Olympiasiegerin Jolanda Neff zählt bei den Damen zu den Favoritinnen. Foto: Küstenbrück

Am kommenden Wochenende geht der UCI Mountain Bike Weltcup in seine neunte Auflage im Albstädter Bullentäle. Jedes der Rennen hat seinen eigenen Favoritenkreis.

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Der UCI Mountain Bike Weltcup geht dabei in seine zweite Runde, bereits vor rund einem Monat fanden die ersten Wettkämpfe im brasilianischen Petropolis statt. Die Kräfteverhältnisse sind somit nicht gänzlich unbekannt, dennoch könnte es zu Überraschungen kommen.

Short-Track-Rennen machen den Anfang

Die Short Track-Disziplin wird auch in diesem Jahr das Weltcupwochenende in Albstadt am Freitagabend einläuten. Dabei werden vor allem im Herrenfeld einige Protagonisten aus den vergangenen Jahren in Albstadt dieses Mal nicht mit von der Partie sein: Mathieu van der Poel, Sieger aller drei bisherigen Short-Track-Rennen in Albstadt wird nicht am Start stehen.

Favorit Tom Pidcock

Kandidaten für die Nachfolge van der Poels sind Alan Hatherly aus Südafrika, der Sieger des ersten Short Track-Weltcuprennens, Superstar Nino Schurter aus der Schweiz oder der letztjährige Albstadt-Sieger in der Cross-Country-Disziplin Victor Koretzky. Außerdem scheint es aktuell so, als würde in Albstadt auch Tom Pidcock, der amtierende Olympiasieger, am Start stehen. Sollte der Brite im Short Track starten, gilt er ohne Zweifel aufgrund seiner Stärke im Sprint als Favorit auf den Sieg.

Zwei alte Bekannte

Im Feld der Damen konnten in der Vergangenheit in Albstadt die Dänin Annika Langvad, die Amerikanerin Kate Courtney und zuletzt die Französin Pauline Ferrand-Prévot zum Sieg im Short Track fahren. Während Langvad inzwischen nicht mehr aktiv im Weltcupzirkus dabei ist, dürfte Courtney und insbesondere Ferrand-Prévot auch in diesem Jahr zum engeren Favoritenkreis im Short Track zählen.

Auch in den Cross-Country-Rennen sind die Rollen nicht eindeutig verteilt. In der weiblichen Eliteklasse sicherte sich die Australierin Rebecca McConnell in Petropolis den ersten Weltcuperfolg ihrer Karriere, unmittelbar dahinter folgte die Niederländerin Anne Terpstra.

Neff und Richards sind zurück

Dabei profitierten sie allerdings auch davon, dass Olympiasiegerin Jolanda Neff (Schweiz) und Weltmeisterin Evie Richards (Großbritannien) krankheitsbedingt passen mussten. Beide präsentierten sich in der Saisonvorbereitung in bestechender Verfassung und dürften somit im Albstädter Bullentäle eine entscheidende Rolle spielen.

Darüber hinaus steht ein französischer Doppelpack und ein österreichisches Supertalent bestehend aus der Albstadt-Vorjahressiegerin Loana Lecomte, der Ex-Weltmeisterin Pauline Ferrand-Prévot und der U23-Weltmeisterin Mona Mitterwallner auf der Favoritinnenliste ganz oben.

Vier deutsche Hoffnungen

Die deutschen Hoffnungen auf ein Top-Resultat im Damenfeld liegen in diesem Jahr erstmalig seit vielen Jahren auf mehrere Schultern verteilt: Neben Lokalmatadorin Ronja Eibl zeigten sich in jüngster Vergangenheit auch Nina Benz, Leonie Daubermann und Nadine Rieder in guter Verfassung. Für alle vier dürfte der Sprung in die Top-5 zu ambitioniert sein, doch mit einer Top-10-Platzierung könnten sie alle liebäugeln.

Alleiniger Rekord für Nino Schurter? 

Im Feld der Herren-Elite wird vor allem ein Name im Vordergrund stehen, denn der neunfache Weltmeister Nino Schurter hat in Petropolis mit seinem 33. Weltcupsieg den Rekord des Franzosen Julien Absalon eingestellt. Folgt nun die Nummer 34 für Schurter und somit der alleinige Rekord in puncto Weltcup-Erfolge?

Ein Selbstläufer wird dies für den Schweizer allerdings nicht. Bereits in Petropolis sicherte er sich erst auf den letzten Metern im Duell mit dem Franzosen Maxime Marotte den Sieg. Und auch in Albstadt wird er auf harte Konkurrenz treffen, zumal sich auf der steilen Strecke im Bullentäle häufig schwertat.

Auch Flückinger und Koretzky am Start

Zu den jungen Talenten mit Chancen auf einen Erfolg gehören unter anderem Fahrer wie der Rumäne Vlad Dascalu, der Südafrikaner Alan Hatherly oder der Franzose Titouan Carod. In die Riege der jungen Talente lässt sich auch noch Olympiasieger Pidcock einreihen: Startet der Brite in Albstadt, dann steht er automatisch in der Favoritenliste ganz weit oben. Außerdem dürfte sich Mathias Flückiger, Albstadt-Sieger aus dem Jahr 2019 und Gesamtweltcupgewinner des vergangenen Jahres, Hoffnungen auf einen Sieg machen. Auch der Franzose Victor Koretzky ist nicht zu unterschätzen, allerdings bestreitet dieser in Albstadt sein erstes Mountainbike-Rennen der Saison 2022.

Aus deutscher Sicht liegt der Fokus auf Luca Schwarzbauer, Georg Egger und Lukas Baum. Max Brandl, Fünftplatzierter der WM im vergangenen Jahr, wird indes aufgrund einer Ellenbogenverletzung aller Voraussicht nach nicht in Albstadt an der Startlinie stehen können.

Vidaurre eine Klasse für sich

In der U23-Kategorie werden in Albstadt die beiden Sieger von Petropolis besonders im Fokus stehen. Der Chilene Martin Vidaurre schwimmt spätestens seit seinem Erfolg bei den jüngsten U23-Weltmeisterschaften auf einer Erfolgswelle und ist seitdem eine Klasse für sich. Weitere Anwärter auf das Podium kommen aus der Schweiz mit Janis Baumann, den USA mit Riley Amos, und Italien mit Simone Avondetto.

Im Feld der U23-Damen ist ebenfalls die Siegerin des Auftaktrennens in Petropolis, Line Burquier, favorisiert. Die Weltmeisterin der Juniorenklasse aus dem Jahr 2021 fuhr bei ihrem ersten Einsatz im U23-Weltcup direkt zum Sieg und gilt dementsprechend – ähnlich wie Loana Lecomte und Mona Mitterwallner – als eines der größten Talente im Nachwuchsbereich. Ebenfalls im erweiterten Favoritenkreis: Die deutsche U23-Meisterin Luisa Daubermann, die in der laufenden Saison erstmalig ins Weltcupgeschehen eingreift.

Völlig offene Junior World Series

Während in der U23-Kategorie die Kräfteverhältnisse nach dem ersten Weltcuprennen bereits vordefiniert sind, scheint der Rennausgang bei den beiden Rennen der weiblichen und männlichen Juniorenklasse im Rahmen der Junior World Series völlig offen. Aus deutscher Sicht dürfen sich vor allem die Fahrer der männlichen Juniorenklasse Hoffnungen auf einen Podestplatz machen: Emil Herzog und Paul Schehl landeten beim Junior-World-Series-Rennen in Heubach vor etwas mehr als einer Woche auf den Rängen 2 und 3 und könnten auch in Albstadt wieder auf das Siegerträppchen klettern. Bei den Damen steht vor allem Antonia Weeger im Fokus, sie landete in Heubach an vierter Position.