TheaterEnglish Theatre Club des MGM
Müllheim (eb). Mit Bravour und in bemerkenswertem Englisch meisterten die jungen Talente des English Theatre Clubs die große Herausforderung, Peter Shaffers weltberühmtes Stück „Equus“ auf die Bühne des Markgräfler Gymnasiums zu bringen. Inszeniert wurde das Stück von Katharina Coussot; in den Hauptrollen glänzten Léon Born und Lukas Wesener. Das explosive Stück, das mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet wurde, stellte gleich mehrfache Anforderungen an die jungen Schauspieler. Es enthält wenige Handlungsmomente und lebt von der Sprache, mit der der Psychiater Martin Dysart die Psyche des jungen Alan Strang beschreibt und erforscht, dabei aber gleichzeitig die Auswirkungen dieser Untersuchungen auf seine eigene Psyche reflektiert und analysiert. Großartig meisterte Léon Born nicht nur die riesige Textmenge, sondern auch die Umsetzung der doppelten Zwiespältigkeit des teils souveränen, teils hilflosen Seelendoktors, der exzellente psychoanalytische Arbeit leistet und gleichzeitig an der eigenen Unfähigkeit, Leidenschaft zu empfinden, zu verzweifeln droht. Sein Patient, Alan Strang, scheint vor allem diese Leidenschaft, um die ihn Dysart beneidet, zu besitzen und zerbricht doch an der Unfähigkeit, mit den eigenen Gefühlen umgehen zu können. In einem zugespitzten Moment der Verzweiflung und Auflehnung sticht er fünf Pferden die Augen aus, obwohl er Pferde seit seiner Kindheit vergöttert und froh ist, als Stalljunge arbeiten und dabei nachts heimlich ausreiten zu können. Bis zu diesem Moment, in dem seine fanatisch anmutende religiöse Verehrung in einen Gewaltausbruch umschlägt, ist Alan ein ganz normaler Junge, der ständig mit seinem Smartphone beschäftigt ist. Er ist melancholisch oder aufbrausend, apathisch oder aggressiv, liebebedürftig oder abweisend, sensibel und beleidigend – ein typischer Teenager eben, mit dem die Eltern ihre liebe Not haben und sich nicht immer einig sind, wie sie mit den widersprüchlichen Gemütszuständen umgehen sollen. Als junger Erwachsener auf der Bühne diesen Teenager zu verkörpern, ist alles andere als einfach, aber Lukas Wesener gelang dieses Kunststück in hervorragender Weise: Eine bemerkenswerte Bühnenpräsenz, Mimik, Gestik und Körpersprache ließen den Zuschauer immer wieder die kaum zu bändigende innere Erregung und Wut, aber auch die Verletzlichkeit, Trauer und Hilflosigkeit in einem Maße mitempfinden, wie das auf Schultheaterbühnen wohl nur selten der Fall sein dürfte. Auch die Verzweiflung seiner Mutter, gespielt von Elena Barrios Fernandez, ergriff die Zuschauer und machte verständlich, dass sie sich schließlich wütend gegen die vorschnelle Schuldzuweisung an die Eltern wehrt. In der Rolle des hart arbeitenden Vaters, der seinen Sohn zwar streng, aber ebenfalls mit Liebe und Wohlwollen erzieht, überzeugte Matthias Ohler. Ebenso wie diese vier Hauptdarsteller meisterten auch Annika Rielk (als souveräne Hesther Salomon), Rebecca Faller (als kompetente Krankenschwester), Annalena Waldkirch (als engagierte Stallbesitzerin) und Leia Meßmer (als eines der fünf Pferde) die Herausforderung der Theaterarbeit neben ihren Abiturvorbereitungen und über das Abitur hinaus. Adriana Ferreira Pinto aus Klasse 10, die als Jill Mason eine Schlüsselrolle für Alan Strang spielte, wird dagegen der englischen Theatergruppe mit ihrem Talent hoffentlich noch weiter erhalten bleiben. Die Pferde, verkörpert von Tabea Vogt, Nadja Brender, Ann Homscheid, Leia Meßmer und Yannic Zimber, trugen mit ihren Masken, die die Gruppe selbst aus Draht gefertigt hatte, und ihrer überzeugenden Geräuschkulisse ebenfalls wesentlich zur Gesamtatmosphäre bei. Für die Loyalität, die ehemalige Mitglieder des English Theatre Clubs mit ihrer Rückkehr bewiesen, dankte Regisseurin Katharina Coussot Anton Schirg (Licht- und Tontechnik) sowie Yannic Zimber (Reiter/Nugget). Das Publikum zollte den jungen Talenten mit lang anhaltendem Beifall großen Respekt, und Schulleiter Andreas Gorgas sparte zu Recht nicht mit lobenden Worten.