Die grauen Herren im Hintergrund: Das Stück Momo kommt nach Burladingen auf die Bühne. Foto: Simone Haug/Theater Lindenhof

Das Kinderbuch von Michael Ende über das Mädchen Momo wird am Freitag, 5. Dezember, im Theater Lindenhof in Melchingen aufgeführt.

In den 70er-Jahren kannte jedes Kind und jeder Erwachsene das Kinderbuch von Michael Ende über das Mädchen Momo und die Zeitdiebe – nun wird das Werk in Burladingen im Theater aufgeführt.

 

Mutig stellt Momo sich den graue Herren entgegen, die versuchen den Menschen ihre kostbare Lebenszeit zu stehlen. Dabei helfen ihr ihre Freunde: die Schildkröte Kassiopeia, der Straßenfeger Beppo und der Geschichtenerzähler Gigi.

Premiere im Lindenhof

Nach der Premiere in der Partnerstadt Bietigheim feiert „Momo“ am Freitag, 5. Dezember, im Theater Lindenhof seine Premiere. Doch was macht die Geschichte von Momo heute noch so erzählenswert? Darüber sprach Simone Haug vom Theater Lindenhof vorab mit dem Regisseur Christoph Biermeier.

„Es gibt immer wieder Werke der Literatur, die überzeitlich sind, die überhaupt nicht altern, weil sie so parabelhaft geschrieben sind, dass sie in jeder Zeit immer wieder neu entdeckt werden können. Auch Momo ist so eine Geschichte“, wird der Regisseur zitiert. Eine behütete Welt, die von außen und vielleicht auch von innen bedroht wird, das war in den 70er-Jahren so und das ist heute wieder so. „Ich glaube, es gibt Niemanden – klein oder groß – der nicht das Gefühl hat, es besteht gerade die Gefahr, dass unsere Welt kippt. Es gibt so viele Bedrohungen und Verunsicherungen. Da trifft das Stück den Nerv der Zeit.“

Regisseur: versuchen nicht, das Kino zu kopieren

Auf die Frage, wie man die Welt aus dem Buch in ein Bühnengeschehen übersetzt, meint Biermeier: „Wenn man das Buch liest, hat man den Eindruck, das ist eine Disneyverfilmung. Diese ganze Magie, die Welten, die beschreiben werden, die Stundenblumen. Da könnte man meinen, das bräuchte jetzt großes Hollywood Kino.“ Das erstaunliche sei aber, „dass das Theater mit viel kleineren, aber wundersameren Mitteln genauso eine Magie entfalten kann“. So wird zum Beispiel die Zeit und die sich beschleunigende Zeit über eine Drehbühne erzählt. Wie die Menschen bei der sich beschleunigenden Zeit aus der Puste kommen und ihre Orientierung und ihren festen Stand erst wieder finden müssen.

„Wir versuchen nicht das große Kino zu kopieren, aber wir erzählen mit Theatermitteln doch auch eine ziemlich spannende und auch ästhetisch ansprechende Geschichte“, so Biermeier.

Schildkröte Kassiopeia besondere Herausforderung

Und welche Figur hat es dem Regisseur besonders angetan? „Ich verliebe mich eigentlich immer in alle Figuren, wenn ich sie dann auf der Bühne sehe.“

Für ihn als Regisseur war eine besondere Herausforderung die Schildkröte Kassiopeia. „Wie stellt man eine Schildkröte auf der Bühne dar, wenn man keine Schildkröte hat, sondern nur eine Schauspielerin? Was ist das Wesen dieser Schildkröte, übertragen auf eine Schauspielerin? Das ist theaterhandwerklich eine ziemliche Herausforderung, und es ist ziemlich überraschend, auf was man da kommt.“

Der größte Zeitdieb für Biermeier sind laut eigenen Angaben die Medien: „Diese Flut an Neuigkeiten und Informationen, die sekündlich auf mich hereinprasselt. Mich hier zu wehren und zu wappnen, hierfür ist das Stück ein guter Hinweis. Mal zu sagen, ‚lass das doch alles mal weg und gehe raus, schaue dir die Natur an und rede mit Menschen‘.“

Buch beschreibt Utopie

Das Buch von Michael Ende „Momo“ sei auch so gut, weil es eine Utopie beschreibt. „Wir sind ja der Meinung, alles sei so ausweglos. Aber Momo als Figur oder auch Prinzip, das die Menschen zum Reden und Zuhören bringt, zeigt, dass Kommunikation die Welt zum besseren verändern kann. Das fängt ganz im Kleinen an. Das ist vielleicht die Botschaft, die man mitnehmen kann“, so der Regisseur.

Die Premiere von „Momo“ im Theater Lindenhof in Melchingen findet am Freitag, 5. Dezember, um 19.30 Uhr statt. Karten für die Veranstaltung gibt es bei den Vorverkaufsstellen der Region und im Kartenbüro des Theater Lindenhof oder über die Webseite.