Der November ist der Monat der Männergesundheit, dafür sorgt die weltweit aktive Movember-Bewegung. Auch beim VfB Stuttgart – weil sich André Filipovic aka Dr. Balkan stark engagiert.
Als im Jahr 2003 eine Gruppe junger Männer in Adelaide/Australien den Movember aus der Taufe hob, dachte wohl niemand daran, dass daraus einmal eine weltweite Bewegung werden würde. Beim Movember, der Begriff setzt sich aus Moustache (Schnurrbart) und November zusammen, geht es darum, Aufmerksamkeit für Männergesundheit-Themen zu generieren. Dabei lassen sich jährlich im November Männer Schnurrbärte wachsen, um während des Monats Spenden zugunsten der Erforschung und Vorbeugung von Prostatakrebs, Hodenkrebs und anderen Gesundheitsproblemen von Männern zu sammeln.
Seit 2010 ist André Filipovic diesbezüglich engagiert. Der Athletiktrainer des VfB Stuttgart fing an, sich „wirklich inhaltlich mit diesem Thema auseinanderzusetzen“. In Deutschland, insbesondere in der Fußballbranche, war der Movember damals noch kein großes Thema. Der Sportwissenschaftler wollte mithelfen, dies zu ändern. Irgendwann verfingen die Bemühungen. Filipovic arbeitete damals bei Fortuna Köln. „2012 habe ich es geschafft, dass im Kölner Stadtderby gegen Viktoria alle Fortunen mit Schnörres aufgelaufen sind. Spieler, Betreuer, Trainer Uwe Koschinat. Alle. Das war der Durchbruch-Moment für mich. Seitdem setze ich mich intensiv dafür ein“, führt er aus.
André Flipovic kam vom SC Paderborn zum VfB Stuttgart
Seit 2024 ist Filipovic beim VfB Stuttgart. Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, der Filipovic aus Paderborn bereits kannte, setzte sich im Hintergrund für den in Mutlangen im Ostalbkreis geborenen Vater zweier Kinder ein. Seitdem wird auch beim VfB das Thema immer mehr ins Bewusstsein gerückt. Allein im letzten Jahr sammelte Filipovic rund 18 000 Euro an Spenden ein. Als Dr. Balkan engagiert er sich auch via Instagram, dokumentiert dort auch das Fundraising. „Mir geht es nicht um eine maximale Spendensumme, die über die Aktion eingesammelt wird. Aber um die maximale Aufmerksamkeit für das Thema“, sagt er.
Insbesondere das Einwirken auf die Sportler ist ihm wichtig. „Das ganze Leben eines Fußballers ist oft komplett auf den Fußball und die Performance ausgerichtet. Immer abliefern, immer der ‚tough Guy‘ sein. Die denken, sie sind unverwundbar“, führt er aus. „Keine Checks, keine Vorsorge, das Mentale ist kein Thema. Doch was passiert, wenn man mal nicht spielt? Vielleicht aussortiert wird? Wie kümmert man sich dann um die eigene mentale Gesundheit? Darauf will ich aufmerksam machen, ein Bewusstsein schaffen.“
Aktuell läuft wieder eine Spendenaktion, über 5000 Euro sind in knapp zwei Wochen zusammengekommen. Auch VfB-Stars engagieren sich. „Bisher habe ich es in allen Mannschaften, mit denen ich gearbeitet habe, immer geschafft, den einen oder anderen zu überzeugen“, erklärt er schmunzelnd, um sogleich ernst zu werden: „Umso mehr Spieler öffentlich über Themen wie Krebsvorsorge und mentale Gesundheit reden, umso mehr wird das Thema in der Öffentlichkeit verankert. Da müssen wir hinkommen.“
Alexander Nübel, Noah Darvich, Tiago Tomas und Ramon Hendriks unterstützen den 43-Jährigen und lassen sich mit mehr oder minder großem Erfolg aktuell einen Oberlippenbart stehen. Der Club unterstützt die Bemühungen ebenfalls über seine sozialen Kanäle – und Ende November, wenn der VfB sein Auswärtsspiel-Dreierpack in Dortmund, Deventer und Hamburg absolviert hat, wird abgerechnet. Und womöglich auch gleich wieder abrasiert.