Der Vorteil eines wasser- und nährstoffspeichernden Bodens liegt für Landwirt Ernst Schmid auf der Hand. Der Sulzer sieht das durch das regionale Gewerbegebiet in Gefahr.
Der Bergfelder Landwirt Ernst Schmid hat einen Vergleich angestellt: Die Wintergerste auf seinem Acker Richtung Renfrizhausen steht 60 Zentimeter hoch, die gleiche Frucht auf seinem Feld in Autobahnnähe hat bereits eine Höhe von einem Meter erreicht. Von dort ist es nicht mehr weit bis zur Mühlbachebene, wo das regionale Gewerbegebiet geplant ist.
Zu der kleinen Exkursion hat Schmids Tochter Sonja Maier, studierte Landwirtin, einen Spaten mitgenommen. Mit dem VW-Bus geht es übers Bergfelder „Millionenbrückle“ zunächst ins Gipskeupergebiet zwischen Bergfelden und Renfrizhausen.
Hohe Gerste am Lößgebiet
Der mit Gerste angebaute Acker liegt neben der Kreisstraße. Sonja Maier hat Mühe, mit dem Spaten in den Boden einzudringen, so trocken ist es derzeit. Darauf weisen auch die Risse hin. Dennoch: Der Humus ist spürbar feucht.
Schmid hat die Frucht im vergangenen Herbst gesät. Neben der noch niedrigen Höhe der Gerste fällt der dünne Bestand auf. Welch ein Unterschied zu seinem Acker im Lößgebiet nahe der Mühlbachebene: Die Gerste steht dort hoch und dicht, obwohl es in diesem Frühjahr überall gleich viel – oder besser gesagt gleich wenig – geregnet hat.
Speicher für Nährstoffe und Wasser
Sonja Maier erklärt, warum das so ist. Der Tonboden im Keuper bindet das Wasser: „Es ist für die Pflanze nicht verfügbar.“ Die nutzbare Speicherkapazität liege bei 65 Liter pro Quadratmeter und einer Tiefe von 1,5 Metern.
Die viel fruchtbareren Lößböden auf der Mühlbachebene hätten dagegen ein größeres Porenvolumen und könnten bis zu 280 Liter pro Quadratmeter mitsamt Nährstoffen aufnehmen. Das bedeutet, dass sie das Wasser länger halten können.
Verschleiß und Spritverbrauch
Die Vorteile, die sich vor allem bei Trockenheit einstellen, liegen auf der Hand. Der Ertrag auf dem Lößboden ist viel höher. Bei den besseren Böden kommt der Landwirt mit weniger Dünger aus. Doch auch der Aufwand für die mechanische Bodenbearbeitung sei geringer.
Dagegen gingen die landwirtschaftlichen Maschinen im Keupergebiet schwerer in den Acker, Verschleiß und der Spritverbrauch seien somit größer. Sonja Maier spricht von Minutenböden bei den Äckern Richtung Renfrizhausen.
Ein Drittel mehr Ertrag
Dort können die Grundstücke nur innerhalb einer bestimmten Zeitspanne und bei einem bestimmten Feuchtegehalt bearbeitet werden. Schmid berichtet außerdem von Fällen, bei denen es durch die Trockenheit zu Totalausfällen gekommen ist. Bitter für die betroffenen Landwirte.
Der Bergfelder Landwirt schätzt, dass er auf fruchtbarem Lößboden etwa ein Drittel mehr als auf seinen schlechteren Böden erntet. Missernten braucht er ebenfalls nicht zu befürchten. Das hilft ihm bei der Kalkulation: „Ich weiß, wie viel Ertrag ich hier pro Hektar habe“, verdeutlicht Sonja Maier.
Verlust kaum ersetzbar
Schmid baut auf seinen eigenen und gepachteten Flächen Raps, Weizen, Gerste, Triticale – eine Kreuzung aus Weizen und Roggen – und Mais an. Dass gerade auf der Mühlbachebene landwirtschaftliche Flächen, die als die besten Böden im Landkreis Rottweil gelten, für das regionale Gewerbegebiet bereitgestellt werden sollen, trifft ihn und seine Kollegen schwer.
Der Verlust ist auch kaum ersetzbar. Sonja Maier gibt zu bedenken: „Alles, was auf dem Acker angebaut wird, kommt dem Verbraucher zugute“ – entweder als Lebensmittel oder als Energie, wenn der Mais in der Biogasanlage landet. Sollten allerdings die Flächen „platt gemacht“ werden, hätten die Konsumenten nichts mehr davon.
Was noch als Umweltaspekt dazu kommt: Die Äckerböden seien auch ein CO₂-Speicher und hielten Hochwasser zurück.