Zur Diskussion um die Mountainbike-Strecken in Rottweil hat unser Leser Mark Bläsius aus Rottweil die folgende Meinung:
Liebe Frau Niedermann-Wolf, die Sorge um den Wald und den verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln sind berechtigt – und genau diese Punkte spielen auch bei der Planung legaler Mountainbike-Strecken eine wichtige Rolle.
Weil der Wald ein wertvoller Naturraum ist, braucht es kontrollierte, klar ausgewiesene und professionell angelegte Wege. Eine legale Strecke bündelt die Nutzung und reduziert damit Wildwuchs, illegale Trails und Querfeldeinfahren, die größere Schäden an Wegen, Böschungen und Vegetation anrichten können. Obwohl viele Extremsportarten lange stark männlich geprägt dargestellt wurden hat sich die Realität speziell im Mountainbiking deutlich verändert, Mountainbiken ist längst ein breitensportliches Angebot. Deswegen greift der Eindruck eines „Männerspielplatzes“ auch zu kurz. Heute nutzen Kinder, Jugendliche, Familien und immer mehr Frauen solche Trails.
Für Bewegung begeistert
Gerade sichere, legale Strecken erleichtern Mädchen und Frauen den Einstieg, weil sie dort nicht mit unübersichtlichem Gelände oder konfliktreichen Begegnungen konfrontiert werden. In einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche oft für Bewegung begeistert werden müssen, ist ein legales und sicheres Angebot ein echter Mehrwert.
Die Investitionen erscheinen auf den ersten Blick hoch, doch sie stehen im Verhältnis zu einem langfristigen Nutzen für die Stadt – sowohl touristisch als auch für die lokale Wirtschaft. Und viele Kommunen, die ungeregelten Zustände analysiert haben, kommen zu demselben Ergebnis: Eine professionelle Anlage spart über die Jahre mehr Geld ein, als sie kostet. Sie verhindert Erosionsschäden, Flurschäden und ständige Ausbesserungsarbeiten an Wegen, die durch unerlaubte Nutzung entstehen. Ein geregeltes Angebot schützt den Wald (und den Geldbeutel) also besser als ein Verbot, das in der Praxis kaum durchsetzbar ist. Gleichzeitig ist ihr Hinweis auf zusätzliche Sponsoren richtig und sinnvoll. Wir sind hierzu bereits im Austausch mit lokalen Anbietern und weiteren Förderern.
Es geht also nicht darum, den Wald umzubauen, sondern darum, Nutzung und Naturschutz in Einklang zu bringen. Ein legales Trailangebot nimmt die Bedürfnisse aller ernst – auch die der Natur. Verbote allein lösen die Konflikte nicht; gut geplante Angebote können sie entschärfen.
Mark Bläsius, RottweilSchreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.