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Mötzingen/Stuttgart Ist 52-Jähriger eine Gefahr für Allgemeinheit?

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Das Landgericht Stuttgart befasst sich mit dem Antrag, den 52-Jährigen Künstler in Verwahrung zu behalten. (Symbolfoto) Foto: Gollnow

Mötzingen/Stuttgart - Der im Jahre 2007 vom Stuttgarter Landgericht wegen Totschlags zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilte Mötzinger Skulpturenkünstler Stefan E. soll nun nach der Verbüßung dieser Strafe jetzt in die Sicherungsverwahrung eingewiesen werden. Diesen Antrag stellte die Staatsanwaltschaft. Die Stuttgarter Schwurgerichtskammer muss nun in einem aufwendigen Verfahren entscheiden

Der neue Prozess gegen den jetzt 52-Jährigen hat am Mittwoch vor der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts begonnen. Eigentlich hätte Stefan E. bereits am 2. Januar aus dem Strafvollzug entlassen werden müssen. Da waren die verhängten 13 Jahre rum. Eine vorzeitige Entlassung hatte ihm das Gericht und auch die Strafvollstreckung damals versagt. E. sitzt weiter in "Überhaft". Der Grund: Es soll jetzt vor der Stuttgarter Schwurgerichtskammer geprüft werden, ob E. nach der Haftverbüßung wegen seiner möglichen und weiter bestehenden Gefahr für die Allgemeinheit in Sicherungsverwahrung kommt – somit mindestens weitere vier bis sieben Jahre hinter Gitter bleiben muss. Die Staatsanwaltschaft macht hierzu verschiedene Geschehnisse und sein Verhalten in der Haft geltend.

Mutter verblutet innerhalb weniger Minuten

Der 52-Jährige war am 11. Juni 2007 nach mehrwöchiger Hauptverhandlung vom Landgericht Stuttgart des Totschlags an seiner Mutter schuldig gesprochen worden. Laut dem Urteil hatte er am frühen Morgen des 2. Januar 2007 im elterlichen Haus in Mötzingen Streit mit der Mutter bekommen, weil sie ihm diesmal kein Geld auf die Treppe gelegt hatte, wie Wochen und Monate zuvor. Die Frau quittierte damit die Faustschläge und Würgeattacke, die der Angeklagte zuvor gegen seinen Vater verübt hatte. Aus Wut, kein Geld zu bekommen, holte er sich damals aus dem Keller seinen 740 Gramm schweren Bildhauer-Schlegel, trat dann die Türe zur Wohnung der Eltern ein und erschlug seine Mutter mit insgesamt sechs wuchtigen Schlägen gegen den Kopf. Die 62-jährige Mutter verblutete innerhalb weniger Minuten. Stefan E. fuhr daraufhin mit dem Fahrrad zur Polizei nach Nagold und stellte sich.

Vom angeklagten vollendeten Mord waren die Richter damals im Urteil abgerückt, weil weder Heimtücke, noch andere mordqualifizierenden Gründe feststellbar waren. Ein forensisch-psychiatrischer Gutachter bescheinigte Stefan E. allerdings eine zur Tatzeit "schwere Beziehungsstörung" mit schizophrenen Elementen mit der Enddiagnose einer "schweren seelischen Abartigkeit", sah daran aber keinen Hinweis, dass die Tat in einem psychischen Wahn oder Ausnahmezustand, somit mit Schuldunfähigkeit, geschah. Jedoch hatte der Sachverständige damals dem Gericht die Anregung erteilt, den Angeklagten in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung einzuweisen, weil dieser in seiner "krankhaften Persönlichkeitsstörung" nicht nur eine Gefahr für die Familie, sondern auch für die Allgemeinheit darstelle. Dem jedoch kam das Gericht nicht nach.

Neue Tatsachen sollen vorliegen

Soll dies jetzt im neuen Prozess vor derselben Stuttgarter Schwurgerichtskammer nach 13 Haftjahren nachgeholt werden? In dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf "Nachträgliche Sicherungsverwahrung" sollen angeblich neue Tatsachen vorliegen, die die Gefahr für die Allgemeinheit auch nach der 13-jährigen Haftzeit weiterhin begründen.

Ob die Anklagebehörde damit durchkommt, ist fraglich: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die nachträgliche Sicherungsverwahrung in mehreren Entscheidungen als Verstoß gegen das Verbot rückwirkender Bestrafung (Artikel 7 der Europäischen Konvention für Menschenrechte) verurteilt. Das Gericht könnte sich auf diese Entscheidung berufen und den Antrag zurückweisen. Doch noch ist es nicht so weit. Am ersten Verhandlungstag wurde zunächst das damalige Urteil verlesen, danach der Antrag der Anklagebehörde, die Sicherungsverwahrung nachträglich anzuordnen.

Mann war ein schwieriger Gefangener

In den folgenden sechs Prozesstagen werden die Richter die vergangenen 13 Haftjahre, in denen der Verurteilte in verschiedenen Haftanstalten untergebracht war, Revue passieren lassen.

Erhellt hat sich, dass er in dem Strafvollzug ein sehr schwieriger Gefangener war, dass er für sich in Anspruch nahm, nicht zu arbeiten und dass er sich an keine Vorschriften hielt, dafür mehrmals disziplinarisch bestraft wurde. Nachdem die Richter damals den Vorschlag des Gutachters, den Mann in eine psychiatrische Zwangsbehandlung einzuweisen, abgelehnt hatten, könnte dies jetzt aufgrund seiner nicht ausgeheilten narzisstischen Störung nachgeholt werden. Stefan E. hingegen blieb auf der Anklagebank bemerkenswert ruhig – im Gegensatz zu seinem ersten Prozess im Jahre 2007. Damals noch hatte er lautstark behauptet, er sei das Genie und er habe die Tötung der Mutter nicht als eine Straftat gesehen. Darauf besteht er heute noch.

Der jetzt 52-Jährige gilt bundesweit in der Kunst-Fachwelt seit vielen Jahren als begabter Maler und Bildhauer. Seine Werke hängen in vielen Kunstgalerien. Und die Stadt Herrenberg hat ihn erst vor drei Jahren mit mehreren seiner außergewöhnlichen Plastiken im "Herrenberger Skulpturenpfad" gewürdigt. Das Zeugenprogram, in dem die Leiter der verschiedenen Vollzugsanstalten gehört werden, wird am 30. März fortgesetzt.

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