Mit dem Aus für den Mühlenladen ist der letzte lebendige Teil der Schlossmühle Unterschwandorf weggefallen. Ein Blick auf die Gründe.
Einige Wochen nach dem Aus für den Unterschwandorfer Mühlenladen das Thema noch mal durchzusprechen – das war für Betreiberin Angela Nisch keine leichte Zusage. Das Thema ist bei allen Sachfragen und Entscheidungen ein emotionales.
Ihr Ur-Ur-Opa hatte die im 17. Jahrhundert gegründete Schlossmühle in Unterschwandorf im 19. Jahrhundert erworben. Bis zuletzt wurde die Mühle und nach deren Stilllegung der Mühlenladen in der Familie gehalten und betrieben. Der Laden, die Mitarbeiter, die Kunden, die hochwertigen Produkte – das alles lag Nisch am Herzen.
Zum Jahresanfang 2021 übernahm Angela Nisch den Mühlenladen. Verpachtet von ihrem Onkel Gunter Wackenhut, dem letzten langjährigen Betreiber der Schlossmühle, der ihr noch mit Rat und mancher Tat zur Seite stand. Nisch wollte das Ende des letzten Mühlenteils nicht so einfach hinnehmen. Und dann war da auch der Reiz, mal „auf der anderen Seite der Ladentheke zu stehen“.
Auf der anderen Seite der Ladentheke
Viel Jahre hatte sie als Nagolder Citymanagerin (und im Anschluss mit ihrem Beratungsunternehmen Nisch City Consulting) Einzelhändlern zur Seite gestanden und ihnen auch erklärt, wie man Dinge anpacken sollte.
Nun war sie also selbst Ladenbetreiberin. Kein blauäugiges Vorhaben. „Ich habe mir selbst einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren gegeben“, erklärt Nisch. Die fünf Jahre hat sie Ende Januar mit der endgültigen Schließung voll gemacht.
Die Entscheidung war Monate zuvor gefallen. Nisch erinnert sich gut an den Moment, in dem sie die aktuellen Ausgaben saldierte und vor der Frage stand: „Wie soll ich das alles bezahlen?“
Probleme wie andere Einzelhändler
Die Gründe sind nicht exklusive, sondern typisch für kleine, inhabergeführte Geschäfte. Die Kosten für Energie, Rohstoffe, die Waren steigen. Die Gewinnspanne bleibt im niedrigen Bereich von ein bis fünf Prozent.
„An den Kunden, der Nachfrage hat es nie gelegen“, sagt Nisch. Sie verlängerte sogar die Öffnungszeiten auf sechs Tage die Woche. Die Stammkunden seien froh gewesen, dass sie weiterhin ihr „Säckle Mehl“, worunter durchaus auch 25-Kilogramm-Gebinde fallen können, weiterhin vor Ort in Unterschwandorf bekamen. Und auch neue Kunden hätten den Weg gefunden, teilweise auch durch die Paketannahme, die Nisch betrieb. Dazu erweiterte sie auch die Produktpalette. So gab es unter anderem hochwertige Öle.
Bio sei hingegen nicht so gefragt, da auch nicht so gewohnt gewesen. Urgetreide wie Emmer weckte Interesse, das aber wieder durch die höheren Preise dieser Produkte eingebremst wurde.
„An den Kunden lag es nicht“
Der Laden lief also durchaus, doch es reichte nicht, um sich selbst ein Gehalt auszuzahlen. Und zuletzt stand Angela Nisch vor der Frage, ob sie privates Geld in das Geschäft stecken sollte, um den Laden zu erhalten – nachdem sie schon in die Eröffnung und die räumliche Erweiterung investiert hatte.
Und auch gesteigerter Umsatz – sie habe einen Zuwachs von jährlich zehn bis zwölf Prozent gehabt – sei kein Garant. „Je mehr Umsatz, um so größer wird die Maschinerie“, sagt Nisch. Man brauche dann mehr Leute, die Lagerhaltung werde schwieriger. Und sie selbst verbrachte zunehmend mehr Zeit im Büro als im Laden.
Ab Anfang Oktober habe man das Aus in die Kundschaft kommuniziert. Und auch ein „bombiges“ Weihnachtsgeschäft änderte nichts an der Entscheidung.
Die gute Nachricht für Stammkunden: Es ist ein Aus mit Sternchen. Die Fußnote dazu: Kunden können nach Anmeldung immer noch Mehl in Unterschwandorf holen. Und auch der Warenautomat vor der Mühle ist weiter in Betrieb.
Auch an den Geschenkkörben mit hochwertigen Lebensmitteln, die unter anderem für festliche Anlässe bei Firmenkunden gefragt sind, hält Nisch fest.