom Besuch in der Hasemann-Grundschule in Gutach: „Ich habe selbst mit sechs Jahren die klassische Musik und das Violinspiel entdeckt, als Musiker in meine Schule kamen und für mich spielten. Die Kinder waren sehr, sehr aufmerksam und stellten danach auch gute Fragen an uns.“ In der Lebenshilfe und im Seniorenheim hatten Pflegende zunächst Bedenken, dass die dementen Bewohner zu laut sein könnten.
Zum Schluss gab es Filmmusik von Ennio Morricone
„Das stelle ich immer wieder fest: Wenn die Musik spielt, ist es erstaunlich ruhig. Da merke ich, wie sich die Aura der Musik auf die Menschen überträgt und sie in den Bann zieht“, sagte Kornelius Kutzner, der die Session organisatorisch begleitete.
Zum Abschluss gab es noch zwei Geschenke: Als Zugabe erklang die Filmmusik aus Ennio Morricones „Es war einmal in Amerika“ – ein emotionaler Schlusspunkt. Und Avri Levitan machte eine Zusage, die viele Herzen höherschlagen ließ: Musethica soll im Kinzigtal eine regelmäßige Einrichtung werden.
Ausbildung
Musethica ist ein Ausbildungsprogramm für Musiker und vermittelt Bühnenerfahrung durch Konzerte in sozialen Einrichtungen. Oft wird für Menschen gespielt, die sonst selten Zugang zu Konzerten haben – etwa in Krankenhäusern, Gefängnissen oder Pflegeheimen. Die Auftritte sind oft kostenlos