Vom Campingplatz zum Motel: Zugegeben, die Umsetzung hat sich im Laufe der vergangenen Jahre etwas verändert, aber der Grundgedanke von Georg und Dominik Fischinger, den Tourismus in Epfendorf zu stärken, ist gleich geblieben.
Epfendorf - Inspiriert wurde Georg Fischinger von seinen Motorrad-Touren in Frankreich. Dort habe es überall Übernachtungsmöglichkeiten und Campingplätze gegeben. "Diese Gastfreundschaft hat mir imponiert", sagt der 58-Jährige. So sehr, dass er vor rund zehn Jahren auch in Epfendorf einen Campingplatz bauen wollte – ungefähr dort, wo der Besinnungsweg beginnt.
Campingplatz-Idee scheitert
Für die Umsetzung war er damals mit Ex-Bürgermeister Peter Boch in Kontakt, der wiederum auf eine Förderung durch Leader-Mittel aufmerksam machte. Dort kam Fischingers Idee, die Region durch Tourismus zu stärken, gut an.
Das Landratsamt Rottweil machte jedoch wenig Hoffnung auf eine Umsetzung: Grund war, dass es für das Gebiet keinen Bebauungsplan gab und es auch noch zum Überschwemmungsgebiet zählt. Auch eine Pfahl-Variante, die Fischinger vorschlug, fand wenig Zuspruch. Somit war das Projekt erst einmal gestorben.
Vor fünf Jahren war Fischinger dann dienstlich mit dem Zug unterwegs, der auf Höhe des Epfendorfer Bahnhofs hielt, so dass der Blick des 58-Jährigen auf das frühere Bahnhofsgebäude fiel. "Dieses Gebäude so stehen zu lassen, ist eine Schande, dachte ich damals." Deshalb ging er auf Bürgermeister Mark Prielipp zu.
Ablauf dank Leader beschleunigt
Fischingers erste Idee war, das Gebäude den Jugendlichen im Ort zur Verfügung zu stellen. Weil es aber bereits ein Jugendhaus gab, wurde davon abgesehen. Das Gebäude für Vereinsaktivitäten zu nutzen, fiel ebenfalls weg, mangelte es doch an grundsätzlichen Dingen, wie Strom und Abwasser. Einen allzu attraktiven Bauplatz stellte das Grundstück zwischen Bahnlinie und Hauptstraße auch nicht dar.
Georg Fischinger zog seinen 29-jährigen Sohn Dominik, der Bauingenieur ist, zu Rate, und die Beiden entwickelten den Plan, das alte Gebäude abzubrechen und auf dem Grundstück ein Motel zu errichten. Dem Gemeinderat Epfendorf habe das Projekt gefallen, sagt Fischinger. Auch mit Leader kam der Bauherr wieder in Kontakt – ein Glücksfall, denn so wurde der Ablauf deutlich beschleunigt.
Materialkosten steigen enorm an
Im Herbst 2020 erhielt Fischinger die Zusage für eine Förderung in Höhe von 35 Prozent der Kosten. Ende 2020 kaufte er das Grundstück. Dann kam die Ernüchterung. Der Bauboom hatte eingesetzt. Die Materialkosten stiegen extrem an. "Dieser Anstieg hat die Fördersumme quasi aufgefressen", sagt Fischinger.
Dennoch geht das Projekt voran, auch wenn die Preise laut Fischinger wöchentlich ansteigen. Das alte Gebäude wurde im November 2021 – bis auf den Keller, in dem sich auch ein Luftschutzkeller befindet, abgebrochen. Baustart für den Neubau war gleich im Dezember. Die Bauplanung und -leitung liegt bei Dominik Fischinger. Im September soll ein Probelauf starten, um dann im Oktober "an den Markt" gehen zu können.
Sieben Gästezimmer entstehen
Im Gästehaus "Das Georg" entstehen sieben rund 30 Quadratmeter große Gästezimmer und ein Büro. Ein Zimmer ist rollstuhlgerecht ausgebaut. Bis auf ein Zimmer verfügt jeder Raum über eine Küche zur Selbstversorgung. Ein eigenes Bad hat jedes Zimmer, zudem Schallschutzfenster, damit vorbeifahrende Züge nicht zum Geräuschproblem werden.
Angesprochen werden sollen mit dem Motel unter anderem Wanderer, Radfahrer und Motorradfahrer, die auf der Durchreise sind oder ein paar Tage bleiben wollen. Auch für Dienstreisende gebe es kaum Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe, so Fischinger. Deshalb erwartet er, dass das Motel, bei dem die Kosten für eine Nacht bei etwa 55 Euro beginnen sollen, gut angenommen wird.
Holz aus dem örtlichen Wald
Wichtig sind den Fischingers die Themen Nachhaltigkeit und Familienfreundlichkeit und der Gedanke, etwas für ihren Heimatort Epfendorf zu tun. Deshalb wird Holz aus dem örtlichen Wald für das Gebäude verwendet. Zudem werden Handwerker und Unternehmer aus dem Ort beziehungsweise der Region mit den Arbeiten betraut.
Auf dem rund 600 Quadratmeter großen Grundstück werden neben abschließbaren Abstellplätzen für Fahrräder sieben Stellplätze geschaffen. Ein- und auschecken kann man selbst rund um die Uhr. Wer persönlichen Kontakt lieber mag, werde aber auch jemanden im Büro antreffen. Man wolle ansprechbar sein, sagt Georg Fischinger. Ein Minijobber werde die Reinigung der Zimmer übernehmen. Den Rest stemmen Vater und Sohn.
Der Epfendorfer hofft, dass sein Projekt auch eine Wertsteigerung für den Ort bedeutet. "Ich möchte gerne etwas Eigenes schaffen und der Nachwelt hinterlassen. Das ist meine Motivation."