Iyad B. bekam beim ersten Urteil vier Jahre wegen räuberischer Erpressung Foto: Lück

Gibt es härtere Strafen in der Revision des Riecher-Mordprozesses? Im Plädoyer fordert Staatsanwalt Matthias Krausbeck lebenslänglich für Omran A. Nicht nur wegen Mordes, sondern auch wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge.

Rottweil/Horb-Nordstetten - Die Hinterbliebenen des ermordeten Immobilienunternehmers Michael Riecher (57, †) leiden bis heute. Das schildern die Nebenkläger am 44. Prozesstag der Revision. Gibt es diesmal eine aus ihrer Sicht gerechte Bestrafung für den syrischen Flüchtling Omran A. und seinen Komplizen Iyad B.?

Staatsanwalt Mathias Krausbeck fordert diesmal – wie sein Vorgänger Christof Kalkschmid in der ersten Verhandlung – lebenslänglich für Omran A. Der staatenlose Palästinenser Iyad (B.) soll 7 Jahre und 9 Monate hinter Gitter. Scheinbar nichts Neues.

Aber: Der Bundesgerichtshof hatte das erste Urteil gekippt. Es lautete auf sechs Jahre für Omran und viereinhalb für Iyad wegen räuberischer Erpressung. Unter anderem, weil der erpresserische Menschenraub nicht berücksichtigt wurde.

Jetzt sagt Staatsanwalt Krausbeck: Omran ist auch des erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge schuldig – und darauf steht als Höchststrafe auch lebenslänglich!

Der Doppel-Vorwurf – führt er zur härteren Strafe?

Krausbeck: "Die beiden Angeklagten haben sich des Opfers bemächtigt. Gemäß dem Tatplan, der spätestens im Kaufland am Morgen gefasst wurde, hat Iyad die Beherrschungssituation geschaffen, die erlaubt, das Opfer nach Belieben herumzudirigieren. Diese stabile Bemächtigungslage – mehr ist laut BGH nicht nötig." Omran habe diese Pläne lange geschmiedet und dann mit seinem Komplizen Iyad umgesetzt.

Iyad dagegen sei nicht des Mordes schuldig. Krausbeck: "Es kam gegenüber dem ursprünglichen Tatplan zu einem Exzess von Omran, der nicht durch Iyad bestärkt wurde." Der staatenlose Palästinenser habe den syrischen Flüchtling vorher ausdrücklich aufgefordert, in der Küche zu bleiben.

Omran wollte seine Rolle als vorbildlicher Flüchtling weiterführen

Nebenkläger Rüdiger Kaulmann (vertritt die Zwillingsschwester von Michael Riecher): "Es gibt keinen Hinweis auf gepackte Koffer von Omran. Warum hat er es nicht selbst gemacht, sondern versucht, Mittäter zu akquirieren? Die Drecksarbeit beim Überfall sollte der Mittäter machen, weil Omran seine Rolle als vorbildlicher Flüchtling weiterführen wollte!"

Der Nebenkläger schildert weiter: "Am Abend vor der Tat – so erzählt Iyad selber – hat ihn Riecher gesehen. Am Tag danach geht er unmaskiert in die Wohnung rein. Das potenziert das Risiko, dass das Opfer ihn erkennt und in Verbindung mit Omran bringt. Deshalb wussten beide, das Michael Riecher diesen Abend nicht überleben kann, weil Omran dann sein Leben nicht weiterführen konnte."

Iyad ruft um 18.58 Uhr seinen Komplizen an. Der verlässt die Wohnung, fährt zu Riechers Haus. Kaulmann: "Iyad weiß spätestens jetzt, dass es zu spät für das Opfer ist."

Haben Omran und Iyad das Opfer ermordet?

Kaulmann: "Iyads sagt aus: Omran hat das Opfer von hinten gepackt hat, ihm den Mund zugehalten, auf den Boden geworfen und erwürgt. Erklärt dass die Haltegriff-Spuren an beiden Oberarmen des Opfers? Hat einer das Opfer gehalten, der andere erwürgt?"

Kaulmann: Bin überzeugt, die Beute war höher

Der Nebenkläger ist auch überzeugt, dass mehr erbeutet wurden als 3000 Euro Bargeld. Kaulmann: "Ich bin überzeugt, Omran ist hinterher in die Wohnung gegangen und hat weiter ausgeräumt. Dafür sprechen die Geräusche, welche die Nachbarin später gehört hat." Dann der seltsame Vorfall mit dem Komposthaufen. "Komposthaufen werden nicht wegen 1500 Euro umgegraben. Auch Krügerrand-Münzen, die Riecher gekauft hatte und Omran abholen sollte, sind bisher nicht aufgefunden worden", so Kaulmann.

Nebenkläger Rössler kritisiert Polizei-Fehler

Nebenkläger Knut Rössler (vertritt Riechers Schwester, die zuletzt in der Schweiz gewohnt hat): "Iyad war zwar nur Helfer, der Anweisungen und Befehle von Omran entgegengenommen hat. Aber: Durch den Herbeiruf von Omran und sein Erscheinen am Tatort wusste er, dass er persönlich in Gefahr war. Da lag der Tod es Opfers auf der Hand. Für diese Situation war Iyad mit verantwortlich, deshalb hat er von seinen Anrufen nichts erzählt."

Rössler: "Wenn die Organe keine Fehler gemacht hätten, hätten wir es leichter gehabt. Schon die erste Leichenschau hat Spuren verwischt. Obwohl die Anzeichen an der Leiche auch bei verbrechensunerfahrenen Menschen alle Alarmglocken hätten klingeln lassen müssen. Der Bestatter hatte die Leiche schon gewaschen. Bei den Grabungen in Nordstetten – da meldet eine Zeugin verdächtige Personen, und die Polizei reagiert so langsam?"

Hans Regenbogen (vertritt Riechers Schwester aus Horb): "Iyad hätte den Mord verhindern können. Deshalb sollte er auch für Totschlag durch Unterlassung verurteilt werden."

Die Verteidiger plädieren am Mittwoch, 5. Oktober.