Der Landkreis hat an sechs Standorten Altkleidercontainer aufgestellt. Foto: Schmider/Landratsamt Rottweil

Überfüllte Container, Stapel von Müllsäcken: Das Altkleiderchaos im Kreis Rottweil nahm zuletzt überhand. Jetzt gibt es eine Übergangslösung – doch wie geht es danach weiter?

Gleich mehrere Faktoren führten beim Altkleider-Chaos zum Kollaps: eine neue EU-Richtlinie, die fordert, dass brauchbare Textilien recycelt statt im Restmüll entsorgt werden, und zunehmend mehr Müll und minderwertige Textilien, die in den Containern landen und die Entsorger vor riesige (finanzielle) Herausforderungen stellen. Der Auftrag des Kreistags: Der Landkreis sollte eine Lösung für das Altkleiderproblem finden. Jetzt gibt es eine, um „das Gravierendste abzufangen“. Und wie geht es nach dem Testlauf weiter?

 

Weil sich die Sammlung für viele Betreiber nicht mehr lohnte, hatten diese ihre Altkleidercontainer jüngst aus dem Kreis Rottweil abgezogen. Mit der nun geschaffenen Übergangslösung will der Kreis sicherstellen, dass die Bürger weiterhin ihre Kleidung entsorgen können.

Eigene Lösung in Oberndorf

Nachdem die Stadt Oberndorf bereits eine eigene Lösung gefunden hat – dort stehen seit 7. Januar Container der Aktion Hoffnung Rottenburg-Stuttgart auf dem Werkhof-Gelände – gibt es nun auch ein kreisweites Angebot.

Aus der Insolvenzmasse des Textilrecyclers TexAid habe der Landkreis Container gekauft und hergerichtet, wurde im Kreisausschuss des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft erklärt. So stehen nun seit dem 1. März an mehreren Standorten zusätzliche Container zur Verfügung.

Die Container-Standorte

Einen Container gebe es bereits seit Längerem auf dem Wertstoffhof in Bochingen. Die weiteren Altkleidercontainer befinden sich in Rottweil auf der Marktenhöhe beim Grüngutplatz der ehemaligen Deponie Keltenberg, in Zimmern im Steigle 1 beim Grüngutplatz an der Sortieranlage der Firma ALBA, in Dunningen in der Schramberger Straße 59 auf dem Betriebsgelände der Firma ALBA, in Schramberg in der Lauterbacher Straße 72 bei der Grüngutsammelstelle „Am Felsenkeller“ und in Schiltach auf dem Bauhof-Lagerplatz „Brühl“ an der B 294.

Die Nutzung ist dabei ausschließlich zu den regulären Öffnungszeiten der jeweiligen Annahmestellen möglich.

Daten sammeln für eine langfristige Lösung

Das Angebot sei zunächst nur als Zwischenlösung angelegt, hieß es. Gleichzeitig soll es Zahlen als Basis für eine weitere Planung und eventuelle spätere Ausschreibung liefern: Wie groß ist die Altkleider-Menge? Wie ist die Qualität der abgegebenen Textilien? Welche Vermarktungsschienen sind möglich? Mitte des Jahres erhofft sich der Landkreis erste Antworten auf diese Fragen.

Verlässliche Daten seien notwendig, um beurteilen zu können, wie ein dauerhaftes Sammelsystem im Kreis künftig ausgestaltet werden könnte. Jahrzehntelang sei das Thema Altkleider am Landkreis vorbei gelaufen, deshalb habe man keine Erfahrungswerte.

Erfolg hängt von den Bürgern ab

Der Erfolg des Angebots hänge nun davon ab, wie weit die Bürger zu fahren bereit seien, erklärte der Erste Landesbeamte Hermann Kopp. Nun seien Altkleider ja aber nicht unbedingt täglich zu entsorgen, so dass er die Entfernung zu den Containern als vertretbar bewertet. Abgesehen davon stehe es jeder Kommune natürlich frei, eine eigene Lösung zu etablieren.

FWV-Stadtrat und Sulzer Bürgermeister Jens Keucher äußerte Bedauern darüber, dass eine gleichmäßige Verteilung über das Kreisgebiet offenbar nicht möglich gewesen sei. Von Verwaltungsseite hieß es, man habe darauf geachtet, dass der nächste Altkleidercontainer möglichst nie weiter als 20 Kilometer entfernt sei. Für Sulz verwies er auf den elf Kilometer entfernten Container auf dem Bochinger Wertstoffhof.

Müllgebühren „so gut wie nicht“ belastet

AfD-Kreisrat Kay Rittweg wollte wissen, was der Landkreis denn nun mit der abgegebenen Kleidung mache. Diese werde „mit moderatem Aufwand“ sortiert und möglichst verwertet, der Rest entsorgt, meinte Kopp.

Auf die Frage, wie sich das auf die Entsorgungskosten und damit auch auf die Müllgebühr auswirken werde, hieß es, das Bringsystem belaste die Müllgebühren so gut wie nicht.

Womöglich werde sich die Erlössituation auch wieder entspannen und andere Recycler wieder einsteigen, mutmaßte Hermann Kopp und zeigte sich vorsichtig optimistisch, dass sich das System auch wieder stabilisieren könnte. Jetzt nutze man aber erst einmal die Übergangslösung zum Erkenntnisgewinn und fahre auf Sicht.

Info

Altkleider-Entsorgung
Der Landkreis bittet darum, nur tragbare und wiederverwendbare Kleidung einzuwerfen und nichts neben den Containern abzulegen. Ist ein Container voll, sollte ein anderer Standort im Kreisgebiet genutzt werden. Schuhe und Lederwaren dürfen nicht abgegeben werden. Sehr gut erhaltene Kleidung nehmen weiterhin auch karitative Einrichtungen, Vereine sowie gewerbliche Sammelunternehmen an. Nicht mehr verwertbare Textilien können nach wie vor über die Restmülltonne entsorgt werden.