Luca Schwarzbauer aus Nürtingen und der Schwarzwälder Julian Schelb starten in Paris für das deutsche Team im olympischen Mountainbike-Rennen. Kann der eine den anderen unterstützen?
Dass auch vermeintliche Einzelsportarten eine Mannschaftsleistung erfordern, ist im Sport mittlerweile kein Geheimnis mehr. Nehmen wir den Radsport. Da feiern, zum Beispiel, bei der Tour de France jene Teams die größten Erfolge, die in den entscheidenden Momenten bestmöglich zusammenarbeiten. Ein Radrennen findet bei den Olympischen Spielen von Paris auch an diesem Montagnachmittag (14.10 Uhr) statt.
Zwei deutsche Fahrer stehen am Start – ob sie Teamwork abliefern werden, ist aber alles andere als sicher. „Ich hoffe, wir sehen uns im Rennen“, sagt Julian Schelb – und denkt an den zweiten deutschen Mountainbiker: Luca Schwarzbauer.
Nun ist es nicht so, dass die beiden versuchen werden, sich bewusst aus dem Weg zu gehen. Im Gegenteil: Sie sind zwar nicht beste Freunde, fahren aber seit vielen Jahren gemeinsam an der deutschen Spitze und im Weltcup. Um ihren gemeinsamen Weg bis zu den Spielen nach Paris zu dokumentieren, postete Schwarzbauer kürzlich ein Foto in den sozialen Medien, die das Duo im Jugendalter zeigt. „Wir sind nicht sehr eng, aber wir hatten immer ein gutes Verhältnis und sind gute Kumpels“, sagt der 27-Jährige. Für das Rennen am Montag bedeutet das aber erst einmal wenig. So oder so.
Denn in den vergangenen zwei Jahren war Luca Schwarzbauer im Weltcup meist der Bessere der beiden, ist womöglich also auch im olympischen Cross-Country-Rennen vorneweg. Und: Im Mountainbikesport ist die Möglichkeit des Teamworks ohnehin deutlich überschaubarer als etwa auf der Straße. Luca Schwarzbauer sagt dennoch: „Im Rennen ist es immer gut, jemanden um sich zu haben, der einen nicht gleich von der Karre holt.“
Der Leistungssprung steht noch aus
Das kann besonders in einem Rennen um Medaillen ja auch bitter sein. Und eben jene Medaillen hat Luca Schwarzbauer zumindest im Augenwinkel. Im vergangenen Jahr gewann der Nürtinger, der seit einigen Monaten in Weilheim/Teck lebt, den Gesamtweltcup im Shorttrack – und pirschte sich immer mehr heran an die Topfahrer in der olympischen Cross-Country-Disziplin. In diesem Jahr wollte er sich weiter steigern. Eigentlich.
„Ich hatte die Hoffnung, dass ich noch einmal einen Schritt nach vorne machen kann“, sagt Luca Schwarzbauer, „dann wäre eine Medaille als Ziel realistisch gewesen.“ In der ersten Jahreshälfte, gibt er zu, sei dieser erhoffte Schritt aber noch ausgeblieben. Mittlerweile hat er sich im Weltcup aber wieder stabilisiert – und: Was noch nicht ist, kann ja noch werden. Womöglich kommt der entscheidende Leistungsfortschritt. Und Schwarzbauer kann die Favoriten vielleicht doch ärgern.
In so einem Rennen kann ja viel passieren. Doch die meisten Experten und Konkurrenten rechnen damit, dass den Sieg Nino Schurter und Thomas Pidcock untereinander ausmachen. Und damit die Olympiasieger von 2016 und 2021.
Für den Schweizer Schurter, der bereits 38 Jahre alt ist, sind es wohl die letzten Spiele, er trug bei der Eröffnungsfeier die Fahne der Eidgenossen – und er hat neben Gold auch schon Silber und Bronze gewonnen. Pidcock wird am Tag nach dem Rennen 25 Jahre alt – und gilt als Phänomen auf zwei Rädern.
Thomas Pidcock ist der Favorit
Denn meist ist er im Straßenradsport unterwegs, fuhr auch in diesem Jahr die Tour de France. Sobald er auf das Mountainbike wechselt, ist er auch in dieser Disziplin absolute Weltspitze, oft sogar der Dominator. „Er ist der Favorit“, sagt denn auch Nino Schurter, in Tokio beim Olympiasieg des Briten Vierter. Doch in der Szene der Mountainbikefahrer wäre wohl kaum einer böse, wenn am Ende ein Spezialist Gold in Paris holt – und nicht der Gelegenheitsgast.
Das deutsche Duo hofft zumindest auf eine Außenseiterchance, hat bereits im März den neu errichteten Kurs südwestlich von Paris schon getestet und sich danach „viel ausgetauscht“, wie Luca Schwarzbauer erklärt. Danach trennten sich die Wege aber auch bald wieder.
Schwarzbauer wurde Deutscher Meister und bereitete sich zu Hause am Fuße der Schwäbischen Alb auf den Saisonhöhepunkt vor. Der Schwarzwälder Schelb (31) holte bei der EM Bronze und setzte dann auf den Effekt des Höhentrainings. „Das funktioniert bei mir eigentlich immer sehr gut“, sagt er. Seit Mitte der vergangenen Woche sind die beiden nun in Paris wieder vereint.
Was das für das Teamwork im Rennen bedeutet? Schwer zu sagen. Sie werden wohl zumindest versuchen, sich zu helfen – sofern sie sich denn sehen.