Ein Haufen Müll einfach weggeworfen – auf diese Weise kommt nicht nur säcke-, sondern tonnenweise richtig was zusammen im Schwarzwald-Baar-Kreis. Foto: Jan Woitas/dpa

Auf langen Autofahrten in den Urlaub – etwa in den nahen Schwarzwald – werden sie oft herbeigesehnt. Doch kaum sind sie erreicht, folgt Ernüchterung: Müllberge und säckeweise Unrat liegt auf den Parkplätzen. Der Haufen Müll kostet einen Haufen Geld.

Schwarzwald-Baar-Kreis - Berufspendlern fällt es im Vorbeifahren auf: Die Parkplätze an den Hauptverkehrsadern in der Region werden von Müllsündern missbraucht.

 

Ein Problem, dem man offenbar kaum Herr wird. Und mehr noch: Die Unsitte einiger kostet die Allgemeinheit richtig viel Geld. Wieviel genau, das zeigt die Nachfrage beim Landratsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises.

Der Haufen Müll kostet einen Haufen Geld

Generell koste die Müllentsorgung an den zu betreuenden Straßen des Schwarzwald-Baar-Kreises 270 000 Euro im Jahr, erklärt die Pressesprecherin des Landratsamtes Heike Frank. Beachtlich: Der Löwenteil davon entfällt mit 250 000 Euro auf die Müllentsorgung an Parkplätzen.

Gerade ist es wieder besonders schlimm. Der Parkplatz an der Bundesstraße 33 vor Villingen sollte eigentlich zum Rasten und Ruhen einladen. Doch wohin mit der Verpackung des eigenen Vespers? Die Mülltonnen quillen nicht nur über, sondern wurden bereits erweitert: Säckeweise haben Müllsünder ihren Unrat abgeladen. Durch den transparenten, hellblauen Sack sind Babywindeln, Dosen, diverse Essensreste und Taschentücher in einem wilden Durcheinander auszumachen. Klar ist: Das ist nicht der Müll Reisender, der auf der Durchfahrt anfällt, sondern systematisch abgeladener Hausmüll. Und das säckeweise.

Einige Hotspots im Kreis

Es gibt Stellen im Landkreis, da ist es immer besonders schlimm: "Hotspots sind unter anderem der B 523 Parkplatz bei Mühlhausen und der Parkplatz an der B 33 VS/Bad Dürrheim", erklärt Heike Frank. Auch rund um Fast-Food-Betriebe türmt sich häufig Abfall.

Die Müllsünder auf frischer Tat zu ertappen ist meist schwer – meist kommen sie nachts, oder eben an Wochenenden. Und: Diese Unsitte hat immer Saison – Frühjahr, Sommer, Herbst oder Winter, sie kommen "im Prinzip ganzjährig", sagt Heike Frank.

Zur Ruhe kommen damit auch die Mitarbeiter der Straßenmeistereien im Landkreis eigentlich kaum noch. Geschätzt 170 Tonnen wilde Müllablagerungen müssen sie entfernen. Darunter ist alles: Im Frühjahr oder Sommer werden Winter- oder Sommerreifen an der Straße entsorgt, wenn derjenige nicht weiß, wohin damit oder die Entsorgung im Reifenhandel oder Autohaus zu kostspielig erscheint.

Gefriertruhen-Inhalt und Gammelfleisch

Muss die Gefriertruhe einmal wieder ausgemistet werden oder gammeln im Kühlschrank Lebensmittel vor sich hin, dann werde auch schon einmal eine ganz Gefriertruhenfüllung auf den Rastplatz gekippt. Und landen – mal wieder – ganze Berge von Autoreifen an den Ausbuchtungen der Bundesstraßen, dann kamen die Flegel vermutlich einmal mehr mit dem Lastwagen und warfen des nachts während des Fahrens ihre Fracht in die Bankette.

"Es wurden auch schon 20 bis 30 Reifen auf einem Parkplatz abgeladen", schildern die zuständigen Mitarbeiter bei der Kreisverwaltung, wenngleich einfacher Hausmüll das Gros des Abfallbergs ausmache. Spritzen, tote Tiere, Sperrmüll – nichts scheint unmöglich.

Ein Problem im Griff?

Immerhin eine lästige Plage scheint man an den Parkplätzen im Landkreis zwischenzeitlich im Griff zu haben: Fäkalien. Das Problem war ein besonders ekliges: Lastwagenfahrer, die an der Bundesstraße nächtigten, um die Lenkzeiten nicht zu überschreiten, verrichteten ihre Notdurft kurzerhand auf der Wiese nebenan. Sehr zum Leidwesen derer, die dann kamen, um beispielsweise die Wiese zu mähen. Die Lösung: Dixie-Toiletten. Vor etwa fünf Jahren waren diese angeschafft worden, zunächst als Feldversuch – im wahrsten Sinne. Und nun? "Ja, die Toiletten werden gut angenommen, die Verunreinigungen durch Fäkalien auf den Parkplätzen ging deutlich zurück", stellt Heike Frank auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten zufrieden fest.

Die blau-weißen Häuschen gehören nun also seit gut fünf Jahren zum Straßenbild. Sollten sie irgendwann einmal durch ansehnlichere Exemplare ersetzt werden, die auch nicht umgeworfen werden können, wäre das Regierungspräsidium Freiburg dafür zuständig. Mangels einer entsprechenden Wasser- und Abwasserinfrastruktur aber dürfte das eher schwierig sein – ganz zu schweigen vom Kostenfaktor.

Regelmäßiger Reinigungsturnus

Egal ob es um Fäkalien oder Müll geht, auf 20 Parkplätze an viel befahrenen Straßen hat man beim Landratsamt, beziehungsweise den Straßenmeistereien mindestens zwei- bis dreimal pro Woche ein Auge. Auch wenn die Ordnungshüter also recht häufig zu Gast sind, die Chance, Müllsünder dingfest zu machen, tendiert offenbar gegen Null. Das wurde schon mehrfach versucht und auch angezeigt, aber "wenn die Täter nicht auf frischer Tat erwischt werden, wird das Verfahren eingestellt". Und findet sich doch einmal eine offensichtliche Adresse als vermeintliche Spur zum Verursacher, dann werde – natürlich – direkt die Polizei eingeschaltet. Ein seltenes Vergnügen, denn "im Normalfall findet die Durchsuchung des Mülls aufgrund des Gefährdungspotenzials nicht statt", weiß Heike Frank – was hier weggeworfen wird, ist auch über die Ekelgrenze hinaus häufig "nicht ganz ohne".