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Mühlenbach Menschenleben misst 0,02 Millimeter

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Die erste Info-Tafel steht, weitere sollen folgen: Klaus Armbruster am Anfang seines Erdgeschichte- wegs. Foto: Spitzmüller Foto: Schwarzwälder-Bote

Mühlenbach - Ein Nachbar Klaus Armbrusters zweifelte den vom Menschen gemachten Klimawandel an und stellte die Veränderungen des Wetters als natürlichen Lauf der Geschichte dar. Armbruster überlegte, wie er diesem Nachbarn vom Gegenteil überzeugen könnte – die Idee zum Erdgeschichteweg war geboren.Mit jedem Meter durchschreitet man 3,83 Millionen Jahre. Nach 350 Metern beginnt das erste Leben im Meer. Aber erst nach 1183 Metern sterben die Dinosaurier aus. Und erst 3,5 Zentimeter vor Ende des insgesamt 1200 Meter langen Wegs taucht der Homo Sapiens, der moderne Mensch auf. Bis zu Christi Geburt, dem Beginn unserer Zeitrechnung, sind es trotzdem noch 3,45 Zentimeter. Wie kurz ein durchschnittliches Menschenleben ist, zeigt sich im Größenverhältnis des Weges drastisch: Nur 0,02 Millimeter! Armbruster hat also die Zeit in ein Verhältnis zum Weg gesetzt.

Im November vergangenen Jahres steckte Klaus Armbruster Markierungen im Abstand von 100 Metern auf dem Weg ab, die erste Tafel steht bereits. Ende August soll der Weg provisorisch in Betrieb genommen werden.

Als er vor einem Jahr begann, Artikel und Bücher über die Geschichte der Erde zu lesen, stieß er gleich zu Beginn auf die Geschichte der Osterinsel, die nun auch Teil des Erdgeschichtewegs ist: Die Insel im Pazifik war einst über und über mit Palmwäldern bewachsen. Erst um 800 wurde die Insel besiedelt, und Mitte des 13. Jahrhunderts begannen die Einwohner, sich ihrer Lebensgrundlage zu berauben: Sie rodeten die Palmwälder. Um 1500 gab es auf der Insel keine einzige Palme mehr. Dadurch starben Vogelarten aus, der Boden trocknete unter dem starken Wind, aus, Fischerei war aufgrund von mangelndem Holz für den Bootsbau nicht mehr möglich. Es kam zu Hungersnöten, die Bevölkerung ging um 70 Prozent zurück. Für Armbruster macht diese Begebenheit klar: Der Mensch ist tatsächlich in der Lage, sich selbst auszurotten.

Dass er auch derzeit dabei ist, seine Lebensgrundlage auf ebensolche Weise zu zerstören, darauf will Armbruster mit dem Erdgeschichteweg aufmerksam machen. Etwa 200 Meter vor Ende des Wegs kommt der "Zeitreisende" in eine enge Kurve. "Hier begann die Entstehung von Erdöl und Erdgas", erklärt Armbruster. Vor 750 Millionen Jahren entstand also diese fossile Energiequelle. Vor etwa 150 Jahren begann die Förderung der Ressourcen im großen Stil, die Vorräte reichen vielleicht noch 50 Jahre. "Wir verbrauchen Rohstoffe, die 200 Meter lang entstanden sind, innerhalb einer Haaresbreite", macht Armbruster das Verhältnis anhand des Wegs klar. Für ihn ein klares Indiz für den vom Menschen gemachten Klimawandel.

Laut Armbruster sollte das Gebot der Stunde Sparen sein: Energie einsparen, weniger Rohstoffe verbrauchen, Reserven für nachfolgende Generationen zurückbehalten, damit diese eine Lösung finden können. Stattdessen schreiten der Klimawandel und das Artensterben voran, fossile Brennstoffe werden subventioniert, die Umweltzerstörung und der Verbrauch der Energievorräte nimmt zu – alles durch den Menschen verursachte Probleme. "Wir arbeiten an alternativen Energien, aber um Solarzellen herzustellen und Windkrafträder zu bauen, brauchen wir sehr viel Energie. Und die kommt aus herkömmlichen Quellen wie dem Erdöl. Womit bauen wir die regenerativen Produkte, wenn der Erdölvorrat verbraucht ist?"

Auf solche Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen will Armbruster an einem "Besinnungsplatz" eingehen, der am Ende des Wegs eingerichtet werden soll. Dieser und der Erdgeschichteweg als Ganzes ist für jeden gedacht, der sich dafür interessiert, was gerade mit der Umwelt passiert.

Armbruster hat keine festen Projektpartner, aber einzelne Menschen, die ihn unterstützen. Er freut sich über jeden, der ihm Hilfe und Mitarbeit anbietet. Er selbst steckt sehr viel Zeit in sein Projekt, vor allem auch mit Gesprächen, die er mit anderen über seine Motivation führt. Bereits zweimal ist es ihm dabei passiert, dass sich Außenstehende in das Gespräch eingeschaltet haben, einmal davon ein junger Mann um die 20. "Er war ganz begeistert, dass sich Menschen über solche Dinge und Probleme unterhalten", erzählt Armbruster. Er erfährt aber auch viel Desinteresse und Menschen, die ihn als Schwarzmaler und Pessimist abtun. Das hält ihn aber nicht davon ab, weiterzumachen: "Ich habe keine Lösung für all unsere Probleme, und ich sehe das alles auch nur aus meinem Blickwinkel, aber ich will die Menschen zum Nachdenken anregen."

Ihre Redaktion vor Ort Hausach

Charlotte Reinhard

Fax: 07832 9752-15

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