Für die Abfallentsorgung müssen die Bürger im Kreis Freudenstadt ab 2026 voraussichtlich deutlich tiefer in die Tasche greifen – wenn der Kreistag zustimmt.
Das letzte Wort über die Gebührenerhöhung hat der Kreistag am 15. Dezember. Der Empfehlungsbeschluss des Technischen Ausschusses für die Erhöhung wurde nach Vorstellung der Gebührenkalkulation 2026 aber einstimmig gefasst.
Die geplante Erhöhung liegt bei etwa 20 Prozent. Die Gründe dafür sind vielschichtig und haben nicht nur mit gestiegenen Kosten im Betrieb zu tun – betroffen sind die Personalkosten, aber auch die Energie-, Logistik- und Transportkosten –, sondern auch mit allgemeinen Trends und dem Verhalten der Bürger, in deren Folge beispielsweise die Erlöse im Wertstoffbereich immer weiter zurückgegangen und die Haus-und Sperrmüllmengen gestiegen sind. Seit 2019 betrug der Anstieg rund 15 Prozent.
„Sehr viel deutet deshalb darauf hin, dass Wertstoffe und Leichtverpackungen im Restmüll landen, die da aber nicht hingehören“, bilanzierte Ulrich Hanfstein, der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs. Die vom Ministerium verpflichtend angeordnete Restmüllanalyse werde da Klarheit verschaffen.
Auch schnelllebige Mode bewirkt mehr Müll
Hanfstein ist überzeugt, dass nicht nur die unzureichende Müllsortierung, sondern auch das Konsumverhalten der Bürger mit dem Kauf von beispielsweise billiger „Fast- und Ultra-Fast-Fashion“ aus China für den Anstieg des Mülls verantwortlich ist und dass das, was man damit vermeintlich einspare, an anderer Stelle, nämlich bei den Abfallgebühren, zu Buche schlage.
Die offenbar nicht bei jedem Bürger vorhandene Überzeugung, dass Mülltrennung Sinn macht, hat sich auch an anderer Stelle negativ ausgewirkt: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Menge an Störstoffen sowie Haus- und Sperrmüll im Bioabfall um 914 Tonnen gestiegen. 1237 Tonnen waren es insgesamt. Die Mehrkosten gegenüber dem Planansatz lagen deshalb bei 610 000 Euro.
Hanfstein riet vor diesem Hintergrund dringend im Interesse jedes Einzelnen dazu, das eigene Konsumverhalten zu überprüfen und den Müll konsequent zu trennen. Zielsetzung der Restmüllanalyse müsse es sein, auch die organischen Abfälle in der Restmülltonne wieder zu reduzieren und gleichzeitig die Qualität der Bioabfälle zu steigern.
Altpapieraufkommen geht stark zurück
Im Kontext der anstehenden Gebührenerhöhung erwähnte Hanfstein auch das seit 2018 um rund 2000 Tonnen gesunkene Altpapieraufkommen aufgrund zunehmender Digitalisierung und die dadurch geringeren Erlöse bei gleichzeitig steigenden Sammelkosten.
Dass der Landkreis Freudenstadt im Vergleich der Landkreise zum Abfallaufkommen trotzdem noch immer sehr gut platziert sei, ändere an diesen Tendenzen und den Folgen nichts. Man werde weiterhin daran arbeiten, das Bewusstsein der Bevölkerung zu schärfen, um weitere Kostensteigerungen zu vermeiden.
Gebele plädiert für anderes Vokabular
Oberste Priorität müsse es haben, Müll bestmöglich ganz zu vermeiden und dafür beispielsweise vor Ort einzukaufen, befand Landrat Andreas Junt. Für Elisabeth Gebele (Grüne) wäre es ein erster Schritt in Richtung Sensibilisierung der Bevölkerung, den Wortschatz entsprechend zu ändern und nicht mehr von Müll und Gartenabfällen, sondern von Wertstoffen und Grüngut zu reden.
Landrat Junt nahm diese Anregung auf und betonte, dass man mit Blick auf den Wirtschaftsplan 2026 und die daraus resultierende Gebührenerhöhung um die bestmögliche Lösung „gerungen“ und es sich nicht einfach gemacht habe.
Vorschlag: 179,40 Euro für eine 35-Liter-Restmülltonne
Die Zahlen 2026
Ende 2026 liegt die Gebührenausgleichsrückstellung aufgrund der erforderlichen Entnahmen in diesem und im nächsten Jahr voraussichtlich nur noch bei 1,9 Millionen Euro (Ende 2024: 6,3 Millionen Euro). Die Gebühren selbst sind seit 2020 – im Unterschied zum Land – stabil geblieben. Für 2026 rechnet Ulrich Hanfstein mit Umsatzerlösen in Höhe von 19,4 Millionen Euro (inklusive Entnahme), der Materialaufwand steigt voraussichtlich um 500 000 Euro, der Personalaufwand um 160 000 Euro. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen steigen ebenfalls um 700 000 Euro. Hier schlagen auch die höheren Kosten für die Entsorgung des Restmülls zu Buche. Im Gegenzug sinken die Altpapiererlöse um 130 000 Euro und die Zinserträge um 200 000 Euro. Die Kosten bei der thermischen Verwertung von Restmüll steigen voraussichtlich um 375 000 Euro und die Kosten für die Altholzverwertung um 135 000 Euro. Geplant, weil erforderlich, ist darüber hinaus ein Rücknahmesystem für Alttextilien mit Kosten von 100 000 Euro. Hinzu kommen Kosten für die Sickerwasserreinigung, für die Schacht- und Kanalsanierung in der Bengelbruck, Instandhaltungsinvestitionen in den 19 Recycling-Centern und zwei Entsorgungsanlagen sowie die Kosten für die Restabfallanalyse. Die geplanten Investitionen, die die Wirtschaftlichkeit des Betriebs verbessern sollen, liegen bei knapp sechs Millionen Euro.
Die Gebührenerhöhung
Der Vorschlag geht auf Grundlage dieser Entwicklung aktuell dahin, die Gebühren für eine 35-Liter-Restmülltonne 2026 um 31,20 auf 179,40 Euro jährlich zu erhöhen (die Gebühren für die anderen Behälter steigen entsprechend). Die Gebührenkalkulation im Detail erläuterte Jens Petschel von der Unternehmensberatung Bans Bach Econum. Geplant seien vollkostendeckende Gebühren ohne Über- oder Unterdeckung, stellte er klar. Eine weitere Entnahme von 1,5 Millionen Euro aus der Gebührenausgleichsrückstellung im Jahr 2027 erübrige eine nochmalige Erhöhung. Entscheiden wird der Kreistag am 15. Dezember.