Das Kölner Ensemble „Die Mobilés“ verzaubert das Publikum im Kurtheater als „Moving Shadows“ mit seinem Programm „On Fire!“ – trotz bescheidener Ausstattung und nur sieben Artisten.
Ein „feuriger“ Auftritt war versprochen und das Schattentheater hielt sein Versprechen. Das Publikum im nahezu ausverkauften Kurtheater staunte nicht schlecht über das Spektakel auf der Bühne. Die Veranstalterin „Magnetic Music“ aus Reutlingen zeigte ein Kulturangebot, das den Rahmen des Üblichen sprengte – dazu brauchte es nicht mehr als sieben Artisten, eine große Leinwand, Licht und Musik.
Lotta Svalberg, Anja Wunderlich, Indra Sani, Kim Svalberg, Dietmar Weyrowitz, Dirk Tillack und Pascal Sani demonstrierten, was sich mit dem menschlichen Körper anstellen lässt. Die Truppe – allesamt ausgebildete Tänzer, Leistungsturner, Artisten und Sportgymnasten – arbeitet unter der Choreographie und Regie von Stefan Südkamp und Michaela Köhler-Schaer fortwährend an ihrem Markenzeichen: „World’s Best Shadowshow“.
In einem knapp zweistündigen Non-Stop-Programm mit blitzschnellen Szenenwechseln, Licht- und Tonkaskaden gingen die Protagonisten, so darf man annehmen, bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Da fügte sich jede noch so kleine Bewegung harmonisch in das Gesamtbild ein.
Ein „lustiger kleiner Mann“ begibt sich auf Zeitreise
Ein „lustiger kleiner Mann“, so das Konzept von „On Fire!“, begibt sich auf eine Zeitreise, die geprägt ist von Rückblenden und Erlebnissen, ohne dass auch nur ein Wort gesprochen wird. Alles fließt in Bewegungsabläufe, die in vielfältiger Weise die Form von Tieren, Gegenständen oder Gestalten annehmen.
Lockenkopf Dirk Tillack begibt sich als Schattenwesen in Abenteuer von der Urzeit, über die Entwicklungsepochen, bis in die Neuzeit, wo selbst Donald Trump einen wenig ruhmreichen Auftritt hat – da konnte das Publikum gar nicht anders, als spontan Beifall zu spenden.
Zeitgeschichtliche Fakten sind mit Musikeinspielungen oder eingeblendeten Originaldokumenten unterlegt – etwa die erste bemannte Mondlandung oder der Fall der Mauer mit „Wind Of Change“. Im Laufe des „poesievollen Bilderreigens“ gibt es neben andächtiger Bewunderung jedoch auch viel Anlass zum Schmunzeln: Helene Fischer huscht „Atemlos durch die Nacht“, Gitte beharrt auf einem „Cowboy als Mann“ oder Vicky Leandros will unbedingt nach Lodz.
Die Ausstattung mit Requisiten ist bescheiden. Wer den Vorzug genießt, mal hinter die Leinwand blicken zu dürfen, sieht systematisch angeordnete Teile, die für das Arrangement der Illusionen unabdingbar sind. So lässt sich in Windeseile etwa mit einer Hand und einer Perücke das Bild eines Baumes zaubern.
Auszeichnungen in Frankreich und Montreal
Im Pressegespräch skizzierte Köhler-Schaer, die selbst auch mal kleinere Rollen im Schattenspiel übernimmt, Entstehung und Erfolgsgeschichte der Mobilés. Die Truppe kam über das Bewegungstheater 2010 zum Schattentheater. Nach Auszeichnungen in Frankreich und Montreal sind die Mobilés als „Moving Shadows“ – sprich sich bewegenden Scharten“ – national wie international ein gefragtes Showensemble.
Auf rund 100 Auftritte solle die Gruppe in diesem Jahr kommen. Erste Planungen reichten bereits ins Jahr 2028 hinein. Das alles, so versichert Köhler-Schaer, lasse sich aber nur bewältigen mit „einem tollen, superloyalen Team“, wie den Mobilés. „Danke Freudenstadt“ bildeten die beweglichen Schattenkörper am Schluss ab und revanchierten sich damit für den herzlichen Empfang.