Klaus Armbruster (stellte die Schilder selbst zusammen und recherchierte deren Inhalt. Jetzt stellte er das Ergebnis seiner Mühen vor. Foto: Reinhard

Eröffnung des Erdgeschichtewegs in Mühlenbach. "Wir brauchen die fossilen Brennstoffe in Haaresbreite auf."

Mühlenbach - Die Geschichte der Erde ist 1200 Meter lang – zumindest in Mühlenbach. Dort hat Klaus Armbruster im Bärenbach auf dieser Streckenlänge selbst gestaltete Schilder aufgestellt, auf denen er die Entstehungsgeschichte unseres Planeten beleuchtet. Jetzt hat er den Weg mit einer Führung eröffnet.

Angefangen habe alles mit einem "kleinen Disput" im Jahr 2011, wie Klaus Armbruster erzählte. "Nach der jährlichen Sportlerehrung in Mühlenbach diskutierten ich und mein Nachbar Friedrich Uhl über den Klimawandel und ob der Mensch wirklich für ihn verantwortlich ist. Ich habe es nicht geschafft Fritz davon zu überzeugen und das nagte an mir." Nach einer Übernachtung in einem Landgasthof, der ein eigenes kleines Museum über seine Entstehungsgeschichte besaß, kam Klaus Armbruster dann die Idee, die Geschichte der Erde bis in die Gegenwart auf einem Weg um sein Haus herum dazustellen, um so den Blick auf die von der Menschheit hervorgerufenen Veränderungen zu lenken.

Mit der Einverständnis seiner Nachbarn, denen ein Großteil des Wegs gehört, probierte er vier Jahre lang aus, recherchierte und bastelte – bis es endlich soweit war und er jetzt seinen Erdgeschichteweg vorstellen konnte. Nachbarn, Bürgermeister Karl Burger, Vertretern des BUND und viele mehr kamen, um sich anzuschauen, was Armbruster in der jahrelangen Arbeit geschaffen hat

"Hätte noch Ideen für 30 weitere Schilder"

.Das Ergebnis lässt sich sehen: 17 Schilder hat er aufgestellt, "Ideen hätte ich aber noch für mindestens 30" sagt er. Farben kennzeichnen das jeweils behandelte Thema. Blau steht für das Erdgeschichte, gelb für die Entstehung des Lebens und grün für die Wiedergabe einer Meinung.

Auf der "1200 Meter langen Zeitreise" erläuterte er die Geschichte unseres 4,8 Milliarden Jahre alten Planeten. "Mit jedem Meter überschreiten wir etwa vier Millionen Jahre Erdgeschichte. So bekommt man ein Gefühl für die Zeit-Dimensionen", erklärte Armbruster am ersten Schild, das die Erde vom Mond aus zeigte – ein Bild, das bei der ersten Mondlandung aufgenommen wurde. "Das Foto hat mich damals fasziniert", erzählte Armbruster. Der Mond und seine Entstehung sowie die des Planetensystems waren Thema der zweiten Station. "Anfangs war der Mond nur 60 000 Kilometer von der Erde entfern", wusste Klaus Armbruster. "Das führte zu ganz anderen Gravitationsverhältnissen. Die Erdoberfläche hob und senkte sich bei Ebbe und Flut um bis zu 20 Meter, es entstanden Flutwellen von bis zu 100 Metern Höhe – und das fünfmal am Tag." Schließlich habe sich der Mond aber immer weiter von der Erde entfernt, was zu den heute bekannten Ebbe-und-Flut-Verhältnissen geführt habe. Heute beträgt die Distanz zwischen den beiden Himmelskörpern 384 000 Kilometer – sie wird aber weiter wachsen, da die Erde sich immer langsamer dreht und damit die Gravitationskräfte zwischen Erde und Mond geringer werden.

An den folgenden Stationen erklärte Armbruster die Ursuppe und das Magnetfeld der Erde. "Die Erde war am Anfang komplett flüssig", sagte er und fügte hinzu, dass ihn besonders fasziniert habe, dass zu diesem Zeitpunkt schon Leben auf der Erde existiert habe – Leben, das zur Fotosynthese fähig war und damit Sauerstoff produzierte.

Schritt für Schritt durch die Erdgeschichte

Meter für Meter, Schritt für Schritt führte Armbruster von der Sonnenenergie über die Plattentektonik und die Entstehung der fossilen Brennstoffe sowie das Zeitalter der Dinosaurier in die Gegenwart, die wohlgemerkt erst wenige Meter vor Ende des Erdgeschichtewegs beginnt. "Das Auftreten des ersten Menschen vor etwa 100 000 Jahren findet etwa vier bis fünf Zentimeter vor Wegende statt", machte Armbruster die Dimensionen deutlich. "Die Pyramiden wurden 0,92 Millimetern davor gebaut, die Völkerwanderung fand 0,4 Millimeter davor statt und Bertha Benz machte die erste längere Fahrt mit einem Automobil 0,03 Millimeter davor." Mit diesen Ausführungen wollte Armbruster vor allem auf eines hinaus: "Wir brauchen die fossilen Brennstoffe unserer Erde in Haaresbreite auf."

Atomenergie sei für dieses Problem aber keine Lösung: "Auch die Erze, die für die Kernenergie benötigt werden, sind endlich und man hinterlässt mit dieser Form der Energiegewinnung nur Müll – und das, wobei die Sonne uns täglich das 700-fache an Energie liefert, was die Menschen zum Leben brauchen. Das ist für mich nicht zu begreifen."

Für seine Arbeit und sein "fundiertes und beeindruckendes Wissen" erhielt Klaus Armbruster viel Lob von Bürgermeister Burger. "Das ist ein schwieriges Thema", sagte er. Man solle aber auch darüber nachdenken, ob dieser abgelegene Ort im Börenbach für den Weg wirklich der passenden Platz sei, auch in Hinblick auf den Verkehr, der bei einer häufigen Frequentierung entstehen könnte. meinte Burger. Außerdem sprach er die Aufnahme des Projekts ins Leader-Förderprogramm an. "Vielleicht kann man das Ganze ja noch professioneller machen. Das alles sollten wir im Gemeinderat einmal überlegen."

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