An zahlreichen Stränden wird Plastikmüll angeschwemmt. Ins Meer gelangen die Kunststoffverpackungen oft durch Flüsse – etwa dem Neckar (Symbol-Foto). Foto: Pixabay/hhach

Verschmutzung ist auch in Sulz ein Thema. Die Bürger haben verschiedene Vorschläge, wie Plastikmüll vermieden oder besser recycelt werden kann.

Das, was die Welt bewegt, beginnt oft vor der eigenen Haustür. So treffen sich bis zum 13. Juni Vertreter aus 130 Staaten in Nizza, um an der französischen Mittelmeerküste über einen besseren Schutz der Ozeane zu beraten.

 

Denn jedes Jahr gelangen laut Schätzungen der Umweltstiftung World Wide Fund For Nature (WWF) 23 Millionen Tonnen Plastik ins Meer. Hält dieser Anstieg weiter an, könnte es im Jahr 2050 nach Gewicht berechnet mehr Plastik im Meer geben als Fische.

Müll im Neckar

Doch wie gelangen Einwegflaschen und Verpackungen, die oftmals nur aus dünnen Plastik-Folien bestehen, in sensible Ökosysteme wie Korallenriffe oder in den Marianengraben – mit rund 11 000 Meter Tiefe der tiefste Ort der Erde?

Über die Flüsse wird der Müll aus dem Landesinneren oftmals bis an die Küsten und dann ins Meer gespült. Um das zu verhindern, hatten sich die Sulzer Fischer Ende März anlässlich der großen Saubermach-Aktion „Sulz putz(t) munter“ schon frühmorgens um 8 Uhr am Neckar getroffen.

Jede Menge Plastik

Vom oberen Wehr bis zur Grenze nach Fischingen – rund vier Kilometer – säuberten sie zusammen den Fluss und das Ufer. Der Container an der Kläranlage war hinterher randvoll.

Neben Tretrollern und einem Fahrrad sammelten sie jede Menge Glas – und natürlich auch ganz viel Plastikmüll. Doch was könnte man tun, um die Plastikflut zu reduzieren? Da gibt es in Sulz einige Ideen. Bei den Sulzer Tischgesprächen, die vor gut zwei Jahren im Rahmen der Bürgerbeteiligung stattfanden, waren die Kunststoffe eines der zentralen Themen.

Baumwolle und Plastikflaschen

Volker Hoss wollte einen Wettbewerb der Gastronomen ausschreiben, bei dem der Sieger sei, der das meiste Mehrweggeschirr ausgebe. Sabrina Glöckler blickte auf die Sulzer Vereine und wollte sie anregen, bei Festen Geschirr auszuleihen anstatt auf Plastikgabeln zu setzen.

Brita Springers Zukunftsvision war, dass Kleidung aus alten Baumwollverschnitten und zerkleinerten Plastikflaschen hergestellt werden. Beide Rohstoffe werden dabei vermischt, eingeschmolzen und ergeben so einen neuen „alten“ Faden, aus dem das Kleidungsstück dann genäht wird.

Kleidung für Vereine und Firmen

Diese recycelten T-Shirts sind an einem „Salvage Fashion“-Logo erkennbar.„Ich wünsche mir, dass Vereine, aber auch Firmen ihre Arbeitskleidung auf diese wiederverwertbare Art bestellen“, erklärte die Textilingenieurin damals.

Dass es mit der Reduktion von Plastikmüll jedoch nicht zum besten steht, machen nicht nur die „Entdeckungen“ der Fischer am Neckar deutlich.

Tödliches Futter

Auch Weißstorchbetreuer Hartmut Polet kennt die Verschmutzung der Natur nur allzu gut. „Ist es zu viel verlangt, dass man den Hundekot dort entsorgt, wo er hingehört?“, fragt er mit Blick auf die dünnen Plastiktüten für Hundehalter.

Die hat er nämlich nicht im Neckar, sondern im Nest der Mühlheimer Störche – auf dem Kirchturm – gefunden. „Die Jungen können daran ersticken, denn oft können sie nicht einschätzen ob es sich dabei um etwas Fressbares handelt“, warnt er.

Plastik im Blut

Und trifft sich dabei mit den Warnungen der WWF-Kollegen. So verfüttern auch Seevögel umherschwimmenden Plastikmüll an ihre Küken. Diese sterben, weil die Mägen sich mit Kunststoff füllen und keine Nahrung mehr aufnehmen können.

Aber auch an anderen Stellen wurden Kunststoffrückstände, die in immer kleinere Teilchen zerfallen – sogenanntes Mikro- und Nanoplastik – nachgewiesen: Nämlich im Blut, der Leber, im Darm oder im Herzen von Menschen.