Es gibt sie noch, die Montagsspaziergänge in Balingen. Dort wird weiter gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. Mit dabei ist die bundesweit bekannte NPD-Funktionärin Edda Schmidt aus Bisingen.
Balingen - An einem Montagabend im Mai lehnt Edda Schmidt kurz vor 18 Uhr am Brunnen auf dem Balinger Marktplatz. Eine Trillerpfeife ist zu hören, dann setzen sich die "Spaziergänger" in Bewegung. Auch Schmidt, zusammen mit ihrem Mann Hans. Am Montagabend diese Woche waren beide wieder in Balingen beim Spaziergang dabei.
In rechtsradikalen Kreisen gut bekannt
Das Bisinger Ehepaar ist in rechtsradikalen Kreisen gut bekannt, beide waren Landtags- und Bundestagskandidaten, betreiben in ihrem Heimatort ein Versandantiquariat. Nach dem Verkauf von NS-Literatur waren beide 1997 vom Stuttgarter Landgericht wegen Aufstachelung zum Rassenhass, Volksverhetzung und Verbreitung jugendgefährdender Schriften zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt worden.
Als Zeugin im NSU-Prozess
Edda Schmidt gilt zudem als eine der führenden Nationalistinnen Deutschlands, war Mitglied des Landesvorstands der NPD und Vorsitzende des Verbands Ring Nationaler Frauen. Im Zuge des NSU-Prozesses und der Anklage gegen Beate Zschäpe war sie 2015 als Zeugin vor dem Oberlandesgericht München zu ihren Verbindungen zu dem rechtsradikalen Terror-Trio befragt worden. Direkten Kontakt zum NSU-Trio um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Zschäpe stritt Schmidt damals ab. Allerdings räumte sie vor dem OLG ein, Unterstützer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" in Thüringen und Sachsen zu kennen.
Format politisch nutzen?
Dass die Schmidts bei den Montagsspaziergängen in Balingen dabei sind, wirft ein besonderes Licht auf diese Veranstaltung – und Fragen auf: Wollen die NPDler, deren Partei zuletzt zusehends in der Bedeutungslosigkeit verschwand, das Format politisch für sich nutzen? Hoffen sie, neue Anhänger für ihre Sache zu gewinnen? Und wie steht die diffuse Gruppe der Balinger Montagsspaziergänger dazu, dass erwiesen Rechtsradikale in ihren Reihen sind?
Maßnahmen "widersinnig, ungerechtfertigt und idiotisch"
Ihre Teilnahme an den Montagsspaziergängen in Balingen sei, sagt die 73-jährige Schmidt im Gespräch mit unserer Redaktion, ein Zeichen des Protests gegen die ihrer Meinung nach "widersinnigen, ungerechtfertigten und idiotischen", an das DDR-Regime erinnernden Corona-Maßnahmen. Sie fühle sich drangsaliert, etwa dadurch, dass sie anlässlich einer Untersuchung im Zollernalb-Klinikum oder bei einem Arzt-Besuch eine FFP2-Maske tragen müsse. Zudem teilt sie Ansichten, die bei vielen Corona-Protestlern und Zweiflern gängig sind.
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Derzeit seien die Einschränkungen für viele Menschen in Deutschland zwar nicht spürbar. Sie sei aber aufgrund der Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre sicher, so Schmidt, dass die Politik – insbesondere Gesundheitsminister Karl Lauterbach – die nächsten Maßnahmen schon fertig in der Schublade liegen habe. Man müsse abwarten, was diesem "kranken Gehirn" noch entspringe. Er werde sicher "etwas Neues erfinden", nach Corona und den Affenpocken vielleicht die "Elefantenpest". Dass es wegen Corona Einschränkungen nicht nur in Deutschland, sondern weltweit gab, ignoriert sie.
Corona? Halb so wild
Aus ihren persönlichen Corona-Erfahrungen schlussfolgert Schmidt zudem, dass das Virus ungefährlich sei: Sie selbst habe sich wegen Erkältungssymptomen testen lassen, Ergebnis: positiv. Nach wenigen Tagen sei sie wieder gesund gewesen, wie nach jeder anderen Erkältung auch.
Impfung lehnt sie ab
Gegen Corona habe sie sich nicht impfen lassen, sagt Schmidt, und sie werde das auch nicht tun. Schließlich schütze die Impfung nicht gegen eine Infektion. Das Argument, dass es um den Schutz vor einer schweren Erkrankung gehe, lässt sie nicht gelten. Über die – angeblich zahlreichen – Impftoten und die mit der Impfung einhergehenden Schäden höre man viel zu wenig, findet Schmidt. Sie sei keine grundsätzliche Impfgegnerin, aber die Vakzine gegen Corona seien medizinisch nicht ausreichend erforscht, bei manchen handele es sich um eine "Gen-Spritze". Den Nationalsozialisten werfe man deren medizinische Versuche an Menschen vor, dabei sei die Corona-Impfung nichts anderes. Sie wolle kein "Versuchskaninchen" sein, so Schmidt.
Weiterhin aktiv bleiben will sie indes bei den Montagsspaziergängen in Balingen. Auch wenn sie dort nicht wie die anderen Teilnehmer so richtig mitmarschieren könne: Aus gesundheitlichen Gründen seien ihr nur wenige Schritte möglich, die ganze Runde schaffe sie nicht. Nach den ersten Metern setze sie sich gerne auf ein Bänkchen in der Fußgängerzone. Aber Dabeisein sei alles.