In dieser beschaulichen Nebenstraße in Freiburg ereignete sich das Verbrechen. Foto: Ralf Deckert

Im Prozess um die Ermordung von Wolfgang W. im vergangenen Sommer in Freiburg-Herdern hat die tatverdächtige Tochter Ina T. am Montag unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt.

Im Prozess um die Ermordung der Freiburger Kinderbuchautors Wolfgang W. (67) im vergangenen Sommer hat die tatverdächtige Tochter des Getöteten, Ina T. (24), am Montag ihre Aussage gemacht. Die junge Frau äußerte sich dabei zu ihrem Vorleben und zu den Tatvorwürfen. Ihr Pflichtverteidiger Sebastian Glathe beantragte zuvor den Ausschluss der Öffentlichkeit während der Aussage aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes seiner Mandantin. Dem kam das Gericht nach, da es bei der Aussage von Ina T. auch um deren Sexualleben und Fragen zu ihrer Familiengeschichte gehen werde, so die Vorsitzende Richterin Lisa Schmenger.

 

Mitangeklagter äußert sich nicht zu den Tatvorwürfen

Der Mitangeklagte Alexander G. (23) hatte zuvor lediglich eine Erklärung zu seiner Vorgeschichte und der belasteten Familiensituation, in der der zuletzt wohnsitzlose junge Mann aufgewachsen war, von seinem Verteidiger Robert Podgajni verlesen lassen. Zu den Tatvorwürfen wollte Alexander G. sich nicht äußern.

Der Verhandlungstag war geprägt von Unterbrechungen und Zwangspausen: Verteidiger Glathe beantragte mit zeitlicher Verzögerung auch den Ausschluss von Alexander G. während der Aussage seiner Mandantin. Es sei zu befürchten, dass sie nicht oder nicht wahrheitsgemäß aussagen werde, wenn er im Raum sei. Deshalb musste Alexander G. die Aussage von einem anderen Raum aus per Videoschalte mitverfolgen.

Keinen Erfolg hatte hingegen der etwas kurios anmutende Antrag von Christine Steiert, die in dem Verfahren einen Bruder und die Ehefrau des Ermordeten vertritt: Sie wollte einen Maulkorb für die dritte Nebenklägerin des Verfahrens, eine Schwester des Getöteten aus dem Rheinland, erwirken, damit diese aus der nichtöffentlichen Verhandlung keine Infos an die Medien durchgibt. Den Antrag lehnte das Gericht jedoch ab: Noch habe die Schwester von Wolfgang W. ja nichts aus dem Gerichtssaal getragen, was nicht an die Öffentlichkeit gedurft hätte.

Die Frau hatte am ersten Tag des Prozesses unter anderem auch unserer Zeitung berichtet, dass es innerfamiliäre Probleme gegeben habe und dass sie ihre Nichte seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Warum das so sei, könne sie nicht sagen. Sie gehe aber davon aus, dass die junge Frau Drogen nehme. Ähnlich äußerte sich am Rand der Verhandlung am Montag auch eine Freundin des Ermordeten in einer Verhandlungspause, ohne jedoch nähere Details nennen zu können oder zu wollen.

Verhandlung geht am Mittwoch weiter

Ina T. und Alexander G. werden gemeinschaftlicher Mord und versuchter gemeinschaftlicher Mord vorgeworfen. Neben Wolfgang W. sollen sie auch die 64 Jahre alte Mutter von Ina T. in der Tatnacht angegriffen und lebensgefährlich verletzt haben. Bei der Festnahme in einem Baustellenklo unweit vom Tatort hatte die Polizei eine Axt, einen Hammer, eine Eisenstange und ein langes Messer bei dem Pärchen als Tatwaffen sichergestellt. Der Prozess am Landgericht Freiburger wird am Mittwoch fortgesetzt,