Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Mühlenbach "Es gibt nicht den ›einen‹ Baum"

Von
Das Interesse am dritten Mühlenbacher Bauerntreff war groß, bei der Versammlung am 9. Oktober sollen die Familien im Mittelpunkt stehen. Foto: Störr Foto: Schwarzwälder Bote

Der dritte Mühlenbacher Bauerntreff hat sich in erster Linie dem Wald gewidmet. Revierleiter Nicolai Doll informierte die etwa 40 Teilnehmer über den Stand der Forstreform, den Zustand des Mühlenbacher Waldes und alternative Baumarten.

Mühlenbach. Einzig die Lage am Holzmarkt wird erst bei der kommenden Versammlungen der FBG thematisiert. Die Beratung der Privatwald-Besitzer durch den Förster bleibt auch nach dem 1. Januar des kommenden Jahres kostenfrei. Was künftig kosten wird, ist die Betreuung des Privatwalds durch das Auszeichnen und Aufnehmen des Holzes.

"Künftig gibt es zweierlei Linien", erklärte Doll. Da sei zum einen die Fallweise Betreuung, die für Waldbesitzer bis 50 Hektar Waldfläche wie in der Vergangenheit nach Anruf erfolgt. "Bisher wurde auf Festmeter-Basis abgerechnet, ab Januar auf Stundenbasis", erklärte Doll eine Änderung. Das Ziel sei es, die fallweise Betreuung so weit wie möglich zu erhalten, um den Förster auf der Fläche zu halten. Die Grundlage werde künftig eine De-minimis-Förderung sein, wobei die Beauftragung des Revierleiters gleichzeitig den Förderantrag und auch die Bewilligung der Maßnahme bedeute, womit die Beratung gleich beginnen könne. "Ganz ohne Umstellung geht es nicht", betonte Doll und verwies auf den Fördersatz von 70 Prozent des Stundensatzes.

Im vorgelegten Rechenbeispiel würden für den Waldbesitzer künftig 16,50 Euro zuzüglich der Steuer verbleiben. Wo bisher das Holzaufnehmen mit einem Euro je Festmeter berechnet worden sei, spiele nun die Zeit eine entscheidende Rolle. Beim Holzauszeichnen wurden bisher 0,36 Euro je Festmeter berechnet, dort kommt es künftig eher auf den Bestand des Waldbesitzers an. "Die Kosten werden künftig stärker am Aufwand bemessen. Für Waldbesitzer unter 50 Hektar wird sich nicht viel ändern – außer der Bürokratie", zog Doll als Fazit.

Nur tatsächliche Leistungen werden abgerechnet

Künftig werde es in der vertraglichen Betreuung verschiedene Möglichkeiten geben. Für Waldbesitzer über 50 Hektar Waldfläche und für Mühlenbach wäre der Holzernte-Vertrag interessant. Die Inhalte seien modular und individuell auswählbar. Der Vorteil: "Es werden nur die tatsächlichen Leistungen des Förster abgerechnet."

Im Moment sei allerdings noch nichts festgeschrieben, noch sei bei den Vertrags- und Abrechnungsvarianten vieles unsicher, hob Doll hervor. Die Gesamtsituation des Mühlenbacher Waldes fasste der Revierleiter so zusammen: "Manche sind stark von Käferholz betroffen, andere weniger – aber alles in allem sind wir im Moment noch auf einer Insel der Glückseligen."

Auch wenn der trockene September etwas Sorgen bereite, stehe der Wald im Gegensatz zum Hochschwarzwald noch gut da. Bei den kühleren Temperaturen lasse die Aktivität des Buchdruckers nach. Es gelte, über alternative Baumarten zur Fichte nachzudenken. "Man muss sich aber von der Illusion verabschieden, dass es eine Baumart ohne Schädlinge gibt", erklärte Doll im Hinblick auf die Atlaszeder, deren ursprüngliche Heimat Marokko und Algerien ist. Auch für Baumarten wie der südosteuropäische Baumhasel, der nordamerikanische Tulpenbaum, die Roteiche, Douglasie, Esskastanie, Traubeneiche, Rotbuche oder Weißtanne gelte: "Es gibt nicht ›den‹ Baum – wir brauchen eine gute Mischung!" Entscheidend wäre der Standort, auch das Thema Jagd werde in Bezug auf die Artenvielfalt im Wald an Bedeutung gewinnen.

Doll riet den Landwirten, wo es möglich ist, auf einheimische Baumarten zu setzen und die Naturverjüngung auszunutzen.

Bürgermeisterin Helga Wössner berichtete kurz von der BLHV-Veranstaltung zum Volksbegehren "Rettet die Bienen!". "Eigentlich ist es falsch. Ich könnte genauso gut sagen: Rettet die Zecke oder den Stinkkäfer – aber bei Bienen unterschreibt man schneller", befand die Bürgermeisterin und stellte den Ablauf eines Volksbegehrens in groben Zügen vor. Auch die Forderungen und Auswirkungen des vorgelegten Gesetzentwurfs erläuterte sie. "Es klingt alles gut und spricht vieles dafür, aber man muss es von verschiedenen Seiten angehen." Eines sei klar. Wenn etwas zur gesetzlichen Vorgabe geworden sei, gebe es auch keinen Ausgleich mehr. "Die Landwirte als Landschaftspfleger zu missbrauchen, das geht nicht. Wir brauchen Sie nicht nur, um eine Ferienkulisse zu bauen", leitete Wössner zur Diskussion. Der Tenor der Mühlenbacher Landwirte war klar: Über ihre künftigen Arbeitsbedingungen würden Menschen abstimmen, die nichts mit der Landwirtschaft zu tun hätten. Einmal mehr wurde auf die Verantwortung der Verbraucher verwiesen, die sich bei jedem Einkauf regionaler und biologisch erzeugter Lebensmittel für Klimaschutz und Artenvielfalt einsetzen könnten – wenn sie es denn wirklich wollten. Doch genau da fehle es an der Umsetzung, bemängelten die Landwirte.

Artikel bewerten
0
loading
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.