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Moscheeverein Feuerbach Erster Haftbefehl nach Brandanschlag

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Vermummte Gestalten in Feuerbach: Die Täter beim Brandanschlag im Dezember 2015 Foto: dpa

Stuttgart - Es waren vier Gestalten, die im 15. Dezember 2015 einen Brandanschlag auf ein Gebäude des Türkisch-Islamischen Kulturvereins (Ditib) in Feuerbach verübten. Einen davon glaubt die Kripo ermittelt zu haben: Ein 20-jähriger kurdischer Tatverdächtiger sitzt in Untersuchungshaft. Ein Ermittlungserfolg, der bei den Beamten des Staatsschutzes aber noch keine große Euphorie entlockt. Die Festnahme des Verdächtigen wurde jedenfalls erst auf Nachfrage bestätigt. Der Beschuldigte sitzt nämlich bereits seit 24. Februar hinter Gittern.

Rache für Baran Dersim? „Eher Profilierungssucht“

Die vier Brandstifter hatten sich um 1.39 Uhr dem Gebäude des Moscheevereins an der Mauserstraße in Feuerbach genähert. Mit Pflastersteinen zertrümmerten die Vermummten zwei Fenster einer Buchhandlung warfen dann Brandsätze ins Innere. Einer der Täter zündet noch einen überdimensionalen Böller. Zwei Personen können sich unverletzt aus dem Haus retten, das Feuer richtet mindestens 80 000 Euro Schaden an.

Wer waren die Täter? Flackerte der kurdisch-türkische Konflikt wieder in Stuttgart auf? Die Polizei hatte immerhin einen Film aus einer Überwachungskamera, der die Täter am Werk zeigte. Aufnahmen, die letztlich einem der Verdächtigen zum Verhängnis wurden.

Der Hintergrund der Tat ist noch immer unklar – auch wenn Unbekannte später über soziale Netzwerke im Internet ein Bekennerschreiben verfassten. Unterzeichnet von einem Kommando namens „Rache für Baran Dersim“. Der Name bezog sich auf den hochrangigen PKK-Funktionär Ismail Aydemir, der Monate zuvor von türkischen Streitkräften getötet wurde. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschlands, Gökay Sofuoglu, stellte freilich schon damals fest, dass es kaum um eine bekannte kurdische Organisation handeln könne: „Das ist eine Jugendbande, die sich gerne profilieren möchte“, sagte er.

Der Verdächtiger ist als Kleinkrimineller bekannt

So sieht es wohl auch aus. Der Festgenommen aus Weilimdorf, der auf einer Videosequenz identifiziert wurde, ist nicht als PKK-Mitglied bekannt. „Er steht der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei wohl nahe“, sagt Staatsanwaltssprecher Jan Holzner, „aber lediglich gesinnungsmäßig, nicht als Angehöriger der Organisation.“ Offenbar hatte er als Sympathisant einschlägige Veranstaltungen besucht.

Polizeibekannt ist er – als Kleinkrimineller, wie Polizeisprecher Jens Lauer feststellt: „Der Beschuldigte ist unter anderem wegen Diebstahls aufgefallen.“ Dazu kommen Drogen und Körperverletzung. Deshalb sei er auf den Bildern erkannt worden. Über seine Motivation sagt der Verdächtige nichts: Er schweigt überhaupt zu den Vorwürfen.

Bei den Betroffenen ist die Nachricht vom Ermittlungserfolg mit Freude aufgenommen worden. „Wenn die anderen drei noch erwischt werden, dann ist das eine tolle Sache“, sagt Ismail Cakir, Vorsitzender des türkisch-islamischen Ditib-Moscheevereins. Er sei überzeugt davon, dass die Polizei das schaffe. Damals hatte der Verein allerdings auch Kritik geübt: Die Polizei sei „hier im Industriegebiet nicht so präsent wie an anderen Orten in der Stadt“, so Cakir damals. Nun betont er: Man habe Vertrauen in diesen Rechtsstaat.

Künftig Frauen statt Bücher

Die Folgen des Brandanschlags seien bald repariert: „Nächste Woche werden die Fenster eingebaut.“ Man werde die Räumlichkeiten nicht mehr als Buchgeschäft betreiben. „Sie wird von unserer Frauen-Abteilung genutzt werden“, so der Vereinsvorsitzende. Etwas für die Bildung, das soziale Miteinander, die Jugend zu machen, sei Aufgabe des Vereins.

Deutliche Worte zu dem Brandanschlag vom Dezember findet Turan Tekin, Sprecher der Kurdischen Gemeinde Stuttgart: „Wir sind gegen Kriminalität, auch nicht von kurdischer Seite. Es gibt kein Recht, so einen Überfall zu machen, auch wenn es um berechtigte kurdische Anliegen geht. So etwas hilft der kurdischen Sache nicht, es schadet.“ Vor allem werde die türkische Regierung, die einseitig die Friedensgespräche abgebrochen habe, damit gestärkt. „Ich habe viel mit Jugendlichen darüber gesprochen, aber das erreicht wohl nicht alle.“

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