Noch immer wissen viele Deutsche nicht,was in den gelben Sack gehört Foto: dpa

Wer Verpackungen in Umlauf bringt, muss für die Entsorgung zahlen. Doch immer mehr Hersteller entgehen dem durch Schlupflöcher. Auch die Verbraucher sorgen durch falsche Mülltrennung dafür, dass den dualen Systemen viel Geld fehlt. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Stuttgart - Wer Verpackungen in Umlauf bringt, muss für die Entsorgung zahlen. Doch immer mehr Hersteller entgehen dem durch Schlupflöcher. Auch die Verbraucher sorgen durch falsche Mülltrennung dafür, dass den dualen Systemen viel Geld fehlt. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Wie ist die Entsorgung von ­Verpackungen organisiert?
Wer in Deutschland einen Joghurtbecher oder eine Styroporverpackung in den Umlauf bringt, muss auch für die Entsorgung zahlen. Meist schließen die Inverkehrbringer einen Vertrag mit einem der neun dualen Systemen. Das bekannteste ist das Duale System Deutschland mit dem grünen Punkt. Die Hersteller geben dort eine bestimmte Verpackungsmenge an und zahlen dafür. Die Kosten schlagen sie auf den Verkaufspreis auf, so dass sie letztlich der Verbraucher beim Kauf eines Joghurtbechers trägt.
Welche Schlupflöcher gibt es?
Es wird kaum kontrolliert, ob und welche Mengen die Inverkehrbringer bei den dualen Systemen anmelden. Außerdem gibt es Ausnahmen wie die Eigenrücknahme. Dabei kann beispielsweise ein Drogeriemarkt Sammelboxen für leere Shampooflaschen in seinen Geschäften aufstellen und sich selbst um deren Entsorgung kümmern. Er meldet dann dem dualen System eine bestimmte Menge an Verpackungen und bekommt bereits bezahlte Gebühren zurück. „Da Kontrollen und Sanktionen fehlen, steigt die Menge der Eigenrücknahmen ständig an, obwohl die Menge der gesammelten Verpackungen nicht zurückgeht“, sagt Ronald Philipp vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-,Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE).
     Einer aktuellen Hochrechnung des Branchenmagazins Euwid zufolge haben die Hersteller für das erste Quartal 166 Prozent mehr Verpackungen als Eigenrücknahme angemeldet als im Vorjahr. Da die Müllmengen in den Gelben Säcken und Tonnen aber konstant bleiben, sammeln die dualen Systeme immer mehr Müll ein, der nicht bezahlt wurde. Zusammen mit weiteren Schlupflöchern fehlen so bis zu 350 Millionen Euro. Um diese Summe wieder hereinzuholen, könnten die Gebühren für die Hersteller steigen, die ihre Verpackungen korrekt anmelden. Diese würden sie dann wahrscheinlich an die Verbraucher weitergeben.
Weiß der Verbraucher inzwischen, was in den Gelben Sack gehört?
Als der grüne Punkt vor mehr als 20 Jahren eingeführt wurde, landeten bis zu 60 Prozent so genannter Fehlwürfe in den Gelben Säcken. Inzwischen haben sich die Zahlen zwar fast halbiert. Noch immer aber müssen mehr als 20 Prozent Restmüll aussortiert werden – vor allem, weil die Verbraucher so Müllgebühren sparen wollen. „In Berlin sind es sogar bis zu 40 Prozent“ sagt Philipp. Hinzu kommen 12 Prozent intelligente Fehlwürfe. Das sind stoffgleiche Nichtverpackungen wie Plastikautos oder Kugelschreiber. „Sie bestehen zwar aus Kunststoff oder Metall und können damit problemlos mit recycelt werden, sind aber eben nicht über das Duale System finanziert“, sagt Philipp.
Wie sollen die Probleme behoben werden?
Im Bundeskabinett wurde am Mittwoch diskutiert, ob die Eigenrücknahmen abgeschafft werden sollen. Diese Änderung soll nach Informationen unserer Zeitung nun aber erst im Herbst kommen. Damit Verbraucher künftig alle Abfälle aus Metall und Plastik in einer Tonne entsorgen können, soll bundesweit eine Wertstofftonne die Gelben Säcke ablösen – voraussichtlich ab 2015.

Was gehört in den gelben Sack und was nicht?

 
Was gehört in den gelben Sack?
 
 

In den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne gehören nur Verpackungen, für die die Hersteller bei einem der neun dualen Systeme Gebühren bezahlen. Beim Dualen System Deutschland kann man das am Grünen Punkt erkennen. Bei den anderen Systemen sind das leere Verpackungen aus Kunststoff und Aluminium wie etwa:

Joghurtbecher

Farbeimer

Konservendosen

Styroporverpackungen (z. B. von Elektrogeräten)

Arzneimittelblister

Spraydosen

Plastiktüten

Verpackungsfolien

Was darf nicht in den gelben Sack?

Nicht in den gelben Sack oder in die gelbe Tonne gehört zum einen Restmüll. Zum anderen Kunststoffe und Metall, die keine Verpackungen sind, sondern Gebrauchsgegenstände. Auch wenn sie sich zusammen mit den Verpackungen recyceln lassen: Für solche Produkte haben die Hersteller nicht über die dualen Systeme für die Entsorgung bezahlt. Darunter fallen etwa:

Kinderspielzeug

Klarsichthüllen

Kugelschreiber

Zahnbürsten

Grablichter

Elektrogeräte

Gießkannen

CDs