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Mountainbike Sabine Spitz: Ihr letztes Rennen

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Ein Rennen noch, dann steigt Sabine Spitz nach einer beeindruckenden Karriere vom Rad. Die Fotos zeigen sie (von oben) mit Ehemann Ralf Schäuble sowie nach ihren Olympia-Erfolgen in London (2012/Silber), Peking (2008/Gold) und Athen (2004/Bronze). Foto: fotolutz/Inderwildi, Getty/Lennon/Gilham/Botterill/Lohnes.

Sabine Spitz steigt ab: Mit 47 Jahren bestreitet die Olympiasiegerin ihr letztes Rennen. Der Mountainbikesport verliert nicht nur eine außergewöhnliche Athletin, sondern eine Frau mit Haltung.

Wer auf eine Karriere zurückblicken will, kann sich zum Beispiel die Bilanz anschauen: die Zahl der Rennen, Siege, Titel, Medaillen, die Summe der Trainingsstunden, die zurückgelegten Kilometer. Im Fall der Mountainbikerin Sabine Spitz wäre das eine gewaltige Rechnung und würde ihr doch nicht gerecht werden. Nicht nur, weil sie mit Statistiken nichts anfangen kann, sondern vor allem, weil ihr Sport für sie immer mehr war als die Aneinanderreihung von Zahlen oder Erfolgen: Leidenschaft. Spaß, Hingabe. Kurz: ihr Leben. Das sich nun gravierend verändern wird.

Sabine Spitz ist 47, seit einem Vierteljahrhundert sitzt sie auf dem Mountainbike. Nun steigt sie ab, endgültig – zumindest, was den Rennsport betrifft. Einmal noch steht sie am Start, an diesem Sonntag um 9 Uhr, bei der Marathon-WM in Grächen (Schweiz). Vier Stunden später wird eine einmalige Karriere zu Ende gehen. "Nicht mit Tränen, so emotional bin ich nicht", sagt Sabine Spitz, die gelernte Chemielaborantin aus Südbaden, "allerdings schon mit Wehmut. Einerseits, weil Mountainbiken meine Passion ist, und andererseits, weil ich in meiner Karriere ziemlich viel richtig gemacht habe".

"Training war nicht nur mein Beruf, sondern mein Lebensinhalt"

Das lässt sich belegen. Zum Beispiel mit dem kompletten Medaillensatz, den sie bei Olympischen Spielen gewonnen hat: Bronze 2004 in Athen, Gold 2008 in Peking, Silber 2012 in London. Mit den beiden Regenbogen-Trikots, die sie bei den Weltmeisterschaften 2003 (Cross Country) und 2009 (Marathon) holte. Mit der Serie, in jedem Jahr zumindest ein wichtiges Rennen gewonnen zu haben. Oder aber mit ihrem sozialen Engagement, vor allem für benachteiligte Jugendliche. Und natürlich mit ihrer klaren Haltung gegen Doping.

Auch der Mountainbikesport hat, wie viele Ausdauerdisziplinen, ein Problem. Weil Athleten betrügen – und die Verbände darauf oft nicht so unmissverständlich reagiert haben, wie es sich Sabine Spitz gewünscht hätte. "Ich war immer eine Verfechterin des fairen, sauberen Sports", sagt sie, "für mich ist deshalb klar, dass wir für eindeutige Dopingfälle noch härtere Strafen brauchen."

Es ist eine Aussage, die eines unterstreicht: Am Sonntag werden im Wallis zwar neue Marathon-Weltmeister gekürt, doch gleichzeitig verliert der Mountainbikesport eine Fahrerin, die ihre Disziplin geprägt hat. Mit Leistung, aber auch mit Worten, ihrer Einstellung und ihrem Wissen. "Sie hat über Jahrzehnte Weltklasseniveau gezeigt", sagt die Schweizerin Jolanda Neff, die Nummer eins der Weltrangliste, "dabei ist sie nicht nur Mountainbike-Expertin, sondern ein wandelndes Lexikon. Sie hat sich intensiv damit beschäftigt, Gesundheit und Lebensstil zu optimieren." Anders wäre eine solche Karriere auch nicht möglich gewesen.

Wer 25 Jahre Hochleistungssport betreiben will, muss besondere Qualitäten haben – physisch wie psychisch. Der Motor hat zu laufen, doch ohne Stottern geht es nie. Auch Sabine Spitz hat Rückschläge erlitten, sie musste lernen, mit ihnen umzugehen. Sie ist immer wieder zurückgekommen. Nach Misserfolgen, nach Verletzungen und Operationen. "Training war nicht nur mein Beruf, sondern mein Lebensinhalt", sagt die Athletin, die Spötter "Oma Spitz" nennen, "meine Motivation war nie der nächste Sieg oder die nächste Medaille. Mich hat die Leidenschaft für den Sport angetrieben, und diese habe ich nie verloren."

Eigentlich, so war der Plan, sollten die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro noch einmal ein Höhepunkt werden. Und gleichzeitig das Ende. Doch dann kam alles anders. Ein harmloser Sturz in der Vorbereitung, eine Wunde, die sich entzündet hat, eine Operation kurz vor Rio, zwei weitere danach. Und zwischendurch ein Rennen unter Schmerzen – so wollte Spitz nicht aufhören: "Es fühlte sich an, als sei die letzte Seite in meinem Karrierebuch noch nicht geschrieben."

Also machte sie weiter. Mit derselben Passion, nur mit etwas weniger Risikobereitschaft. Der Cross-Country-Sport hat sich enorm entwickelt. Die Rennen wurden immer schneller, intensiver, technisch anspruchsvoller, gefährlicher. "Die Anforderungen sind heute viel größer als früher", sagt Sabine Spitz, "es wurde für mich immer schwieriger, mich gegen die jungen Draufgängerinnen zu behaupten."

Zuletzt konzentrierte sie sich deshalb auf Marathonwettbewerbe, ein Start im Cross-Country-Rennen 2020 in Tokio war kein Thema – auch wenn es ihre sechste Olympiateilnahme gewesen wäre: "Dort eine Medaille zu holen, ist für mich nicht mehr möglich. Warum also sollte Japan für mich ein Ziel sein?"

Es ist eine Frage, die nur eine Athletin stellen kann, die in ihrer Karriere alles erreicht hat und die mit sich im Reinen ist. Sabine Spitz macht diesen Eindruck. Dazu passt, dass sie längst darüber nachgedacht hat, wie es weitergeht. Sie will ihrem Sport erhalten bleiben. Als Botschafterin. Als TV-Kommentatorin im Weltcup (erste Einsätze am Mikro hatte sie bereits). Als Trainerin auf privater Basis, nicht nur für die richtige Technik auf dem Rad. Eventuell sogar als Chefin eines Teams. Im Tourismus. "Ich sehe viele Möglichkeiten", sagt sie, "die Themen Natur, Bewegung und Gesundheit werden für mich auch künftig immer Priorität haben."

Noch allerdings steht ein letztes Rennen aus. Sabine Spitz will noch einmal alles aus ihrem Körper herausholen. Von einem Platz auf dem Podium träumt sie nicht. "Die Konkurrenz ist zu groß", sagt sie, "und auf der Strecke schenkt einem niemand was." Nicht mal zum Abschied.

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