"Nein!" Simon Boch kann nicht nachvollziehen, weshalb der EM-Marathon am Montag erst um 11.30 Uhr startet. Gut 25 Grad werden dann in München erwartet. "Die hohen Temperaturen sind für uns extrem gefährlich", betont der frühere Unterkirnacher.
"Verhindern Sie einen gefährlichen Hitze-Marathon bei den Europameisterschaften in München", heißt es in einem offenen Brief an die Veranstalter, den rund 50 Läuferinnen und Läufer unterzeichnet haben. "Darunter war auch ich", ärgert sich der 28-jährige Boch, dass die Veranstalter und Organisatoren – wohl mit Blick auf die TV-Quoten und die Zuschauerpräsenz an der Strecke – nicht auf die Stimmen der Sportlerinnen und Sportler hören. Dabei sei es üblich, dass Marathons um 8 oder 9 Uhr gestartet werden, um eben der Hitze etwas aus dem Weg zu gehen. "Das scheint in München egal. Da muss wohl erst jemand tot umfallen", findet Simon Boch drastische Worte.
Crasheis und kalte Drinks
Um das Wohlergehen der Langstreckler geht es also nicht, wenn Boch und Co. am Montag auf heißen Sohlen Odeonsplatz, Marienplatz, Viktualienmarkt, Friedensengel und Eisbachwelle ablaufen. Was sich wie eine Münchner Stadtführung liest, bedeutet für die Teilnehmer Höchstbelastung des Körpers. "Ich habe mich nach vier Wochen im Höhentrainingslager in St. Moritz im zweiten Block im heimischen Regensburg deshalb auch mit Einheiten an heißen Nachmittagen auf die EM vorbereitet", ging es für den "Läufer des Jahres 2021" aber nicht nur um die Form. Auch Hilfsmittel gegen die Hitze wurden immer wieder getestet. Da wurde schon einmal Crasheis unter die Laufmütze geschoben. "Natürlich spielen auch die richtigen Getränke eine wichtige Rolle."
Gelungene Generalprobe
Dass Simon Boch gut drauf ist, zeigte sein jüngster Sieg über 10 000 Meter bei der Runners City Night in Berlin. "Da war es auch sehr warm, deshalb war ich mit der Zeit von 28:39 Minuten durchaus zufrieden", hofft das frühere Mitglied des LT Unterkirnach, dass die gelungene Generalprobe ein gutes Omen für die Heim-Europameisterschaft ist. Am Samstag ging es nach München, am Abend stand bereits eine erste Teambesprechung an. Klar, dass Boch und Co. da besonders auf die neusten Wetterdaten schauten.
Die Taktik am Montag
Zudem wurde noch einmal die Taktik durchgesprochen. "Es wird am Montag darauf ankommen, intelligent zu laufen", will Simon Boch, der seit vielen Jahren für die LG TELIS FINANZ Regensburg startet, das Rennen über die 42,195 Kilometer bis zum Ziel am Odeonsplatz eher ruhig angehen. "Mein Ziel ist dann eine schnelle zweite Hälfte des Marathons", möchte der 28-Jährige das Feld in der Crunchtime "von hinten aufrollen".
Es wird ein "heißes Rennen"
Und was könnte dann am Ende herauskommen? "Wenn es gut läuft, dann könnte es schon in die Top 10 gehen", müsste Boch dann aber wohl – trotz der Hitze – an seiner persönliche Bestzeit von 2:10:48 Stunden kratzen. "Medaillen werden wohl bei Zeiten von über 2:10 Stunden vergeben. Zudem hoffen wir auf Edelmetall mit dem deutschen Team", erwartet der Regensburger aufgrund der hohen Temperaturen keine Spitzenzeiten. "Aber man weiß nie", stellt für Boch der EM-Marathon aufgrund der ungewöhnlichen Bedingungen eine Gleichung mit Unbekannten da. "Sicher ist nur, dass es in jeder Hinsicht ein heißes Rennen wird", hat Simon Boch zum Glück seinen Humor noch nicht verloren. Vor allem hofft der 28-Jährige aber "auf viele Wolken" am Münchner Himmel.