Tempo rausnehmen, Gas wegnehmen, hieß das Motto für den geistlichen Impuls bei der beliebten Motorradsegnung zur Frühjahrsausfahrt in Tannheim.
„Wollen wir das überhaupt, weniger Temporausch?, fragte Diakon Stefan Fornal in die Runde, „so energiegeladen wie wir glauben durchs Leben gehen zu müssen oder fahren zu sollen“.
Der den Impuls begleitende Song The Sound of Silence, zwar energiegeladene Musik, sagt trotzdem aus, dass wir zu schnell unterwegs sind, meinte der Diakon weiter. Mit Vollgas, getrieben von Terminen, Erwartungen und dem Wunsch voranzukommen.
Tempo rausnehmen heiße nicht, sein Leben an den Nagel zu hängen, sondern wieder bewusst fahren, sagte Fornal. Vielleicht sei Gott genau da, nicht im Vollgas, sondern in der Pause danach. Nimm Dir das Leben und lass es nicht mehr los, singt Udo Lindenberg ebenfalls energiegeladen.
Er segnet nicht Maschinen
„Wenn wir unsere Motorräder nehmen, dann nehmen wir uns ein schönes Stück Leben. Ein Leben für das wir Danke sagen wollen“, meinte er weiter. Auch wenn es Motorradsegnung heiße, „ich segne nicht eure Maschinen, sondern euch, damit ihr noch lange viel Freude an euren Maschinen habt“, räumte Fornal mit Missverständnissen auf.
Der Diakon ging segnend durch die Reihe, der zum Le-Mans-Start bereiten Biker, weihwassermäßig etwas unterstützt durch leichtes Nieseln des Himmels. Sein Amen war das Signal zum Aufbruch, er selbst fuhr ebenfalls mit, führte den Corso an, als langjähriger Motorradfahrer natürlich in voller Biker-Montur und mit Stola als Zeichen seiner geistlichen Würde.
So viele wie noch nie
Stefan Fornal hat sich nach eigenen Worten äußerst wohl gefühlt. Seine Gemeinde waren gemeinhin vielleicht nicht die üblichen Kirchgänger, aber sie sind gekommen, und er mitten unter ihnen.
Mehr als 300 Motorräder aller Leistungsklassen, Motorroller, Mopeds, Squads oder Mofas mit ihren Fahrern und Sozien jeden Alters aus dem ganzen Kreisgebiet, so viele wie noch nie, verwandelten den südlichen Villinger Stadtteil kurzzeitig in eine Biker-City.
Insbesondere in den vergangenen drei Jahren wuchs das Teilnehmerinteresse um mehr als das Doppelte. Als Festbeginn war 14 Uhr ausgeschrieben, eine Stunde früher waren schon fast alle da.
Zur Geschichte der Motorradsegnung: Seit 2002 gibt es dieses Frühjahrstreffen, ins Leben gerufen vom leidenschaftlichen Biker und Backhäusle-Wirt Berthold Huber. Ab 2012 übernahm die Feuerwehr die Schirmherrschaft über das Treffen, in deren Reihen es immer eine stattliche Zahl von Bikern gab.