In der Vergangenheit wurden schon mehrere ältere Gebäude in Mötzingen abgerissen. Foto: Trommer

Vier Prozent sind in Mötzingen momentan unbewohnt. Büro rät von Schaffung von neuem Wohnraum ab.

Mötzingen - Mit der Innenentwicklung befasste sich der Gemeinderat Mötzingen in seiner jüngsten Sitzung. Eng verzahnt ist das Thema mit der demografischen Entwicklung.

Stefan Flaig vom Büro Ökonsult hielt einen aufrüttelnden Vortrag über die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur und die daraus resultierenden Änderungen am Immobilienmarkt.

Die Ergebnisse des Zensus aus dem Jahr 2011 liegen aktuell vor. Diese Zahlen haben bereits für einige Aufregung gesorgt. So gibt es in Deutschland 1,5 Millionen Einwohner weniger als bislang angenommen. In Mötzingen leben 57 Personen weniger als 1987. Bürgermeister Hagenlocher nennt die Zahlen, welche vom Einwohnermeldeamt ermittelt werden, sehr genau.

Flaig sprach deutliche Worte: Die großen Wohngebiete der 70er- und 80er-Jahre, welche junge Familien in die Dörfer brachten, seien mittlerweile in die Jahre gekommen. Die Kinder seien erwachsen, hätten oft selbst gebaut und benötigten das ehemalige Familienheim meist nicht. Doch werden diese Gebäude zum Großteil nicht auf dem Immobilienmarkt gebracht. Der Markt stagniere, auch in Zusammenhang mit der Eurokrise. Flaig forderte die Verantwortlichen auf, hier Überzeugungsarbeit zu leisten und betonte, wie viel besser es älteren Menschen gehen würde, wenn sie die Pflichten, welche ein großes Haus mit Garten mit sich bringt, ablegen könnten und zitierte die glückliche Besitzerin einer kleinen Wohnung. Diese kommentiert den Abschied von Haus und das Leben in der Zweizimmerwohnung mit den Worten: "Wie gut, ich muss nicht mehr Schnee schippen!"

Erhebungen ergaben, dass momentan in Mötzingen vier Prozent der Gebäude leer stehen, laut Hochrechnung werden es aber in Zukunft drei- bis viermal so viele sein, so die Zahlen des Büro Ökonsult.

Flaig machte den anwesenden Gemeinderäten klar, dass sich 1100 Kommunen in Baden-Württemberg um junge Familien streiten. Der Trend gehe im Moment klar zum Oberzentrum Stuttgart, Heilbronn oder auch Tübingen. Für den ländlichen Raum sehe es schlecht aus, wenn nicht kräftig dagegen gesteuert werde. Die Schaffung neuen Wohnraumes sei nicht anzuraten, so Flaig. Er plädiert für Renovierung bestehender Gebäude oder Flächen gewinnen durch Innenentwicklung. Hier ist Mötzingen schon mittendrin. Gegenüber der Schule wurden vor Kurzem alte Häuser abgerissen und somit Platz für Neues geschaffen.