2022 hatte der Mötzinger Gemeinderat einer geänderten Linienführung der Linie 790 zugestimmt. Nach einer Evaluation steht fest: Der Testbetrieb soll fortgesetzt werden.
Zumindest bis zum Fahrplanwechsel 2028, wenn das Linienbündel im Oberen Gäu neu vergeben und die Karten neu gemischt werden, soll der Verkehrsversuch verlängert werden. Die Linie 790 verbindet die Gäugemeinden Mötzingen, Unterjettigen, Öschelbronn und Nebringen mit Herrenberg.
Für die Fahrgäste aus Mötzingen führt die vor drei Jahren geänderte Streckenführung zu einer Fahrzeitverlängerung von etwa fünf Minuten. Der Gemeinderat hatte deshalb ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Anschlussgarantie an die S-Bahn in Herrenberg durch den Verkehrsversuch nicht beeinträchtigt werden dürfe, und deshalb eine Evaluierung durch das Landratsamt und den Verkehrsverbund VVS gefordert.
Wegen umfangreicher Baustellen in Gäufelden war die Evaluation mit einer belastbaren Auswertung zunächst nicht möglich. Nachdem der Regelfahrplan über einen gewissen Zeitraum wieder gefahren werden konnte, wurde die Evaluation durch das Landratsamt und den VVS durchgeführt.
80 Prozent wollen nach Herrenberg
Wie Daniel Rebmann als Sachgebietsleiter für den ÖPNV beim Böblinger Landratsamt in Erinnerung rief, hatte man seinerzeit nicht weniger als 14 Varianten für die Linie 790 durchgespielt und schließlich zum Fahrplanwechsel 2022/23 den befristeten Testversuch mit der geänderten Linienführung aufgenommen. Als Ergebnis der Evaluation könne man feststellen, dass es durch die Änderung des Linienkonzeptes keine Hinweise auf Fahrgastverluste gebe. Aus Mötzingen hätten sogar mehr Fahrgäste die Linie genutzt. Auffallend sei zudem, dass 80 Prozent der Fahrgäste konkret Herrenberg zum Ziel hatten und nur 20 Prozent weiter in Richtung Stuttgart fahren.
VVS-Teamleiter Jochen Biesinger wies darauf hin, dass man „in der Verkehrsplanung nie fertig ist“. Gerade die „eigentlich geniale Lage“ Mötzingens sorge für Herausforderungen in Sachen Verkehrsplanung. Zwar sei die Evaluation mit Blick auf die Baustellen-Situation teilweise schwierig gewesen. Doch weil Fahrgäste keine Veränderungen lieben, werde man die aktuelle Konzeption der Linie 790 beibehalten. „Das ist eine klassische Kompromiss-Lösung, die bis 2028 trägt“, stellte Biesinger fest.
Rat schließt Kostenübernahme aus
Auf die Kostenfrage ging Daniel Rebmann ein. So werde durch die geänderte Linienführung kein zusätzlicher Bus benötigt, doch es entstünden Mehrkosten von 13 000 Euro pro Jahr. Dies führe zu einer Co-Finanzierung durch die Kommunen, wobei Gäufelden bislang den 50-prozentigen Kommunalanteil zahle.
Der Mötzinger Gemeinderat stimmte vor diesem Hintergrund der geänderten Streckenführung bis zum nächsten Fahrplanwechsel zu, wobei eine Kostenübernahme des Kommunalanteils durch Mötzingen nicht in Frage komme. Wie Bürgermeister Benjamin Finis dazu anmerkte, komme „das Interesse ursächlich aus Gäufelden“. Deshalb gehe er davon aus, dass der Kommunalanteil weiterhin von der Nachbargemeinde übernommen werde.