Eröffnet wird die neue Saison mit der Premiere des Stückes "Dreyeckland" am Sonntag, 2. Oktober, im Forum am Rhein. Eine kleine Kostprobe gab es bereits am Donnerstagmorgen für die Medienvertreter. Foto: Goltz

Lediglich 40 bis 50 Prozent der Menschen besuchen nach der Pandemie ein Theater. Daran will das Ensemble Baal etwas ändern. Ihr neues Programm ist vielfältig und reicht von Umweltthemen, über Unterhaltung bis hin zu Jugendprojekten.

Altenheim - "Deutschlandweit machen sich die Theater sorgen um die Publikumszahlen" – daraus machte Edzard Schoppmann, Intendant des deutsch-französischen Theaterensembles Baal, kein Geheimnis. Nur langsam würde man sich in der Branche von der Pandemie erholen – und zugleich müsse man sich auf die Herausforderungen, die die Energiekrise mit sich bringen, einstellen. "Wie alle, suchen auch wir nach Wegen", so Schoppmann. Man halte sich dabei an die Vorgaben des Landes und hoffe unter anderem auf weitere Unterstützungen – "von den Coronaförderungen geht es dann zu den Förderungen zur Energiekrise über", dachte Schoppmann laut, den Kopf hängen lassen werde er und sein Team aber nicht. Im Gegenteil: Mit einer spürbaren Vorfreude präsentierte das deutsch-französische Theaterensemble Baal am Donnerstagmorgen in der eigenen Spielstätte im Forum am Rhein seinen neuen Spielplan für die Saison 2023. "Es sind einige Projekte und Werke, wir wollen den Menschen etwas bieten und wissen, dass wir jetzt erneut Gas geben müssen – das ist stressig, aber wir haben Lust darauf", sagte Schoppmann.

Eröffnet wird die neue Saison mit der Premiere des Stückes "Dreyeckland" am Sonntag, 2. Oktober, im Forum am Rhein. Eine Kostprobe konnten sich die Medienvertreter bereits am Donnerstag einholen. Es erzählt wie engagierte Menschen in den 70er Jahren am Oberrhein grenzüberschreitend den Bau des Kraftwerks am Kaiserstuhl und die Ansiedlung gewaltiger Industrien verhindert haben. Das "moderne Musik-Theater", wie Schoppmann sein Werk bezeichnet will einmal mehr auf die Dringlichkeit des Umweltschutzes aufmerksam machen. "Es braucht Zusammenhalt, um unseren Planeten zu retten", führte der Regisseur seine Intention weiter aus.

Das Thema Umwelt und der Umgang mit der Natur werde auch im Jugendbereich thematisiert. "Hintermwald", das Ursula Kohlert mit dem Projektstipendium des Jugendtheaterpreises Baden-Württemberg extra für das Ensemble geschrieben hat, wird im Rahmen des Jugendtheaterfestivals am 8. Januar erstmals gezeigt.

Theaterspaziergang auf dem Waldbachfriedhof

Ein weiteres Jugendprojekt ist die erste rein französische Produktion des Hauses mit "Vergissmeinnicht". Erstmals zu sehen sein wird es am 8. Oktober in Niederbronn-les-Bains. Dabei stellen sich zwei junge Menschen der deutsch-französischen Vergangenheit ihrer Urgroßeltern im Zweiten Weltkrieg. Am 11. Oktober wird es dann erstmals im Forum am Rhein zu sehen sein.

Wer sich nach den schweren Coronazeiten aber einfach nur Unterhaltung wünscht, komme bei Baal ebenso auf seine Kosten, so Schoppmann. "Vom problembelasteten Alltag abzuschalten und neue Kräfte zu schöpfen, gibt es neben ›Extrawurst‹ auch eine musikalische Komödie", sagte der Intendant und kündigte damit "Eine Sommernacht" an, ein Stück, das ab 29. Oktober gezeigt wird, und von der schrägen Begegnung zweier sehr unterschiedlicher Menschen in einer verrückt-verregneten Sommernacht erzählt. "Extrawurst" (ab 25. März) dreht sich um die Frage, wie viele Rechte muss eine Mehrheit einer Minderheit einräumen? Ein Tennisclub muss über die Anschaffung eines neuen Grills abstimmen – und darüber, dem einzigen türkischen Mitglied einen eigenen Grill zu finanzieren, da der Muslime aus seiner religiösen Überzeugung heraus seine Grillwürste nicht auf einen Rost mit Schweinefleisch legen dürfe. "Eine theatral-irrwitzige Jahreshauptversammlung, die zeigt, wie sich eine Gesellschaft komplett zerlegen kann", wird über das Stück bereits verraten.

Neben den vielen weiteren Werken, die unter www.theater-baden-alsace.com aufgelistet sind, liegt Schoppmann eines besonders am Herzen: "In Memoriam". Am 14. Juni wird auf dem Waldbachfriedhof in Offenburg als Theaterspaziergang gezeigt. Die Inszenierung vermittelt über die Beschäftigung mit dem Tod hinaus auch Lebensmut.

Festival

Das Eurodistrikttheater Baal ist während der neuen Saison auch "stolzer Gastgeber", wie Intendant Edzard Schoppmann ankündigt, des 14. Baden-Württembergischen Privattheaterfestivals. Dieses findet von 6. bis 14. Mai statt und beinhaltet mehr als 15 ausgewählte Produktionen der Privattheater aus ganz Baden-Württemberg in Neuried, in Offenburg und auch in Lahr.