Bei den „Montagsdemos“ der Querdenker in Rottweil laufen nur noch einige Dutzend Personen mit. Foto: Günther

„Vielleicht müssen wir aufhören“, sagt Rainer Lüthy, der Mit-Organisator der montäglichen Demonstrationen in Rottweil im Gespräch mit unserer Redaktion. Selbst Lüthy sieht Unterdrückung durch Corona-Maßnahmen nur noch im Auto-Verbandskasten.

Rainer Lüthy hat durchgezählt bei der jüngsten Querdenker-Demonstration, die nach wie vor an jedem Montagabend in Rottweil stattfindet. Auf 65 Teilnehmer ist der 58-jährige Mit-Organisator gekommen. Das ist nur noch ein Bruchteil der nach seinen Angaben 1600 Demonstranten, die zu den Hochzeiten der Corona-Proteste regelmäßig dabei gewesen seien.

 

Lüthy hat daher jetzt von sich aus das Gespräch mit unserer Redaktion gesucht. Es sei erklärungsbedürftig, warum sich immer noch „Querdenker“ in Rottweil treffen, um hier auf die Straße zu gehen, sagt er. Rainer Lüthy ist in Rottweil unter anderem bekannt, weil er das Schaufenster seiner Pension in der Hochbrücktorstraße für kritische Stellungnahmen zu Corona-Maßnahmen und zur Covid-19-Impfung nutzte.

Ende der Maßnahmen als Grund für das Desinteresse?

Auf die Frage, wie lange die Demonstrationen denn noch stattfinden sollen, kann Lüthy keine konkrete Antwort geben. Er sagt aber: „Vielleicht müssen wir aufhören.“ Er selbst sehe zwar immer noch Anlass genug. „Aber die Leute haben keine Lust mehr.“

Bußgeld droht nicht

Liegt es daran, weil längst sämtliche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie beendet sind, Abstandsregeln, Impfkampagnen, Schulschließungen, Maskenpflicht, Einschränkungen für Handel und Gewerbe?

Aber nein, sagt Lüthy, es gebe ja weiterhin Unterdrückung. „Sie hat sich nur verschoben.“ Und zwar in den Auto-Verbandskasten, behauptet er. „Da müssen jetzt zwei Masken drin sein“, sagt Lüthy, anderenfalls werde man bestraft.

Diese Darstellung befindet sich nicht ganz auf Höhe der Faktenlage. Tatsache ist, dass seit dem 1. Februar verkaufte Verbandskästen zwei OP-Masken enthalten müssen. Eine Pflicht zum Nachrüsten besteht aber nicht.

Autofahrer riskieren daher auch ohne Maske im Wagen keineswegs fünf Euro Bußgeld. Dass die als Unterdrückungsinstrument taugen könnten, glaubt aber auch Lüthy nicht so recht.

Demo-Organisator Rainer Lüthy hat von sich aus das Gespräch mit der Redaktion gesucht. Foto: Günther

Auch andere Thesen lässt der Querdenker fallen, ohne sie belegen zu können. So unterstellt er etwa dem Microsoft-Gründer Bill Gates, dieser wolle mit Hilfe der Weltgesundheitsorganisation WHO die Weltbevölkerung stark reduzieren.

Woher Lüthy das weiß? Habe er im Fernsehen gesehen, sagt er. Nur erinnert er sich nicht mehr, wann, auf welchem Sender und in welcher Sendung. Könne man ja googeln, sagt er mehrfach, wenn ihm Belege für seine Behauptungen fehlen.

Viele Demo-Teilnehmer interessieren sich nicht mehr für Corona

Und wie kommt es, dass ein Großteil der Demo-Teilnehmer in Rottweil sich offensichtlich nicht mehr für Corona-Maßnahmen interessiert? Sie schwenken Friedensfahnen und halten Schilder hoch, auf denen die Waffenlieferungen an die Ukraine kritisiert werden. Zunächst sagt Lüthy, er könne diesen Leuten nicht verbieten mitzulaufen. Er selbst sei aber anderer Meinung.

Etwas später jedoch vollzieht Lüthy eine 180 Grad-Kehre und behauptet, die deutsche Regierung habe den Krieg mit Russland angezettelt. Wie sie das denn gemacht habe? Da führt Lüthy zunächst die massive Erweiterung der EU im Jahr 2004 an. Das konnte Deutschland seinerzeit aber gar nicht allein verfügen.

Diese Herleitung scheint deshalb Rainer Lüthy selbst nicht plausibel, und er nennt stattdessen als Ursache für den Krieg Russlands die Erweiterung der Nato. Aber wieso muss deshalb Russland in die Ukraine einmarschieren? „Das weiß ich auch nicht“, gibt Lüthy zu.