Ziele, die man sich fürs neue Jahr vorgenommen hat, verlaufen oftmals im Sand. Der Ettenheimer Motivationsexperte Simon Schiller gibt zehn Tipps, wie es gelingen kann.
Gesünder ernähren, regelmäßig ins Fitnessstudio gehen oder mehr Geld auf die Seite legen: Jedes Jahr aufs Neue setzen sich Menschen Ziele, die sie im neuen Jahr erreichen möchten. Was in der Theorie gut klingt, hapert jedoch oftmals in der Praxis. „Bei vielen schwingt sofort eine leise Sorge mit: ,Was, wenn ich wieder scheitere?’ Diese Angst ist kein Zeichen von Schwäche – sie ist menschlich. Denn unser Kopf kann sehr überzeugend erklären, warum ,morgen’ der bessere Start wäre“, erklärt Simon Schiller aus Ettenheim. Er ist Experte in Sachen Selbstdisziplin und gibt regelmäßig Vorträge darüber, wie man den täglichen Kampf gegen den inneren Schweinehund gewinnen kann. Auf Nachfrage unserer Redaktion gibt er zehn Tipps, wie Neujahrsvorsätze nicht im Sande verlaufen. Ein Überblick.
Beim „Warum“ anfangen: „Frage dich: Warum will ich dieses Ziel wirklich?“, beschreibt Schiller. Dabei solle man auf die persönliche Ebene gehen. Die Antwort sollte also nicht „weil es gesund ist“, sondern etwa, „damit ich mich wieder wohlfühle“ lauten. „Ein echter Grund ist wie ein Anker, wenn es schwierig wird“, weiß der Experte.
Groß denken, aber klein planen: Ein großes Ziel wirke wie ein Nordstern, doch Motivation entstehe im Alltag durch kleine Zwischenziele. „Ein erster Spaziergang, ein erster Termin, ein erster Erfolg. Man sollte Etappen planen, die man in sieben bis 14 Tagen erreichen kann. Wer zu groß startet, überfordert sich – und verliert schnell“, betont er.
Ziele sichtbar aufschreiben und mit einem Gefühl verbinden: „Es hilft, das Ziel auf einer Karte oder dem Handy-Sperrbildschirm zu notieren. Und dann kommt der entscheidende Teil: Man soll sich vorstellen, dass man bereits angekommen ist. Wie fühlst man sich? Wie sieht der Alltag aus, welche Kleidung trägst man? Je emotionaler das Bild, desto stärker die Zugkraft“, so Schiller.
Den Morgen leicht machen und Hürden für den Abend entfernen: „Vorbereitung ist kein Nebenthema, sondern die halbe Miete“, betont Schiller. Wer morgens laufen möchte, solle sich zuvor eine Route planen sowie Kleidung und Schlüssel bereitlegen. Je weniger man morgens mit dem Schweinehund verhandeln muss, desto größer die Chance, dass man einfach losgeht.“
Ein Datum setzen und klare Entscheidungen treffen: „Irgendwann“ ist ein perfekter Freund des Aufschiebens“, erklärt Schiller. Demnach solle man seinem Ziel ein Datum geben. Man solle sich fragen: „Bis wann will ich das erreicht haben?“ Dann muss die Entscheidung gefällt werden: „Ich fange an – und ich bleibe dran. Nicht perfekt, aber konsequent.“
In das Vorhaben investieren: Passende Schuhe, ein Kurs, ein gutes Buch – manchmal helfe ein kleiner, bewusster Einsatz als Motivationsschub. „Nicht aus Konsumlust, sondern als Signal. Wer vorbereitet ist, nimmt dem inneren Schweinehund eine seiner liebsten Ausreden: ,Du bist noch nicht so weit.’“
Für schlechte Tage planen statt von perfekten Wochen träumen: „Der häufigste Grund fürs Aufgeben sind nicht die ganz schlechten Tage – sondern die Enttäuschung, dass es überhaupt schlechte Tage gibt“, so der Experte. Deshalb sollte man sich darauf vorbereiten – quasi als Notfallplan. So könne man mal statt 30 Minuten Sport auch nur zehn Minuten spazieren gehen. „ Hauptsache man bleibt in Bewegung.“
Seinen „Akku“ schützen: „Disziplin ist leichter, wenn der Körper mitspielt“, erklärt Schiller. Deshalb solle man auf Schlaf achten und so viel essen und trinken, damit man Energie habe. Aber auch der bewusste Verzicht von Dingen, die einen dauerhaft runterziehen, sei wichtig. „Ein Nein zu Ablenkung kann ein Ja zu einem selbst sein.“
Jeden Tag ein Prozent besser werden: „Viele Menschen scheitern nicht am Ziel, sondern an der Erwartung, sofort alles ändern zu müssen“, so der Ettenheimer. Demnach müsse man kleine Schritte gehen und sich am Tagesende fragen, was man heute ein kleines Stück besser gemacht hat als gestern. „Diese Haltung baut Selbstvertrauen auf.“
Fortschritt teilen und Unterstützung holen: „Wer etwas allein mit sich ausmacht, gibt schneller auf“, weiß der Motivationsexperte. So könne es helfen, sich mit Freunden oder in einer Gruppe auszutauschen. „Nicht um zu prahlen, sondern um dranzubleiben“, betont er. Auch das Feiern der Fortschritte sei wichtig – nicht nur die großen Meilensteine, sondern die kleinen Siege im Alltag.
30-Tage-Herausforderung
Eine Gewohnheit wählen:
Ein Beispiel könnte etwa täglich zehn Minuten spazieren gehen sein. Ziele festlegen und sich vorbereiten:
Schuhe, Kleidung, Notizen oder Ähnliches im Voraus bereitlegen. Regel für schlechte Tage einführen:
Notfalls nur zwei Minuten laufen, aber nicht auslassen. Täglich abhaken:
Für jeden Tag im Monat ein Kästchen malen und abends einen Haken setzen. Bilanz ziehen:
Was wurde leichter? Was hat geholfen? Was bleibt? Diese Fragen nach einem Monat beantworten.