Michael Jerg, Ortsvorsteher von Mundelfingen, gibt seit 2008 die „Mundelfinger Bürgerpost“ heraus und ist von deren Nutzen überzeugt. Foto: Hannah Martin

Ortsvorsteher Jerg rief das Blatt 2008 ins Leben. Der Rundbrief erreicht heute 500 Adressen und stärkt die Dorfgemeinschaft.

Auf den ersten Blick wirkt die Mundelfinger Bürgerpost etwas zusammengewürfelt – eine Art regelmäßiges Rundschreiben mit einer bunten Sammlung aus Terminen, Vereinsmeldungen, Bildern und Texten.

 

Doch gerade darin liegt ihr Wert für Ortsvorsteher Michael Jerg. Denn als er im Jahre 2003 sein Amt antrat, fehlte ihm die direkte Kommunikation mit den Bürgern in dem kleinen Ortsteil von Hüfingen. Kurzerhand schuf er ein eigenes kleines Medium fürs Dorf.

„Wenn ich was im Kopf habe, möchte ich es gleich umsetzen“, erzählt der 64-Jährige. Ursprünglich sollte die Bürgerpost der Terminabsprache dienen und Kollisionen vorbeugen. Ein fortlaufender Kalender also, in dem immer ersichtlich ist, was in Mundelfingen, Hüfingen und den Teilortgemeinden passiert.

2008 erschien die erste Ausgabe. Seitdem hat sich der Umfang des digitalen Blatts nach und nach vergrößert.

Gleich große Resonanz

Durch einen ehemaligen Pfarrer gelangte Jerg an Bilder aus der Gemeinde und veröffentlichte sie. „Das ist auf sehr große Resonanz gestoßen und hat mich beflügelt, das weiterzuentwickeln“, sagt er.

Vereinen bot der Ortsvorsteher an, ihm Termine und Berichte zur Veröffentlichung zu schicken. Außerdem listete er lokale Betriebe auf, um das örtliche Handwerk zu unterstützen.

Links ist die erste Ausgabe der Mundelfinger Bürgerpost aus dem Jahr 2008 zu sehen, rechts die vom 25. März 2026. Das Mitteilungsblatt hat heute einen deutlich größeren Umfang. Foto: Hannah Martin

Heute finden sich in der Bürgerpost neben Vereinsterminen, Ankündigungen aus dem Dorf und anderen Informationen auch Dauerinhalte wie die Entwicklung der Einwohnerzahlen, wichtige Telefon- und Notdienstnummern, Gemeindechroniken oder Sprechstundenzeiten von Bürgermeister, Kreisbaumeister oder von Jerg selbst. Auch Informationen wie das Heimwegtelefon für Frauen oder die Kind-vermisst-Hotline sind dort zusammengetragen.

Eine besondere Rubrik sind die Inhalte von Franz Maus. Der promovierte Landwirtschaftsexperte aus Hausen vor Wald liefert wöchentlich Berichte über Naturthemen, die Mundelfingen betreffen. „Da geht es mal um Astronomie, mal um Tiere oder Bäume, und das wird gerne gelesen“, sagt Jerg. „Da bin ich ihm auch sehr dankbar, dass er das regelmäßig bringt.“

Kein Amtsblatt

Von einem Amtsblatt unterscheidet sich die Bürgerpost vor allem vom Umfang her. „Die Bürgerpost ist einfacher zu lesen“, findet Jerg außerdem. Auf einfache Sprache, weniger Text und dafür vorrangig Bildinhalte legt er besonderen Wert.

Beim Qualitätsanspruch hält der 64-Jährige es pragmatisch statt perfektionistisch. Da er die meisten Inhalte nur übernimmt und zusammenstellt, kostet ihn das Zusammenstellen der Bürgerpost etwa eine Stunde Arbeit in der Woche. „Manchmal ist es halt ein wenig besser und manchmal ein wenig schlechter“, sagt er. Für Jerg steht die Information im Vordergrund und die schätzen auch die Mundelfinger am meisten.

500er-Auflage

An 500 Adressen geht das digitale Gratisblatt aktuell – zugleich auch die Obergrenze des Dienstes, den Jerg nutzt. „Es sind inzwischen auch viele aus der Hüfinger Gesamtstadt, auswärtige und ehemalige Mundelfinger“, sagt er. Früher waren sogar knapp 800 Adressen im Verteiler. Bei einem Hackerangriff vor vier Jahren gingen aber einige verloren.

Trotzdem behauptet Jerg, in Mundelfingen jeden Haushalt zu erreichen. „Natürlich gibt es ältere Mitbürger, die keine Mail haben, aber dafür habe ich immer den Vermerk, dass man das auch an andere weitergeben soll.“ Dass die Bürgerpost gelesen werde, merke er an den Rückmeldungen, die er bekomme. Jeder Ausgabe hängt Jerg eine Datenschutzerklärung an, über die man die Bürgerpost abbestellen kann.

Versand per E-Mail

Das E-Mail-Format hält er für wirkungsvoller als jede andere Verbreitungsart. Die Bürgerpost beispielsweise zu drucken, kam für den 64-Jährigen - auch abgesehen von Aufwand und Kosten - nie in Frage.

Und auch Social Media kann das Blatt seiner Meinung nach nicht ersetzen, auch wenn er das zunächst befürchtete.

„Im Internet muss ich auf diese Information bewusst draufgehen, muss es suchen, muss es gefunden haben“, sagt Jerg. „Ich schicke den Leuten dagegen eine Mail, die öffnen sie und haben die Information. Sie müssen nicht suchen.“ Er erreiche die Leute somit direkt und unmittelbar.

Mittel der Integration

Für Michael Jerg ist die Bürgerpost nicht nur eine Informationssammlung, sie stiftet auch seit vielen Jahren Dorfidentität. Wer neu nach Mundelfingen ziehe, bitte ihn oft schnell darum, in den Verteiler aufgenommen zu werden. „Das hat dann zur Folge, dass sie sich zunächst zumindest geistig integriert fühlen“, sagt er.

Auch die Hilfsbereitschaft bei Veranstaltungen habe sich dadurch schon oft gezeigt. „Ich habe dann auch geschrieben, sprecht sie an. Die Mundelfinger wissen mittlerweile, dass sie auch auf die Leute zugehen müssen.“

„Ein Steuerinstrument“

Rückhalt von Bürgern zu haben und Aufrufe in der Bürgerpost starten zu können, helfe zudem bei Projekten und Fördergeldern, die man für die Gemeinde anstoßen wolle.

Michael Jerg ist seit einem Jahr pensioniert, Ortsvorsteher ist er aber immer noch mit Leidenschaft. Auch die Idee für die Bürgerpost ist ihm nur aufgrund dieser Funktion gekommen. „Das hat mit Spaß nichts zu tun. Ich bin Ortsvorsteher und ich möchte meine Bürger ins Ortsgeschehen einbeziehen“, sagt er ganz pragmatisch.

Die Bürgerpost habe er schlicht als Notwendigkeit angesehen. „Wenn ich morgen neu Ortsvorsteher werden würde, würde ich das als allererstes einführen. Weil ich das für so ein wichtiges und gutes Steuerinstrument halte.“

Trotzdem kann er sich mittlerweile vorstellen, die Bürgerpost weiterzuführen, auch wenn er mal kein Ortsvorsteher mehr ist. „Irgendjemand müsste das weiter machen. Es wäre schade, wenn das wegging.“

Bürgerpost in Zahlen

Das Blatt
Die Mundelfinger Bürgerpost erscheint wöchentlich jeden Mittwoch als PDF-Datei und umfasst meist zwischen 20 und 30 Seiten. Sie geht derzeit an 500 Adressen. Der Ort
Mundelfingen hat aktuell 807 Einwohner und erstreckt sich über eine Gemarkungsfläche von 1524 Hektar. 435 davon umfasst der Gemeindewald. Zur Stadt Hüfingen gehört der Ort seit Januar 1975, bedingt durch die vom Land beschlossene Gemeindereform.