Weil auf seinem Grund Munition gefunden wurde, ist der St. Georgener Klosterweiher weiterhin gesperrt. Doch wie kamen die Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg eigentlich in den Badesee? Schließlich wurde der 1966 komplett ausgebaggert.
Große Anstrengungen hat die Stadt St. Georgen im Jahr 1966 unternommen, um den Klosterweiher – schon damals ein beliebter Badesee – zu einem richtigen Naturfreibad zu machen. Aufnahmen aus dem Stadtarchiv zeigen das Ausmaß: Das Wasser ist aus dem Weiher abgelassen; mit schwerem Gerät wird der Weiher von Sediment befreit und tiefer gemacht.
Die Herkunft ist rätselhaft
Nun, fast 60 Jahre später, sind diese Arbeiten der Grund, wieso Bürgermeister Michael Rieger die Munitionsfunde, die Taucher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) am Mittwochabend im Klosterweiher gemacht haben, rätselhaft finden. Die Stadtverwaltung ist ob der Entdeckung nach eigenen Angaben „überrascht“. Denn die beiden Granaten, welche die Einsatztaucher vom Grund des Badesees geborgen haben, stammen aus dem Zweiten Weltkrieg. Wie Rieger am Freitag mitteilt, handelt es sich bei den gefundenen Granaten „laut den Fachleuten um Munition für die Küsten- und Schiffsartillerie“.
Dass die Munition – neben den zwei bereits geborgenen Sprenggranaten, welche der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) am Donnerstagmorgen abgeholt hat, liegen noch weitere Granaten im Klosterweiher – bei den ausführlichen Sanierungsarbeiten übersehen wurde, erscheint eher unwahrscheinlich. „Komisch ist es auf jeden Fall“, kommentierte Bürgermeister Rieger bereits am Donnerstag gegenüber unserer Redaktion.
Das sagen die Fachleute
Gesichert scheint: Die Granaten wurden nicht abgeschossen, sondern nach Angaben von Andrea Panitz, Pressesprecherin beim Regierungspräsidium Stuttgart, dem der KMBD zugeordnet ist, im Klosterweiher verklappt, also entsorgt. Allerdings, berichtet sie auf Anfrage, lasse sich „keine verlässliche Aussage darüber tätigen, seit wann die Granaten an dem nun vorgefundenen Ort lagen“. Details dazu, wer die Munition wann verkappt hat, seien dem KMBD nicht bekannt. „Am Zustand der aktuell gefunden Kampfmittel (zwei patronierte 3,7-Zentimeter-Sprenggranaten deutscher Herkunft) können wir nicht ableiten, seit wann diese in dem Klosterweiher liegen.“
Eine Erinnerung wird wach
Einer, der den Klosterweiher noch bestens aus der Zeit vor der Sanierung in den 1960er-Jahren kennt, ist Herbert Lenk. Er wuchs in St. Georgen auf und schwamm als Kind und Jugendlicher oft in dem Gewässer. Als er von dem Munitionsfund im Weiher las, dachte sich Lenk: „Das ist eine Geschichte, die mich gar nicht wundert.“
Denn auch er hat eine Granate im Klosterweiher gefunden, wie er schildert: „Zum Badespaß am Klosterweiher gehörte auch, dass wir beim Floß nach Schlamm tauchten und uns gegenseitig damit bewarfen. Dabei geschah es, dass plötzlich einer von uns mit einer Granate – und zwar dem Geschoss mit dazugehöriger Kartusche – auftauchte.“ Das müsste Anfang der 1960er-Jahre gewesen sein, schätzt Lenk – auf jeden Fall noch vor der Weihersanierung.
Lenk erinnert sich noch lebhaft an den Fund – ebenso wie an das, was danach geschah. Er habe die Granate in die Hand genommen, sei mit ihr ans Ufer geschwommen und habe sie an den damaligen Schwimmmeister übergeben. „Ein hochriskantes Verhalten“ und „jugendlicher Leichtsinn“, sagt Lenk heute. Wenn er an die Momente zurückdenke, „friert es mich heute noch“.
„Zuhause habe ich die Geschichte meinem Vater erzählt, der sich doch sehr beunruhigt und mit der Stadt telefoniert hat. Er hat damals die Auskunft bekommen, ich hätte nur eine leere Kartuschhülse gefunden.“ Das, ist sich Lenk sicher, habe jedoch nicht den Tatsachen entsprochen.
„Offensichtlich wollte man nicht wahrhaben, was ich da im Klosterweiher gefunden habe. Möglicherweise wurden ähnliche Funde 1966 bei der Sanierung ebenso behandelt“, mutmaßt er – räumt aber ein, dass wohl auszuschließen ist, dass eventuell bei der Sanierung gefundene Munition im Badesee zurückgelassen wurde.