Im Rahmen eines „Mötzinger Sommers“ sind für das kommende Jahr unter anderem ein Konzert und ein Open-Air-Kino auf dem Schloßplatz geplant. Foto: Uwe Priestersbach

Der Mötzinger Gemeinderat gab grünes Licht für einen „Mötzinger Sommer“ im kommenden Jahr. Geplant sind vier verschiedene kulturelle Veranstaltungsformate.

Dazu gehören Veranstaltungen mit Konzerten, Open-Air-Kino, Sundowner und Fleckentafel. „Wir wollen jetzt ein Startsignal geben“, warb Bürgermeister Benjamin Finis in der jüngsten Sitzung faktenreich und engagiert für das Projekt zur Schaffung von „gelebter Gemeinschaft und kultureller Vielfalt“.

 

Erklärtes Ziel des „Mötzinger Sommers“ ist aber auch, den Ortskern zu beleben und mit den geplanten Formaten eine niederschwellige Teilhabe aller Generationen zu ermöglichen. Zu den „Herzstücken“ der Veranstaltungsreihe zählt für Benjamin Finis eine Konzertreihe mit Livekonzerten regionaler Bands. So skizzierte er ein Nachwuchsfestival im April in der Gemeindehalle sowie ein Open-Air-Konzert auf dem Schlossplatz mit der Herrenberger Band „Strings unplugged“ im September.

Für das vorgesehene Open-Air-Kino auf dem Schlossplatz ist ein Zeitfenster mit vier Abenden im Juni geplant, bei dem bis zu 500 Besucher pro Vorstellung möglich sind. Mit den so genannten Sundowner-Abenden könnten die Mötzinger Vereine den Schlossplatz an fünf Donnerstagen im Sommer 2026 bespielen, und eine Fleckentafel soll Ende Juni für italienisches Flair in Mötzingen sorgen.

Gründung eines Kulturvereins?

Damit die Veranstaltungen möglichst keine einmalige Sache bleiben, ist perspektivisch die Gründung eines Kulturvereins angedacht, um den „Mötzinger Sommer“ dauerhaft zu etablieren. Nicht unerwähnt lässt die Verwaltung in diesem Zusammenhang, dass sich bei der jüngsten Bürgerbefragung 75 Prozent der Befragten mehr Veranstaltungen „für alle“ gewünscht hatten.

Finanzielle Unterstützung für das Projekt soll unter anderem von LEADER Heckengäu kommen, aber auch die Einnahmen der unterschiedlichen Veranstaltungen spielen eine Rolle bei der Finanzierung. Für 2026 beziffert man den erforderlichen Haushaltsansatz auf rund 29 000 Euro, und auch aus dem Projekt der Baden-Württemberg-Stiftung gegen Einsamkeit stehe eine weitere Förderung im Raum.

Zur Erinnerung: Bereits im Juni hatte der Rathauschef das Projekt im Gemeinderat vorgestellt. Das Gremium hatte die Überlegungen dabei zwar mehrheitlich wohlwollend zur Kenntnis genommen. Aber die von der Verwaltungsspitze gewünschte Bereitstellung der erforderlichen Haushaltsmittel im Planansatz für den Etat 2026 wurde damals aus dem Beschlussvorschlag gestrichen. Auch jetzt herrschte zwar keine Einstimmigkeit im Gemeinderat, doch die große Mehrheit unterstützt den „Mötzinger Sommer“.

Hampel: Gut angelegtes Geld

„Wir sollten den Aufschlag wagen“, erklärte Alfons Aigner und bezeichnete die angestrebte Belebung der Ortsmitte als wichtigen Faktor. Klar werde man die verschiedenen Veranstaltungen anschließend evaluieren müssen, doch Aigner betonte: „Wir nehmen Geld in die Hand – kriegen es aber zehnfach in Form von Lebensqualität zurück“.

Jasmin Haarer machte darauf aufmerksam, dass der „Mötzinger Sommer“ in der Bevölkerung unterschiedlich wahrgenommen werde. Kritische Stimmen gebe es vor allem mit Blick auf das Open-Air-Kino. Außerdem äußerte sie ihre „Erwartungshaltung, dass sich ein Kulturverein gründet“.

Von „gut angelegtem Geld“ sprach Daniel Hampel, der überzeugt ist, dass „wir hier etwas Größeres schaffen können“ – auch um Menschen abzuholen, die nicht in Vereinen seien. „Ich stehe für ein Jahr dahinter“, wünschte sich Egon Stoll den Mut, „neue Wege zu gehen und in Mötzingen wieder etwas in Bewegung zu bringen“. Für ihn stellte sich dabei die Frage, „wie man einsame Menschen abholen kann, um eine Win-Win-Situation zu schaffen“.

Verwaltung mit Umsetzung beauftragt

Rainer Stefanek blieb indes bei seiner kritischen Haltung zum „Mötzinger Sommer“ und tat sich mit Blick auf die seiner Meinung „nach oben offenen Kosten“ schwer – zumal es sich auch nicht um eine Pflichtaufgabe der Gemeinde handele. Probleme befürchtet er bei der geplanten Bespielung des Schlossplatzes außerdem mit den Anwohnern, und so betonte Stefanek: „Der Ansatz ist okay, aber wir können nicht die volle Partymeile auf dem Schlossplatz machen“.

Bei der anschließenden Abstimmung votierten neun Gemeinderäte für die Bereitstellung der Mittel im Haushalt, während sich zwei Räte dagegen aussprachen. Zudem wurde die Verwaltung beauftragt, die Projektidee in die Umsetzung zu bringen.