Händler an der New Yorker Börse (Archivbild). Auch Privatanleger bangen derzeit wegen fallender Kurse: Sind ihre Aktienfonds noch sicher? Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Der Kursrutsch im beliebten MSCI World beunruhigt vor allem die Sparer. Ist die Anlage in ETFs doch nicht so sicher? Was sollte man jetzt tun?

Profitabel, aber sicher: Diese Meinung haben viele Anleger, wenn es um den überaus populären Aktienindex MSCI World geht. Er wird insbesondere für eine langfristige Anlage, gerne auch für eine Rücklage für die Rente gekauft. Seitdem der MSCI World zwischen Mitte Februar und Mitte März um rund acht Prozent abrutschte, ist die Unruhe groß. Was sollte man jetzt mit den Anteilen tun? Schnell verkaufen oder doch liebe die Anteile halten? Und wie sicher sind börsengehandelte Fonds (ETFs), die wie der MSCI World einen bestimmten Index abbilden, überhaupt?

 

Es kommt immer auf den Anlagehorizont an

Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale-Baden-Württemberg, beruhigt: Sorgen machen müsse man sich nicht. „In den letzten 50 Jahren gab es keine Anlagestrategie, die den MSCI World nachhaltig übertroffen hat.“ Nauhauser rät, ruhig zu bleiben und nichts zu tun, schließlich seien Turbulenzen am Aktienmarkt nichts Ungewöhnliches. „Entweder man hat die Gelassenheit, sie auszusitzen, oder man überdenkt sein Engagement am Aktienmarkt. Dies gilt jedenfalls, wenn Sie einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren haben.“

Das rät man auch beim Geldratgeber-Portal Finanztip. Natürlich solle man auch entsprechende ETF-Sparpläne weiterlaufen lassen, die es in Deutschland mittlerweile millionenfach gibt. Da man hier zum jeweils aktuellen Kurs kaufe, seien kurzfristige Kursverluste und Kursgewinne ohnehin unerheblich.

Tatsächlich ist die aktuelle Kurskorrektur des MSCI World langfristig betrachtet eher marginal. Der Index ist fast zwei Jahre lang gestiegen und liegt aktuell noch immer auf dem Niveau vom Herbst vergangenen Jahres – und rund zehn Prozent höher als noch vor einem Jahr. Im Fünf-Jahres-Vergleich hat der Kurs sich mehr als verdoppelt.

Dass der MSCI World im Augenblick überhaupt so anfällig ist, liegt an seiner Gewichtung. Trotz seines Namens entfallen gut 70 Prozent der Anteile auf Unternehmen aus den USA. Damit spielen Wirtschaft und Politik in den USA eine große Rolle – wie bei anderen ähnlichen ETFs mit einem hohen Anteil von US-Aktien auch. Zuletzt sorgte vor allem die erratische wie aggressive Zoll-Politik von US-Präsident Donald Trump für Verunsicherung an den Börsen. Die Technologiewerte von Giganten wie Amazon, Apple, Alphabet & Co. galten für viele Analysten schon seit langem als überbewertet. Auch die Angst vor einer steigenden Inflation, sinkenden Verbraucherstimmung oder gar vor einer Rezession setzten die US-Aktien unter Druck, wie auch gerade die US-Notenbank Fed warnt.

Wie kann man die Abhängigkeit von US-Aktien verringern?

Wer neu einen weltweiten Indexfonds kaufen will, könnte deshalb die Abhängigkeit von den US-Aktien verringern, wie Daniel Bauer, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) betont. „Im MSCI World sind Aktien von Unternehmen aus Europa oder Asien unterrepräsentiert.“ Hier könnte ein ETF mit einem weltweit ausgewogenerem Anteil eine Alternative sein, wie etwa der ETF MSCI All Country World, der auch Aktien von Schwellenländern wie China und Indien umfasst.

Dessen Kurs sei in ähnlichem Ausmaß eingebrochen, zudem habe er in den vergangenen Jahren schlechter abgeschnitten: „Dafür ist der MSCI All Country World weniger volatil als der MSCI World, deshalb ist er für den Großteil der Leute eine gute Anlage“, sagt Bauer.

Sollte man auch Anteile des MSCI World verkaufen?

Doch was machen langjährige Anleger eines MSCI World oder ähnlicher US-lastigen ETFs, die ihre Anteile in den nächsten Monaten oder Jahren veräußern wollten? „Wer schon 15, 20 Jahre angespart hat, kann durchaus einen Teil des Gewinnes realisieren“, sagt Berndt Fernow, Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Denn die Hausse auf dem US-Aktienmarkt sei vorüber und habe deshalb auch auf den MSCI World zumindest kurzfristig Folgen.

Thomas Kulp, Analyst der DZ Bank, erwartet, dass spätestens in der zweiten Jahreshälfte die Zuversicht auch an den US-Aktienmärkten zurückkehrt – und damit auch die Kurse von ETFs wie dem MSCI World wieder stützt. Dann rechne man mit einer zunehmenden Dynamik des US-Wirtschaftswachstums. „Zum anderen dürfte sich der Fokus der Bevölkerung und der Marktteilnehmer allmählich auf die Steuersenkungspläne der Regierung verlagern“, sagt Kulp.

Was immer bis Ende des Jahres auch passiert: Für eine Anlage in ETFs ist das eine eher kurzfristige Aussicht. Nach wie vor gilt, was Verbraucherschützer raten: Für die meisten Anleger sind ETFs dafür gedacht, langfristig Vermögen aufzubauen und am besten 10, 15 Jahre im Depot zu behalten.

Wie man in einen ETF investiert

Prinzip
ETF ist das Kürzel für Exchange Traded Fund, also für börsengehandelter Fonds. Ein ETF bildet einen bestimmten Aktienindex nach, zum Beispiel den deutschen Dax, den weltweiten MSCI World oder auch Aktien von Schwellenländern.

Vorteil
ETFs bilden die Indizes in der Regel automatisiert ab und verzichten meist auf kostspielige Fondsmanager. Deshalb sind sie kostengünstig. Zudem streuen sie – je nach Index – das eingesetzte Geld breit. Auswahl
Die Auswahl eines ETF ist oft nicht leicht – so werden etwa für den MSCI World sehr viele ETFs aufgelegt. Orientierung gibt beispielsweise die Stiftung Warentest mit ihrem Fondsfinder. Grundsätzlich unterscheidet man ETFs, die anfallende Dividenden auszahlen, von denen, die Gewinne wieder anlegen – was bei einer längeren Anlagedauer zu Zinseszins-Effekten führt. Depot
Auch Privatanleger könnten recht leicht in ETFs investieren. Gerade Direktbanken oder Neobroker bieten kostenlose Depots mit geringen Gebühren für die Order an. Deshalb sind auch Sparpläne mit einer monatlichen Anlage meist nicht teuer und eine Alternative zu gezielten Anlagen. Anleger müssen darauf achten, welche ETFs die Banken tatsächlich anbieten.