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Motorsport Zoran Radulovic: Der Held, der keiner sein will

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Benzingespräche: Zoran Radulovic (links) und SWR-Moderator Jörg Assenheimer Foto: Zabota

Gleich zwei Beiträge in Fernsehen und Radio widmete der SWR in der vergangenen Woche dem Simmersfelder Rennerfahrer Zoran Radulovic. Der nimmt den ­Hype gelassen – und schwärmt viel lieber vom Nürburgring, seinem zweiten Zuhause.

Zoran "Schorle" Radulovic sitzt auf einem Quad und brettert durch die Simmersfelder Wälder, im Off läuft Heavy-Metal-Musik. Ein dickes Loch im Gras schleudert den 54-Jährigen beinahe vom Sitz, doch das zaubert ihm – das erkennt man selbst durch den Sturzhelm hindurch – nur ein müdes Lächeln hervor. So beginnt der vierminütige Fernsehbeitrag, den der SWR in der vergangenen Woche im Rahmen der "Landesschau" ausgestrahlt hat.

Vor dem Simmersfelder Rathaus ließ der Sender zudem auch von Radulovic ein großes Porträt aufstellen, kürte ihn zum "Heimathelden". Doch da muss der gebürtige Serbe mit seinem unüberhörbaren schwäbischen Akzent abwinken: "Ich bin kein Held. Das, was ich mache, kann ja eigentlich jeder machen. Ein Held bin ich, wenn ich mein Leben für jemand anderen einsetze." Dennoch betont Radulovic: "Mich freut das für Simmersfeld. Es ist immer schön, wenn man etwas für die Gemeinde machen kann."

Spitzname allgegenwärtig

Radulovic kam im Alter von sieben Jahren aus dem damaligen Jugoslawien nach Deutschland. Zunächst lebte er in Besenfeld, seit 1996 in Simmersfeld, wo er auch eine Kfz-Werkstatt betreibt. Aus der Zeit des Umzugs nach Deutschland stammt auch der allgegenwärtige Spitzename "Schorle", der auch auf Radulovic’ Rennanzug und natürlich seinem Fahrzeug zu finden ist. Er hat aber nichts mit dem Getränk zu tun, sondern mit einem serbischen Fußballer mit Vornamen Georg, dem Radulovic damals nacheiferte. Aus Georg wurde "Schorsch" – und der kleine Radulovic zum "Schorle". In dem SWR-Beitrag sagt er: "Damals wussten wir gar nicht, dass es ein Getränk gibt, das Schorle heißt."

"Rennerles fahren"

Statt Fußballer wurde Radulovic ohnehin Rennfahrer, wenn auch erst recht spät. Im Alter von 20 Jahren war er mit seinem Motorrad häufig auf der Schwarzwaldhochstraße unterwegs. "Rennerles fahren", wie der 54-Jährige heute mit einem Grinsen sagt. Von einem anderen Motorradfahrer wurde Radulovic hoch oben im Schwarzwald angesprochen, ob er nicht richtige Rennen fahren möchte. "Schorle" sagte zu, doch nach zwei Jahren war schon wieder Schluss. "Meiner Familie war das zu gefährlich", räumt Radulovic ein, der zwei Kinder hat.

Doch das Benzin blieb im Blut und so stieg der gebürtige Serbe 1997 auf vier Räder um, wurde zum Rallyefahrer. "Da bin ich gleich vorne mitgefahren", sagt Radulovic, "und ich habe gemerkt, dass ich ein Gefühl fürs Auto habe."

Das zweite Zuhause

Ein zentrales Thema des SWR-Beitrags ist der Nürburgring in der Eifel – "Schorles" zweites Zuhause. Seit einigen Jahren nimmt Radulovic für das Team Derscheid an der deutschen Langstreckenmeisterschaft teil, die er bereits einmal in seiner Klasse gewinnen konnte. Bis zu zehn Rennen umfasst die Serie in der "grünen Hölle", bis zu drei Stunden sitzt Radulovic pro Rennen am Steuer.

Wenn es um den Nürburgring geht, fangen die Augen des Kfz-Mechanikers an zu leuchten. "Die Nordschleife ist die längste, schönste und gefährlichste Strecke der Welt", schwärmt Radulovic, "von der kommt man nicht mehr los." Der mitten in die Natur gebaute, 25 Kilometer lange Rundkurs mit einem Höhenunterschied von 150 Metern ist für den Simmersfelder das Non plus ultra: "Das ist wie im Schwarzwald, es gibt keine Ausläufe, man bewegt sich immer am Limit. Den Nürburgring kann man nicht beherrschen. Kann sein, dass ein Abschnitt trocken ist und es auf dem anderen regnet. Vom Adrenalin her kommt man keine Sekunde zur Ruhe. Man kann sich da so richtig austoben."

Wenn Radulovic sagt, dass er auf dem Nürburgring schon mehr Kilometer gefahren hat als auf normalen Straßen, dann ist das mit Sicherheit keine Übertreibung. "Ich könnte da mit geschlossenen Augen fahren", meint der 54-Jährige – wohlwissend, dass das bei dieser anspruchsvollen Strecke keine gute Idee ist.

Risikobereiter Draufgänger

Im Team Derscheid bildet Radulovic zusammen mit Michael Flehmer und Chef Rolf Derscheid das Fahrer-Trio. "Ein kleines, privates Team mit viel Herzblut", meint "Schorle", der als der Draufgänger des Trios gilt. Er übernimmt das Steuer des BMW 325i meist in den kniffligen Situationen –­ etwa bei Regen. "Ich bin risikobereit und etwas anders als meine Kollegen. Ich mache mir erst Gedanken, wenn ich im Auto sitze. Aber mein Team mag das", lacht Radulovc, dem es nicht langweilig wird, stundenlang auf der immer gleichen Strecke zu fahren: "Man versucht jedes Mal, eine andere Linie zu finden, um noch schneller zu fahren." Vor allem aber aus taktischer Sicht habe die deutsche Langstreckenmeisterschaft ihre ganz eigenen Reize: "Man hat die Zeit, sich seine Gegner zurechtzulegen. Das ist wie bei einem Jäger im Wald. Der kann auch nicht einfach losschießen, wenn er ein Reh sieht", vergleicht der Simmersfelder.

Positive Reaktionen

Die diesjährige Saison der deutschen Langstreckenmeisterschaft ging vor zwei Wochen zu Ende. 2016 konnte das Team Derscheid noch sieben von zehn Rennen gewinnen. Anschließend lief es nicht mehr so gut, die abgelaufene Saison nennt Radulovic sogar "eine Katastrophe". Dennoch will er auch 2020 für das Team Derscheid starten.

Bis dahin werden es wieder ruhigere Wochen für Radulovic, auch wenn er in dem SWR-Beitrag ankündigt, sich nun verstärkt seinem 400-PS-Renntruck zu widmen. Und natürlich muss er in Simmersfeld auch die ein oder andere Frage zu seinem Fernsehauftritt beantworten. "Super-positiv" seien bislang die Reaktionen gewesen, auch sich "Schorle" verdeutlicht: "Ich bilde mir darauf nichts ein."

Ihre Redaktion vor Ort Nagold

Heiko Hofmann

Fax: 07452 837333

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