Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Mountainbike "Es muss noch mal ein Schub erzeugt werden"

Von
Oberbürgermeister Klaus Konzelmann mit Stephan Salscheider (linkes Bild), beim Empfang der Stadt Abstadt (oben) und bei der Siegerehrung des Bike Marathon 2019. Foto: Küstenbrück

Den Abschluss der Serie 20 Köpfe für 2020 bildet Oberbürgermeister Klaus Konzelmann. Das Stadtoberhaupt musste die Absage der UCI Mountainbike Weltmeisterschaften in Albstadt hinnehmen, auf die man auf der Schwäbischen Alb und in der deutschen MTB-Gemeinde lange hingefiebert hatte.

Warum die Absage nicht zu vermeiden war, er aber weiter auf die Karte Mountainbike, respektive Weltcup setzt, erklärt der gebürtige Albstädter im Gespräch mit unserer Zeitung und bekennt, dass er den Traum von einer WM in Albstadt noch nicht ganz begraben hat.

Herr Konzelmann, wir telefonieren während einer schwierigen Zeit. Wie erleben Sie die Corona-Pandemie als Bürgermeister?

Nun, prinzipiell hatte ich mehr Zeit, im Rathaus zu sein, als sonst, weil fast alle Veranstaltungen, die ich besucht hätte, ausgefallen sind. Aber es war in den vergangenen Monaten natürlich schwierig, weil wir immer wieder auf kurzfristige Vorgaben von Berlin oder von Stuttgart zeitnah reagieren mussten. Es dauert sicher noch lange, bis wieder Normalität einsetzt, aber bis jetzt haben wir es ganz gut meistern können.

Und dann waren da noch die geplanten Mountainbike-Weltmeisterschaften in Albstadt, auf die man seit Jahren hingefiebert hat.

Das mit der WM, das war schon schwierig. Ich sage es Ihnen, wie es ist: Da hängt viel Herzblut dran, und es hat mich fast zerrissen. Als ich mit Staatsministerin Theresa Schopper telefoniert habe und zur Auskunft bekam, dass wir im Herbst keine Großveranstaltung durchbekommen würden, konnten wir nicht mehr anders als abzusagen. Eine WM in Albstadt ohne Zuschauer ist nicht denkbar. Leogang (das für Albstadt im Oktober eingesprungen ist), kann das vielleicht machen, aber für uns wäre das ein Unding.

Aus finanziellen Gründen?

Auch, ja. Der Vorschlag der UCI (Radsport-Weltverband) war, im Oktober einen Ersatz-Termin anzustreben. Doch dann kam die Aussage von Frau Schopper, die sogar davon sprach, dass es möglicherweise nicht mal Weihnachtsmärkte geben würde. Erst kürzlich hat das Sozialminister Manfred Lucha in einem Interview noch einmal bestätigt, als er sagte, dass Großveranstaltungen bis Ende 2020 wahrscheinlich nicht stattfinden können. Wir können im Bullentäle auch keine Abstandsregeln einhalten, das ist unmöglich. Die Atmosphäre dort ist es ja gerade, was unser Event ausmacht. Auch BDR-Präsident Rudolf Scharping hat Verständnis geäußert. Wir hätten Investitionen von knapp 750 000 Euro tätigen müssen, wenn wir einen Ersatz-Termin gewählt hätten, da wäre es noch mal ans Eingemachte gegangen.

Die Absage der WM ist eines. Davon nicht ganz unberührt sind aber auch die Weltcup-Bewerbungen für 2021 und 2022.

Wir haben der UCI bei den Verhandlungen über den Vertragsausstieg signalisiert, dass wir nächstes und übernächstes Jahr den Weltcup durchführen wollen. Wir haben uns da seit 2013 was aufgebaut, was wir nicht aufgeben wollen. Dazu kommt: Weltcup ist auch ein Wirtschaftsfaktor und Vereinsförderung. Die Vereine, die beim Weltcup immer dabei waren, nicht nur die RSG Zollernalb, sondern auch die Stadtkapelle Tailfingen, der Turnverein Truchtelfingen, die Narrenzunft Schlossbergturm und so weiter, für die ist der Weltcup eine maßgebliche Förderung. Die Stadtkapelle kauft von dem Geld Instrumente für seinen Nachwuchs, der Turnverein zahlt seine Ausbilder und so weiter. Auch deshalb brauchen wir den Weltcup weiter. Von der Gastronomie mal abgesehen. Die sagen: Wenn der jeweilige Termin raus ist – zack, ist der Laden voll. Das gilt nicht nur für Albstadt, sondern geht bis Reutlingen.

Der Weltcup ist also zum Standort-Faktor geworden?

Auch für unser touristisches Konzept, das wir in Albstadt seit zehn Jahren aufbauen. Mit Wandern, Outdoor und vor allem Mountainbiken. Wenn wir den Zuschlag bekommen, und der Gemeinderat stimmt zu, wovon ich ausgehe, dann muss das touristisch und marketingmäßig noch besser vernetzt werden. Dieses Anliegen ist auch beim Gemeinderat durchgedrungen. Der Begriff Bikezone Albstadt soll für den Zuschauer einen Wiedererkennungswert bekommen. Albstadt als Bike-Destination, das muss noch stärker sichtbar werden. Wir haben viel investiert und müssen mit Weitsicht die Früchte ernten.

Sie denken da an die Verbindung von Spitzen- und Publikumssport mit dem Bike-Tourismus?

Sollten wir den Zuschlag für die beiden Weltcups bekommen, dann müssen wir das mehr miteinander verbinden. Vor fast fünf Jahren haben wir begonnen mit dem Stadtmarketing-Konzept unter dem Titel "Leben. Weit über normal", in das der Tourismus auch mit eingebunden sein muss. Die Bikezone, die Traufgänge, der Weltcup, das muss miteinander verknüpft werden. Daraus muss entsprechende Wertschöpfung hervorgehen. Albstadt, Wandern, Traufgänge, Bikezone, Weltcup, das hängt alles zusammen.

Die deutschen Mountainbiker hoffen natürlich darauf, dass der Weltcup in Albstadt seine Fortsetzung findet. Aber kommen wir mal zu Ihnen persönlich, Herr Konzelmann. Wie sieht denn Ihre eigene Sportler-Biographie aus?

Sie werden lachen, vor eineinhalb Wochen habe ich in meinem Arbeitszimmer was gesucht und bin auf eine Mappe mit Sporturkunden aus meiner Kindheit gestoßen (lacht).

Interessant. Und was haben Sie darin gefunden?

Tatsächlich habe ich entdeckt, dass ich am 14. Mai 1972, im zarten Alter von fast zehn Jahren bei einem Straßenrennen in Ebingen den 14. Platz gemacht habe (lacht). Ich wusste, dass wir mal ein Rennen hatten. Ich habe einen älteren Bruder und eine ältere Schwester (und eine jüngere Schwester). Wir haben tatsächlich bei einem Radrennen mitgemacht. Ob da meine Affinität zu Mountainbike im Bullentäle ihre Ursprünge hat, kann ich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen (lacht).

Und über dieses eine Radsport-Erlebnis hinaus?

Ich wollte immer Fußball spielen, aber das wollte mein Vater nie. Er wollte nicht, dass ich irgendwann mal mit meiner Familie jeden Sonntag auf dem Fußballplatz verbringe. Mein Bruder und ich waren in der Leichtathletik, aber außer den Gaukinderfesten haben wir keine Wettkämpfe bestritten. Ich bin allgemein kein guter Sportler. Das einzige, was ich gut kann, ist Ski fahren.

Und was Radfahren angeht?

Seit zwei Jahren habe ich ein E-Mountainbike, und mit dem fahre ich relativ viel. Das macht sowas von Spaß. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal wieder so viel Rad fahre. Meine Lebensgefährtin hat schon ein Jahr vorher eines gehabt, und ich bin mit dem Trekkingrad mitgefahren. Aber da bin ich nicht mitgekommen. Dann habe ich das mal mit Stephan Salscheider besprochen, und ich habe mir dann eines gekauft. Über Pfingsten waren wir auch zweimal unterwegs.

Und Ski alpin, betreiben Sie das noch?

Ja. Seit es bei uns auf der Alb nicht mehr geht, jedes Jahr mal in den Alpen.

In Albstadt ist der Bike-Marathon ja schon Kult. Waren Sie da auch schon dabei?

Ich bin noch nie mitgefahren, so fit bin ich nicht. Als Oberbürgermeister hat man mir angeboten, im Führungsfahrzeug mitzufahren, aber ich bin schon vorher immer an der Strecke gestanden und habe das auch beibehalten. Die erste Station ist oben auf dem Degerfeld, dann an die Schanze in Onstmettingen und früher an den Hasenwinkel in Truchtelfingen, da geht es steil den Berg runter und dann gleich wieder hoch, ein ganz markanter Punkt. Dort musste ich meinem Schwager immer was zum Trinken bringen – Rotwein-Schorle mit einem Ei reingemixt, das haben die alten Tour de France-Fahrer auch gemacht. Er sagte immer, er braucht das vor dem letzten Anstieg. Aber jetzt fahren sie da nicht mehr, die Strecke ist ein bisschen entschärft worden. Im Ziel auf dem Kiesinger-Platz war ich schon immer. Ist auch ein tolles Event.

Und beim Weltcup?

Klar. Das fasziniert mich. Die Vielzahl an Zuschauern, die Begeisterung. Wie die Sportler da noch mal gepusht werden, obwohl das ja knallharte Profis sind. Wenn da Tausende anfeuern, gerade an den Stellen, in denen man überholen kann. Mir macht das unheimlich viel Spaß.

Haben Sie denn heimliche Lieblingsfahrerinnen oder Lieblingsfahrer?

Natürlich begeistert mich Ronja Eibl. Da war ich vergangenes Jahr auch ganz heiß, wie sie gefahren ist (Zweite im U23-Rennen). Das tut natürlich auch weh, dass sie die WM nicht fahren kann. Zumal sie ja aus der Nähe kommt und für die RSG fährt. Meine Lebensgefährtin ist eine Schweizerin, und die fiebert natürlich mit denen mit. Als vor ein paar Jahren Alphorn-Bläser da waren, das hat ihr gefallen. Und dass mit Jolanda Neff eine Schweizerin gewonnen hat, natürlich auch.

Stichwort Alphorn-Bläser. Zum Weltcup gehört auch die Atmosphäre drumherum.

Wenn ich zum Beispiel die Verantwortlichen vom TV Truchtelfingen sehe, die oben am Bol den Campingplatz betreiben. Die Führungsriege vom Turnverein fährt regelmäßig in die Schweiz. Da sind Freundschaften entstanden, das ist auch schön. Was mir in diesem Zusammenhang einfällt: Die Vorsitzende des TVT, Kerstin Conzelmann, hat mir erzählt, dass viele, die für die WM gebucht haben und Teil-Vorauszahlungen geleistet haben, auf eine Rückzahlung verzichtet haben. Das ist eine tolle Geste.

Blicken wir noch einmal in die Zukunft. Wann wird denn klar sein, ob es in Albstadt die achte Weltcup-Auflage geben wird?

Vermutlich in diesem Monat. Der Gemeinderat muss das dann noch bestätigen, aber nach den Aussagen der letzten Sitzung steht er auch dahinter.

Denken Sie auch schon über das Jahr 2022 hinaus?

Die WM 2026 wäre ein Wunschtraum. Das wäre der früheste Zeitpunkt, für den wir uns wieder bewerben könnten. Aber sechs Jahre sind schnell vorbei, und bewerben muss man sich ja viel früher. Das Gelände ist da, es fahren das ganze Jahr Leute drauf. Wir arbeiten kontinuierlich daran, unser Mountainbike-Angebot in der Bikezone zu verbessern. Meine Tochter und mein Schwiegersohn waren über Pfingsten da, die haben den Wadenbeißer-Trail gemacht und erzählt, dass unheimlich viele Leute auf diesen Trails unterwegs waren. Das ist toll. Wie gesagt: Da muss die Verknüpfung hergestellt werden – auch im Interesse der Wirtschaft, der Gastronomie, die ja jetzt auch schwer gebeutelt ist. Tagesgäste und Mehrtagesgäste. Es muss noch mal ein Schub erzeugt werden für Albstadt als Outdoor-Destination, als die Outdoor-Destination auf der Schwäbischen Alb.  

Die Fragen stellte Erhard Goller.

Artikel bewerten
7
loading
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.