Lange mussten Anwohner in Schwenningen ertragen, wie in ihrer Nähe immer wieder Müll abgeladen wurde. Dann tat sich was – aber der Frust ist trotzdem noch da.
Über Jahre hinweg hat sich der Ärger von Anwohnern wie Linda Schaible oder Johannes Maier buchstäblich angestaut – genau wie die regelrechten Müllberge, die sich in regelmäßigen Abständen rund um die Container an der Karl-Marx-Straße auftürmten. Entsprechend groß war ihre Erleichterung, dass Ende Juli die Altkleidercontainer endgültig abgeräumt wurden – aus ihrer Sicht auf hoffentlich Nimmerwiedersehen. Zu oft haben sie miterlebt, wie Altkleider nicht nur in den Containern entsorgt wurden, sondern wild verstreut drum herum lagen, genau wie auch noch andere Dinge.
Von Matratzen über Teppiche bis hin zu Lebensmittelresten, Altglas oder Regalsystemen war da zum Beispiel alles dabei. Letztlich musste dann stets der Entsorger anrücken und den ganzen Müll wegräumen. Und auch die Technischen Dienste VS waren in regelmäßigen Abständen vor Ort, um Verunreinigungen zu beseitigen.
Ein Kampf seit Jahren
Jahrelang mussten sich die Anwohner in Geduld und in der Korrespondenz an die Behörden üben, um endlich Abhilfe zu schaffen. Insbesondere mit dem Abfallwirtschaftsamt der Landkreisverwaltung stand zum Beispiel Linda Schaibles Ehemann im regen Austausch. Das Landratsamt ist als Abfallrechtsbehörde „zuständig für die Überwachung der gemeinnützigen Alttextilsammlung sowie für abfallrechtliche Maßnahmen in Zusammenhang mit illegalen Abfallablagerungen“, heißt es dazu auf Nachfrage der Redaktion erläuternd aus dem Kreishaus.
Dann tat sich endlich etwas in der Sache: Am 29. Juli ließ der Schwenninger Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes, bislang Betreiber der Sammelstelle, die Kleidercontainer abbauen, wie Geschäftsstellenleiterin Isabell Hauser auf Nachfrage bestätigte.
„Der Altkleiderverwerter hat gesagt, dass er die Entsorgung nicht mehr leisten kann“, erläutert sie die Gründe. Das galt sowohl für die beiden Container in der Karl-Marx-Straße als auch für jene am Deutenberg, wo es ähnliche Probleme gegeben hatte.
Manche Zeitgenossen beeindruckte das Abbauen der Container indes nicht: Sie warfen ihre zu entsorgenden Klamotten dann eben einfach kurzerhand dreist ins nahe gelegene Gebüsch oder eben dann vor die Glascontainer, die an der Stelle stehen bleiben.
Insgesamt wolle man die Kleidersammlung aber „schon aufrecht erhalten“, schließlich sei man von der Sinnhaftigkeit überzeugt, so Isabell Hauser weiter. So bleiben die Container andernorts in der Stadt stehen. Und auch andere lassen ihre Container, wo sie sind – darunter der Landkreis selbst, etwa auf dem BSV-Parkplatz, an dem sich ebenfalls die Müllberge häufen.
Für Anwohner Johannes Maier aus dem Bereich Karl-Marx-Straße war das Kleidercontainerthema ein großer Aufreger – und er ärgert sich auch weiterhin insbesondere über die Haltung der Stadt und des Kreises in der Sache. Er ist sich nämlich sicher: Videokontrolle der Containerstandorte würde etwas bringen, um der illegalen Ablagerungen Herr zu werden.
Videoüberwachung, Richtlinie und andere Container
EU-Richtlinie
Für einige Verwirrung sorgte offenbar die EU-Richtlinie, wonach seit diesem Jahr eine Pflicht zur Getrenntsammlung von Alttextilien gilt. Altkleider dürfen und sollen sogar aber noch in den Restmüll gegeben werden, wenn sie nicht mehr weiter zu gebrauchen sind, etwa wenn sie zerschlissen oder verschmutzt sind.
Glascontainer
Und wie ist es um die Altglascontainer bestellt, die weiterhin an der Sammelstelle Karl-Marx-Straße stehen? Deren Abzug „in diesem Bereich ist bislang nicht vorgesehen. Die Altglascontainer werden von den Dualen Systemen beziehungsweise der Firma Remondis betrieben. Grundsätzlich besteht für Altglascontainer in öffentlichem Raum mehr Bedarf als für Altkleidercontainer in öffentlichem Raum, denn Altglas fällt in Haushalten regelmäßig in relevanten Mengen an. Zudem lässt sich die Standplatzreinigung besser regeln“, berichtete Heike Frank, Sprecherin der Landkreisverwaltung auf Nachfrage.