165 Jahre gab es im westlichsten Rottenburger Stadtteil eine Mosterei. Am heutigen Samstag endet diese Tradition.
Für Konstantin Pfeffer, der von 1973 bis zur Schließung für die „Moste“ und das ganze Drumherum zuständig zeichnete, wohl ein wehmütiger Tag. Aber er sagte auch: „Die Mosterei lohnt sich nicht mehr, ich komme in diesem Jahr gerade mal auf zehn Anmeldungen, hoffe aber, dass noch einige dazukommen. Wenn wir anderthalb Stunden pressen und hinterher zwei Stunden sauber machen müssen, dann war der Aufwand umsonst.“ Sein „Wir“ bezieht sich auf seinen langjährigen, 2003 verstorbenen Mithelfer Anton Straub, mit dem er 30 Jahre zusammenarbeitete, aber auch auf seinen Schwiegersohn Jörg Bernhard und seinen Enkel Lukas, von denen er tatkräftig unterstützt wurde und nicht zuletzt auch auf seine Gattin Sybille und weitere Mitglieder seiner Familie.
Wie in Baisingen alles angefangen hat, schrieb Elmar Katz zum 150-jährigen Bestehen der Mosterei in seiner Chronik. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts habe der Ort einen ausgeprägten Streuobstgürtel gehabt und man habe sich die Frage gestellt, wohin mit dem vielen Obst. Bei einer Sitzung von Gemeinderat und Bürgerausschuss am 29. April 1860 beschlossen die Gremien die Anschaffung einer Mostpresse mit Mahlwerk. Der damit beauftragte Eutinger Schlossermeister Reinhold Ackermann lieferte dann im Herbst 1860 neben zwei Pressen noch ein Mahlwerk mit Quetschwalzen im Wert von 663 Gulden. Die „Moste“ fand dann im Jahr 1844 erbauten neuen Schulhaus ihren Platz.
Das Geschäft florierte
Die Inbetriebnahme wurde gleich zum Volltreffer. 268 Anmeldungen gingen ein. Das Geschäft florierte nicht zuletzt deshalb, weil auch Menschen aus den Nachbarorten Ergenzingen, Eutingen und Eckenweiler die „Moste“ nutzten. Dadurch flossen 284 Gulden in die Gemeindekasse. Das habe sich kontinuierlich weiterentwickelt, sagte Pfeffer. Vor 30 Jahren habe es noch 80 Anmeldungen gegeben und ein Saisonrekord von 130.000 Litern habe heute noch Bestand.
Ein neues Kapitel wurde dann im Jahre 1958 aufgeschlagen. Mit der Mosterei im Rathaus war Schluss und die damalige Spar- und Darlehenskasse Baisingen (heute Volksbank Raiffeisenbank Ammer-Gäu) stieg in das Mosterei-Geschäft ein. Es wurde beschlossen, von der Firma Lauffer und Butscher aus Mühlen eine neue Presse nebst weiterem Zubehör zu kaufen. Die Gemeinde stellte dafür ein Gebäude im Galgenweg zur Verfügung. Letzteres sei aber schon vor zwölf Jahren verkauft und der Pachtvertrag mit dem neuen Eigentümer geschlossen worden. Nun soll das Haus eine andere Nutzung erfahren.
52 Jahre lang zuständig
Pfeffer, der 1973 die „Moste“ übernahm und im selben Jahr auch bei der Raiffeisenbank Oberes Gäu seinen Dienst antrat, war 52 Jahre für dafür zuständig, dass jeder den Süßmost von seinem eigenen Obst mit nach Hause nehmen konnte. Da waren viel Engagement und Herzblut dabei, so sein Statement.
Pfeffer ist Baisinger durch und durch und vor allem auch für die örtlichen Vereine ein Musterbeispiel in Sachen Engagement und Zuverlässigkeit. Auf jeden Fall bleibt ihm künftig mehr Zeit für seine Familie, vorausgesetzt, es funken nicht sein über alles geliebter Musikverein oder die Sängerabteilung des Sportvereins dazwischen.