Laurents Hörr beim Boxenstopp in der European Le-Mans-Series – der Gerlinger gewann 2021 die Gesamtwertung. Foto: imago/LAURENT CARTALADE

Drei Rennfahrer aus der Region schildern ihre Erfahrungen, umreißen ihre Probleme und erklären, was sie antreibt: Laurents Hörr hat als Profi Fuß gefasst, Donar Munding kämpft um seine Karriere, Robin Renz fährt Rennen als Hobby.

Stuttgart - Motorsport ist ein teures Geschäft, ganz egal, in welcher Form man es betreibt. Drei Motorsportler aus der Region, Laurents Hörr aus Gerlingen sowie die Stuttgarter Donar Munding und Robin Renz, schildern ihre Erfahrungen, umreißen ihre Probleme und erklären, was sie antreibt.

 

Meine Herren, wie lief Ihre Saison?

Hörr: Wirklich sehr gut, beim ersten Start in Daytona kam ich gleich aufs Podium, und in der Europäischen Le-Mans-Serie ging es steil bergauf, und dann war ich ständig auf der Bergspitze, indem ich jedes Rennen gewonnen habe. Ich habe den Titel geholt.

Renz: Ich bin der Älteste von uns, habe aber die wenigsten Rennkilometer auf dem Buckel. Es war mein erstes Jahr in der Pfister-Racing Tourenwagen-Challenge – ich habe gleich am ersten Wochenende einen Laufsieg gefeiert und mir einen kleinen Traum erfüllt. Danach habe ich alles mitgenommen vom Podium bis zum Aus im Kiesbett.

Munding: Ich habe mich im Le-Mans-Cup leider schwergetan, um in die Spur zu kommen. Wir sind gut in die Saison gestartet, das Potenzial für gute Resultate war vorhanden, aber dann ist es aus verschiedenen Gründen leider nicht mehr wie erhofft gelaufen.

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Motorsport samt Reisen zu den Rennen in Zeiten der Klimakrise – haben Sie eigentlich kein schlechtes Gewissen?

Hörr: Ich habe mir vor vier Jahren Gedanken gemacht. Wir haben unseren CO2-Ausstoß in den Rennen sowie den Reisen berechnet und kompensieren das durch die Anpflanzung von Bäumen in Nicaragua.

Munding: Ein super Gedanke, so was könnte ich mir auch vorstellen. Motorsport heißt nicht, dass wir auf die Natur einprügeln. Man kann anders etwas für die Natur tun, etwa, indem man seinen Fleischkonsum reduziert. Damit kann man mehr verändern, als wenn man Motorsport abschafft.

Renz: Eben. Wir treiben Sport, wir faszinieren damit Menschen. Wir würden die Welt nicht retten, indem wir darauf verzichten. Wir können uns auf andere Weise für die Umwelt einsetzen, wir könnten mit E-Autos oder Wasserstoff-Fahrzeugen starten. Mir geht es nicht um die Power, mein Ansporn ist, der Beste zu sein. Ich wurde noch von niemandem schief angeschaut, als ich gesagt habe: Ich fahre als Hobby Autorennen.

Hörr: Ich möchte bemerken: Wenn man ausrechnet, mit wie vielen Litern Sprit die Formel-1-Autos ihre Leistung von an die 1000 PS erzeugen, ist das im Vergleich zu einem Serienauto eine Sensation. Man sollte stets bedenken, dass die Technologie-Entwicklung auch im Motorsport stattfindet.

Was ist aus Ihrer Sicht das größte Problem im Motorsport?

Hörr: Abgesehen von den Kosten? Natürlich schadet Geld nicht, und die Beziehung zu Sponsoren muss langfristig aufgebaut werden. Ich habe zum Glück Partner, die mich schon über Jahre unterstützen, aber auch ich und mein Team suchen laufend nach weiteren Sponsoren. Vor einigen Jahren habe ich mich auf der Stufe befunden, auf der Donar steht. Da muss man gut planen, man kann viel falsch machen, dann ist die Karriere vorbei. Ich habe damals mit einer Mentaltrainerin gearbeitet, sie hat mir enorm geholfen, meinen Weg zu finden und die Herausforderungen – auch die finanziellen – zu meistern.

Munding: Ich war bei einem hervorragenden Sportpsychologen, der mir in einer schwierigen Phase sehr geholfen hat. Aktuell fühle ich mich in der Lage, alleine klarzukommen.

Renz: Einen Mentaltrainer braucht man auf meinem Level sicher nicht. Meine Frau ist meine Psychologin. Für mich ist es enorm wichtig, dass sie bei den Rennen dabei ist.

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Sie haben ein teures Hobby im Vergleich zu einem Bezirksliga-Fußballer.

Renz: Wenn man das vergleicht, klar. Eine Rennlizenz ist das kleinste Problem, aber dann trittst du nicht einfach in einen Verein ein, und damit ist alles organisiert. Ich musste kämpfen: Welche Serie? Wie sammelt man Erfahrung? Woher kommt das Geld? Was kann ich Sponsoren bieten? Im Vergleich zu dem, welche Beträge Laurents und Donar benötigen, komme ich wohl mit einem Zehntel klar.

Munding: Ohne Förderung geht nichts. Es ist ein Teufelskreis: Wer wenig Geld hat, kann weniger testen und muss im Rennen aufpassen, dass man keinen Crash baut, bei dem Teile am Auto kaputtgehen, die man kaufen muss, was das Budget belastet. Da entsteht schnell ein hoher Druck für den Fahrer. Man weiß: Man muss auf den Punkt liefern. Und wenn der Erfolg ausbleibt, ist unklar, ob es eine nächste Saison geben wird.

Renz: Ich kann Donar nur beipflichten, man hangelt sich von Jahr zu Jahr. Ich kann Geldgebern nur eine kleine Plattform bieten. Ich spreche etwa bei Unternehmen rund um Degerloch vor, ich kann als Gegenleistung eine Fahrt im Renntaxi bieten oder das Rennauto mal vor die Firma des Sponsors stellen.

Hörr: Vor fünf Jahren ging es mir wie euch, nun habe ich ein professionelles Team, das mich dabei unterstützt, Sponsorengelder zu generieren. Das ist trotzdem eine große Anstrengung, und wir suchen auch für die kommende Saison noch weitere Sponsoren. Ich persönlich habe mich bisher ganz auf die Karriere konzentriert, und es hat funktioniert. Derzeit bin ich dabei, das Programm aufzustellen, mit dem ich 2022 in Le Mans beim 24-Stunden-Rennen an den Start gehe.

Braucht man nicht auch mal Glück, um an die richtigen Personen zu geraten?

Munding: Auf jeden Fall. Ich habe mal jemanden um 6 Uhr auf einem Parkplatz am Nürburgring getroffen, als wir ins Gespräch gekommen sind, ist daraus was entstanden. Aber man darf es nicht nur aufs Glück ankommen lassen.

Hörr: Exakt. Man muss selbst aktiv werden. Ich bin in Gerlingen aufgewachsen, da war gegenüber ein Bäcker. Da habe ich mir jeden Tag was geholt und wir sind ins Gespräch gekommen. Der Chef wurde ein Unterstützer, und jeder, der dort arbeitet, ist ein Fan und drückt mir die Daumen. Man braucht Glück, aber vor allem ein schlüssiges Konzept.

Herr Renz, hat Ihnen das nötige Glück gefehlt, um Profi zu werden?

Renz: Ja und nein. Ich habe in der Jugend bei den Stuttgarter Kickers gespielt – so lag mein Fokus auf Fußball. Natürlich hat Kart-Fahren eine Faszination ausgeübt, wir waren oft auf Indoor-Strecken, aber ansonsten war Motorsport ein Fernsehsport. Mein Vater wollte mich mal zu einem Gokart-Camp in den Ferien anmelden, da war ich elf, aber ich wollte nicht zwei Wochen weg von zu Hause. Das wäre vielleicht der Moment gewesen, um auf die Schiene Motorsport zu gelangen. Danach war der Zug abgefahren, erst jetzt als Hobbypilot bin ich wieder dazu gekommen. Und da versuche ich nun Fuß zu fassen.

Welche Rolle spielen in der Sponsorenarbeit die Medien und das Internet?

Renz: Die klassischen Medien sind enorm wichtig. Die lokalen Unternehmen, die greifen darauf zu – mein Sport ist da, wo der Betrieb sitzt. Mir helfen Berichte in lokalen Medien enorm. Instagram und Co. sind eher überregional. Ich konkurriere allerdings vor Ort mit den Sportvereinen, die einen Sponsor für neue Trikots benötigen.

Munding: Klar, wenn du in der Zeitung warst, wirst du darauf angesprochen. Das ist wertvoller als eine von einer Million Instagram-Storys oder einer von vielen Youtube-Clips zu sein. Auf diesen Kanälen schauen eher die Fans, aber nicht mögliche Sponsoren.

Renz: Aber wenn du etwa 10 000 Follower auf deinem Account hast, bist du interessant für einen Hersteller oder Einzelhändler von Motorsport-Bekleidung.

Hörr: Ihr habt beide recht. Fakt ist aber: Die Printmedien besitzen eine Wertigkeit, denn da kommst du nur rein, wenn du Leistung bringst oder eine Geschichte hast. Meine Sponsoren sind sehr glücklich, wenn ich in einem Printmedium auftauche.

Herr Hörr, Sie waren kürzlich bei einer Testfahrt in Bahrain und durften einen Ferrari aus dem GT-Sport lenken.

Hörr: Das habe ich über die Fia (Automobil-Weltverband, d. Red.) bekommen. Sie wählt zwei Fahrer aus, die zum letzten Rennen der Langstrecken-WM eingeladen werden und das Siegerauto fahren dürfen. Dafür kann man sich nicht bewerben, man wird ausgewählt. Ich war einer davon und durfte einen Ferrari 488 GTE Evo lenken. Das war gigantisch, aber wichtiger war, dass ich so auf mich aufmerksam machen und bei Ferrari Kontakte knüpfen konnte. Die Mund-zu-Mund-Propaganda ist der beste Treibstoff für eine Karriere – und die Leistung auf der Strecke.