Die Unterkirnacher Mühle ist der Renner bei Touristen und Gästen aus der Region, arbeitet sie doch mit einer aufwendigen, ausgefeilten Technik.
Wenn Gemeinderat Rolf Weißer eine der zahlreichen Führungen übernimmt, hat er eine Fülle an detailreichen Informationen zu berichten. So erläutert er, dass im Innenraum alle Kammräder und Ritzel sechs Speichen haben. Das Wasserrad außen an der Mühle ist überdacht, was nicht bei allen Mühlen der Fall gewesen sei. Das Rad drehe sich 2,5 mal in der Minute, erklärt Weißer, bevor es zurück in die Mühle geht. In dieser Mühle sei das Getriebe wesentlich aufwendiger hergestellt worden als in den Hofmühlen, was auch belege, dass die Anlage für einen dauerhaften Betrieb gebaut worden sei.
Zwei Mahlsteine
Die Mühle hat zwei Mahlsteine. Um das Aufsprengen des Läufersteins durch die Fliehkräfte zu verhindern, habe die Badische Mühlenordnung von 1822 vorgeschrieben, dass der Läuferstein mit zwei Eisenreifen umgeben werden müsse, erklärt Weißer. Die Steine konnten nicht aus jedem Material hergestellt werden. Nicht so günstig sei der Sandstein gewesen, da er Steinmehl bilde. Daher habe man erkannt, dass Steine aus quarzreichen Buntsandsteinen besser waren. Im Wieselbachtal gebe es einen Platz, an dem diese Steine gewonnen wurden.
Das Getreide, das geerntet wurde, musste irgendwo gelagert werden – bei dieser Mühle im Erdgeschoss in Säcken. Da die Fruchtkammer sich unter dem Dach befindet, gibt es in der Mühle einen mittels Riemen betriebenen Aufzug, mit dem die Säcke nach oben transportiert wurden. Dieser Aufzug wurde manchmal als Personenaufzug missbraucht, was schon zu schweren Unfällen geführt habe, betonte Weißer.
Nichts soll verloren gehen
Die Kornzuführung geschieht über den Trichter, der Rüttelstuhl ist das Gestell für das Aufsetzen des Trimmels, darunter befindet sich der Rüttelschuh zum Dosieren des Mahlgutes. Der Riemen führt auch nach unten zum Kleiekotzer. Das Mehl rieselt durch das Seidengaze des Sechskanters in den Mehlkasten. Am Ende des Sechskanters tritt das grobe Mahlgut durch den Kleiekotzer. Damit nichts verloren geht, wird die Kleie entfernt, und noch grobe Getreidekörner werden gesammelt und noch einmal in den Trimmel verfrachtet.
Die Mühle wird bei allen Führungen laufen gelassen, wobei es immer wieder heißt: Finger weg von allen beweglichen Teilen. Sich in den Trichter zu hängen zwecks besserer Sicht sollte auch unterlassen werden – man denke nur daran, was aus Max und Moritz geworden war.
Führungen
Wer sich für Führungen interessiert, kann sich an das Tourismusbüro wenden. Es können auch Sonderführungen gebucht werden. Zudem gibt es historische Führungen, bei denen Schauspieler aus Unterkirnach und Villingen sich weniger dem Mahlen widmen, als der Streiterei um das schöne Müllersfräulein. Wenn es wieder früher dunkel wird, gibt es auch eine Gänsehaut-Führung mit Mühlengeistern.